Biberist

«Zwei Kirchgemeinden kommen auf Augenhöhe zusammen»: Katholiken wollen fusionieren

Als Gründe für eine mögliche Fusion wurde vor allem die Besetzung der Ämter zur Organisation der vielfältigen Aufgaben der Kirchgemeinde genannt. (Symbolbild)

An einem Infoanlass wurde die mögliche Fusion der katholischen Kirchgemeinden Biberist-Lohn-Ammannsegg/Bucheggberg und Kriegstetten-Gerlafingen diskutiert.

«Mit dieser angedachten Fusion können die beiden Kirchgemeinden auf Augenhöhe zusammenkommen», umriss Andreas Beer, Präsident der Kirchgemeinde Biberist-Lohn-Ammannsegg (BibLa), die Partnerschaftlichkeit dieses Projektes. Schon jetzt arbeiten die vier Pfarreien in Kriegstetten, Gerlafingen, Biberist und Lohn-Ammannsegg im Rahmen des rund 6000 Mitglieder umfassenden Pastoralraums zusammen.

Als Gründe für eine mögliche Fusion nannte Beer vor allem die Besetzung der Ämter zur Organisation der vielfältigen Aufgaben der Kirchgemeinde. Viele der langjährigen Mitarbeitenden möchten aufhören, und niemand stehe «Schlange», um sich nach den Wahlen 2021 zu engagieren. Ein Zusammenschluss, der eine Strukturänderung mit sich bringen würde, könnte die Zukunft der Kirchgemeinde und damit auch die Existenz der vier örtlichen Pfarreien unter ihrem Dach sichern. «Wir dürfen uns keine rosa Brille aufsetzen und die Probleme negieren, die auf einer Abnahme der kirchlichen Position beruhen», warnte Beer.

Doppelspurigkeiten abbauen

«In der Mehrzahl der katholischen Kirchgemeinden im Kanton fanden jeweils bei weiterhin bestehenden Vakanzen nur noch stille Wahlen zur Besetzung der Ämter statt», kennzeichnete Dominik Fluri, Fusionskoordinator im Amt für Gemeinden, die Lage. Damit steige die Belastung für die wenigen Verantwortlichen. Aus diesem Grund gelte es, Doppelspurigkeiten abzubauen und die Synergien einer gemeinsamen Verwaltung zu nutzen.

Fluri erläuterte die rechtliche Seite, die auf der Zustimmung der betroffenen Bevölkerung und anschliessend derjenigen im Kantonsrat aufbaut. Walter Ingold, ehemaliger Verwalter der BibLa, leuchtete die finanzielle Lage der beiden Partner aus. Grundsätzlich seien beide Kirchgemeinden monetär jetzt und in Zukunft – unabhängig einer Fusion – mit einem Eigenkapitalpolster gut aufgestellt. Zusätzlich zur dreijährigen Besitzstandgarantie sorge der künftige Finanzausgleich dafür, dass die Kirchgemeinde Kriegstetten-Gerlafingen wegen ihres gegenüber BibLa geringeren Steuereindex höhere Zuwendungen erhalte. «Auch das ist für die dann gemeinsame Organisation eine grosse Chance», bekräftigte Ingold seine Zustimmung zu diesem Schritt. Die Entwicklung der Mitgliederzahlen sah er trotz der vielen Austritte nicht so pessimistisch, weil die Wohnbautätigkeit und damit der Zuzug in die Region zunehme. Der anvisierte gemeinsame Kirchen-Steuersatz von 15 Prozent sei durchaus realistisch, betonte Ingold.

«Jetzt ist der Zeitpunkt richtig»

Synodalratspräsident Kurt von Arx gratulierte zum angedachten Zusammenschluss der beiden Kirchgemeinde-Geschwister. Damit entstehe die grösste römisch-katholische Kirchgemeinde im Kanton. «Jetzt ist der Zeitpunkt richtig, weil beide Partner gleich stark sind.» Pastoralraum-Leiter Max Hermann bekräftigte, dass eine derartige Fusion alle Ebenen stärke, wenn damit die Kirchgemeinde deckungsgleich mit dem Pastoralraum werde.

Richard Tschol, Präsident der Kirchgemeinde Kriegstetten-Gerlafingen, machte die über 70 Beteiligten der Informationsveranstaltung mit dem weiteren Vorgehen bekannt. Am 20. Oktober 2019 ist eine Urnenabstimmung vorgesehen. Geplant ist der Zusammenschluss auf den 1. Januar 2021.

«Diese Fusion ist nötig», sagte Eduard Gerber (Halten), der die Zusicherung erhielt, dass alle Verträge im Friedhofswesen mit anderen Gemeinden unangetastet gültig bleiben. Attila Lardori (Horriwil), der in seinem Dorf feststellte, dass viele Leute bei klaren Bedingungen im Gemeinwesen mitarbeiten wollen, regte an, künftige Ämter genau zu definieren. Stephan Baschung (Gerlafingen) äusserte sich skeptisch zur «überschätzten» Wirkung des Finanzausgleichs. Paul Füglistaler (Biberist) hinterfragte die «Ehrenamtlichkeit» eines künftigen Kirchgemeindepräsidenten.

Sein Vorschlag: man solle diese umfassende Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. «Auch dazu wurden bereits Überlegungen gemacht», hiess es von Beer und Tschol. Einen «Knackpunkt» bedeutet allerdings die Benennung des neuen Gebildes. Wie wäre es mit «katholische Kirchgemeinde Wasseramt-West»?

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