Schule
Lehrer im Clinch: Mehr Arbeit, dafür weniger Lohn?

Unterschiedliche Anstellungsbedingungen für die Lehrkräfte der Stadt- und der Landschulen sorgen für rote Köpfe. Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

Christian von Arx
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Keystone

Im August 2011 startet im Kanton Solothurn die neue Sekundarschule. Sie beinhaltet unter anderem die zweijährige Sek P (Progymnasium) als einheitliche Vorbereitung auf die Maturitätsschulen. Die neue Sek P wird an neun Standorten angeboten: An den Kantonsschulen Olten und Solothurn, am Gymnasium Laufen und an den sechs Sekundarschulen Gäu (Neuendorf), Grenchen, Leimental (Bättwil), Thal (Balsthal), Niederamt (Mittelgösgen/ Schönenwerd) und Wasseramt Ost (Derendingen).

Auftrag, Lehrplan und Lernziele an diesen neun Schulen sind überall gleich. Die Entlöhnung der Lehrkräfte aber soll unterschiedlich sein. Das Departement für Bildung und Kultur (DBK) sieht nämlich ein so genanntes «Hausmodell» vor: Wer an einer Sekundarschule angestellt ist, wird in Lohnklasse 21 eingestuft und hat ein Pflichtpensum von 29 Lektionen. Wer an einer Kantonsschule angestellt ist (und eine Gymnasiallehrerausbildung hat), kommt in Lohnklasse 23 mit nur 26 1⁄2 Pflichtlektionen.

«Das ‹Hausmodell› ist nichts Neues»

Aus Sicht der Kantonsschullehrer ist das logisch. Sie sind als Gymnasiallehrer an einer Kantonsschule angestellt, ihnen können aber auch Sek-P-Klassen zum Unterricht zugewiesen werden. Schon im bisherigen System hatten sie die gleichen Anstellungsbedingungen, ob sie am Gymnasium oder am Untergymnasium unterrichteten. Das soll mit der neuen Sek P so bleiben, finden sie. Auch Andreas Walter, Chef des Amts für Volksschule und Kindergarten, betont die Kontinuität: «Das ‹Hausmodell› ist nichts Neues. Am Progymnasium Balsthal ist ein Teil der Lehrkräfte an einer Kantonsschule angestellt, ein anderer an der Bez. Sie sind unterschiedlich eingestuft.»

Ganz anders sehen das die Bezirks- beziehungsweise Sekundarlehrkräfte: «Eine Ungleichbehandlung ist nicht akzeptabel», sagt Roland Misteli, Geschäftsführer des Lehrerverbandes LSO. UG und Bez seien unterschiedliche Schulen gewesen, die neue Sek P aber sei überall im Kanton die gleiche. Einstufung und Pensen müssten für alle Sek-P-Lehrkräfte gleich sein, unabhängig vom Schulstandort. Die vom DBK vorgesehene Differenz könnte bis 14 000 Franken und 95 Lektionen pro Jahr ausmachen. Der LSO sei bereit, den Besitzstand bisheriger Kantilehrkräfte an der Sek P anzuerkennen.

Lohnklagen der Sekundarlehrkräfte wohl programmiert

Die Fronten sind verhärtet. Im Rahmen der umfassenden Überprüfung der Zuweisung veränderter Lehrerfunktionen wurde kein Konsens erreicht. Noch im November soll die Gesamtarbeitsvertragskommission dem Regierungsrat Antrag stellen, dessen Entscheid wird im Dezember erwartet. Diese Woche hat Kantonsrat Andreas Schibli (FDP, Olten), selbst Bezirkslehrer, die Regierung mit einer Interpellation zur Stellungnahme aufgefordert.

Entscheidet der Regierungsrat für das «Hausmodell», sind Lohnklagen der Sekundarlehrkräfte wohl programmiert. Als Arbeitgeber betroffen sind auch die Gemeinden. Ulrich Bucher, Geschäftsführer des Einwohnergemeindeverbandes, findet unterschiedliche Einstufungen je nach Schulstandort «schwierig nachzuvollziehen». Und er weist auf das Kernproblem hin: «Werden hier eventuell Lehrkräfte nicht stufengerecht eingesetzt?»