«Auch keine Lust mehr, dass nur die ‹Alten› das politische Geschehen in Solothurn bestimmen?» Unter diesem Motto lud die Juso des Kantons Solothurn am Sonntagnachmittag zur Podiumsdiskussion mit anschliessendem Bandcontest in der Kulturfabrik Kofmehl. Bei schönem Wetter zeigten Jugendliche aus dem Kanton, dass es sie doch noch gibt, die politisch interessierte Jugend. «Ich würde nicht in die Politik einsteigen, will aber wissen und aktiv mitbestimmen, was in der Schweiz vor sich geht», sagte eine der Besucherinnen des Events.

Warum als Kandidat antreten?

Anwesend waren bis zu 50 Personen, die zum Grossteil aus dem linken Lager stammten. Sie hatten sich schon früh vor dem Start der Diskussion eingefunden. Fünf Nationalratskandidaten – Christof Schauwecker (Junge Grüne), Jonas Hufschmid (Junge CVP), Sandro Gervasoni (Jungfreisinnige), Matthias Enggist (Juso) und Jessica Bader (Junge SVP) – debattierten über aktuelle Themen, die Jugendliche im Kanton Solothurn beschäftigen. Geleitet wurde die Podiumsdiskussion von Andreas Kaufmann, Redaktor der az Solothurner Zeitung.

Die Themen an diesem Sonntagnachmittag: die verkürzten Öffnungszeiten des «Kofmehls», autonome Jugendzentren, Atomausstieg, Transparenz bei Wahlkampfgeldern, Lohnungleichheiten und zu guter Letzt die Globalisierung und, damit verbunden, der EU-Beitritt. «Warum tretet ihr als Kandidaten mit geringen Chancen auf einen der sieben Nationalratsplätze überhaupt an?», wollte Moderator Andreas Kaufmann von den Teilnehmern zu Beginn wissen. Der Jugend Einzug in das Bundeshaus verschaffen, Junge für Politik motivieren und Erfahrungen sammeln, so die Ziele der Kandidaten. Bei mehreren Themen waren sich die Teilnehmer grösstenteils einig. So auch, als die zurzeit heftig diskutierte Schliessungszeit 2 Uhr im «Kofmehl» zur Debatte stand. «Um Partys à la Vogt-Schild zu verhindern, müssen liberale Öffnungszeiten ausgearbeitet werden», sagte Christof Schauwecker von den Jungen Grünen. Mit einer Öffnungszeit bis 5 Uhr als Testphase würden sich alle einverstanden erklären.

Die Grenzen werden durchlässig, für Geld, für Menschen und für Informationen. Wurde das Thema EU angesprochen, gingen die Meinungen deutlich auseinander. «Ich persönlich bin immer noch für einen Beitritt. Wir müssen immer mehr Gesetze übernehmen, und solange wir nicht der EU beitreten, haben wir kein Mitspracherecht bei genau diesen Gesetzen», meint Matthias Enggist von der Juso. Am bilateralen Weg festhalten will Sandro Gervasoni von den Jungfreisinnigen und folgte sogleich mit einem Seitenhieb gegen die SVP. «Die SVP war zwar damals die einzige Partei, die sich gegen einen EU-Beitritt eingesetzt hat, was ich heute unterstützen kann, aber mit der Initiative der Masseneinwanderung übertreibt es die Partei. Da kann man sich gleich ins eigene Knie schiessen», sagte er und erntete damit Jubel aus dem Publikum. Jessica Bader von der Jungen SVP schien sich nicht so richtig auf einen Schlagabtausch einlassen zu wollen und meinte pragmatisch: «Ich finde den Weg mit den Bilateralen einen guten und bin dafür, dass man innerhalb der Partei Meinungsverschiedenheiten äussern darf.»

Ein Lob für die Jungpolitiker

Gegen Schluss stellte das Publikum Fragen zu Themen wie Armee, Windräder und die Ausschreitungen in London. Worauf sich noch der eine oder andere Schlagabtausch zwischen Kandidaten und Publikum entwickelte, bevor der Moderator dann die Runde beendete. Der Anlass war, wie Nico Allemann von der Wahlkampfleitung Juso Solothurn treffend zum Schluss sagte, eine gute und zum Zuhören angenehme Diskussionsrunde. «Ihr habt einander ausreden lassen, nicht wie in der ‹Arena›», sagt der Mitorganisator des Nachmittags.