Software
Linux-User kritisieren «Willkürentscheid» der Regierung

Die schweizerische Linux-Fangemeinde ärgert sich über den Solothurner Regierungsrat: Dessen Entscheid, in der Verwaltung zur Windows-Benutzeroberfläche zurückzukehren, sei ein «willkürlicher», kritisiert die Swiss Open Systems User Group.

Urs Mathys
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Linux

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Solothurner Zeitung

Die Informatik-Strategie 2001 des Kantons, mit dem 2006 vom Regierungsrat definitiv beschlossenen Linux-Desktop, wurde weit herum als Vorzeigeprojekt in Sachen Open Source gefeiert. Der gesamtschweizerische «Verein zur Förderung von offenen Systemen» spricht auch jetzt noch schwelgerisch von einem «weitgehend erfolgreichen, pionierhaften Linux-Projekt». Dass die Regierung die Informatik-Strategie letzte Woche (wir berichteten) «überraschend über den Haufen geworfen» und «entgegen den Empfehlungen der von ihr selber beigezogenen IT-Experten entschieden» hat, stelle deshalb einen «willkürlichen Entscheid» dar.

«Linux-Vorteile perfid verschwiegen»

Unbestritten sei, «dass es bei diesem aufwändigen Migrationsprojekt Verzögerungen bei der Umsetzung gab, gewisse Software-Probleme auftraten und einige Mitarbeiter unzufrieden mit der neuen Benutzerschnittstelle waren», räumt der Verein ein. Diese Probleme seien aber «nicht häufiger aufgetreten als in vergleichbaren Projekten» dieser Grössenordnung. «Geradezu perfid» sei es, die wichtigsten Vorteile eines Linux-Einsatzes in Abrede zu stellen. So insbesondere das Sparpotenzial von «pro Jahr mindestens 1 Mio. Franken», obwohl es auch gemäss Experten «als völlig plausibel» eingeschätzt worden sei. Teuer zu stehen kommen werde dagegen die von der Regierung jetzt in die Wege geleitete Re-Migration der kantonalen Desktop-Rechner auf Windows.

Rechtmässige Ausschreibung nötig

Der Verein zur Förderung von offenen Systemen verlangt nun eine «lückenlose Offenlegung aller Hintergründe» des regierungsrätlichen Schwenkers. Zudem müsse ein «allfälliges Nachfolge-Betriebssystem im Rahmen einer rechtmässigen öffentlichen Ausschreibung mit funktionalen Anforderungen und ohne Nennung von Produkt- und Herstellernamen beschafft werden.»

Letzte Woche hat die Regierung in Sachen geplanter Linux-Einführung in der kantonalen Verwaltung so etwas wie die Notbremse gezogen: Statt nur das lizenzfreie Betriebssystem Linux, sollen auch Microsoft-Produkte verwendet werden. Konkret heisst dies, dass die PCs in den kantonalen Büros wieder flächendeckend eine Windows-Arbeitsoberfläche (Desktop) erhalten. So sollen die Bereiche mit Aussenkontakten – wohl die Mehrzahl – Windows-Office 10 bekommen. Der Bedarf dafür soll gemäss Regierungsbeschluss in den nächsten Monaten abgeklärt werden. Anderseits erhalten Verwaltungsbereiche, die vorwiegend Innenkontakte pflegen, kein Windows-Office-Programm (mit Ausnahme von Outlook), sondern Writer/Linux (statt Word ) und Calc/Linux (statt Excel).

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