Wasseramt
Zwei Ammänner treten ab – politisch sind sie getrennt, aber menschlich nah

Thomas Fischer und Eduard Gerber treten von der politischen Bühne ab. Als Ammänner der Gemeinden Halten und Drei Höfe tickten sie sehr unterschiedlich.

Christof Ramser
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Während 8 respektive 12 Jahren prägten Thomas Fischer (l.) und Eduard Gerber das Geschehen im Wasseramt als Gemeindepräsidenten mit.Hanspeter Bärtschi

Während 8 respektive 12 Jahren prägten Thomas Fischer (l.) und Eduard Gerber das Geschehen im Wasseramt als Gemeindepräsidenten mit.Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

Wohin steuert das äussere Wasseramt? Jene Bauerndörfer zwischen der industrialisierten Solothurner Agglomeration und dem idyllischen Hügelland der Buchsiberge? Zwei, die den Kurs künftig nicht mehr mitbestimmen, sind Thomas Fischer und Eduard Gerber. Die beiden Gemeindepräsidenten treten nicht mehr zur Wiederwahl im Mai an. Ihre Nachbargemeinden Drei Höfe und Halten haben vieles gemeinsam und ähnliche Interessen. Doch im Gespräch zeigt sich, dass die beiden Ammänner in zentralen Bereichen ganz unterschiedlich ticken.

Eduard Gerber, CVP-Mitglied mit jahrzehntelanger Erfahrung, ist ein Politiker aus Leidenschaft. Loszulassen fällt ihm schwer. Thomas Fischer, der sich in keine Partei einordnen lässt, war ein Quereinsteiger. Er will sich nun ganz aus der Politik zurückziehen.

Verbindende Interessen ...

Trotz unterschiedlicher Persönlichkeiten kamen sich die beiden in den vergangenen acht Jahren menschlich näher. «Obwohl wir oft nicht gleicher Meinung waren und Streitgespräche führten», stellt Fischer klar. «Doch ich merkte schnell, Edy ist ein Urgestein und versteht viel von Finanzen. Da nahm ich ab und zu gerne seine Hilfe in Anspruch.»

Gerber gibt das Kompliment zurück: «Ich staunte, wie schnell Tom seinen Job im Griff hatte. Und wie er sich über die Gemeindegrenzen hinaus einsetzte. Etwa bei der Übergabe des Wasserämter Filmpreises an den Solothurner Filmtagen.» Gerne erinnern sich beide an die Treffen der Wasserämter Gemeindepräsidenten im lockeren Rahmen auf Thomas Fischers Pferderanch in Winistorf.

Gemeinsam setzen sie sich auch für eine bessere Busverbindung in ihre Dörfer ein. Gerade in den Drei Höfen sei die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sehr bescheiden. «Doch das wissen die Leute, wenn sie zu uns wohnen kommen.» Ein verbindendes Element ist zudem die Post. Beide Gemeinden sind an die Poststelle in Kriegstetten angeschlossen.

Schliesslich wollen beide den ländlichen Charakter ihrer Dörfer bewahren. Genau wegen der Natur und des Naherholungsgebietes würden die Leute doch im äusseren Wasseramt wohnen. Doch müssten die eingeschränkten Wachstumsmöglichkeiten «in irgendeiner Form» abgegolten werden.

... und trennende Elemente

Bald schwenkt das Gespräch auf ein Reizthema. Bei den Gemeindefusionen ists vorbei mit der Einmütigkeit. Fischer ist «überhaupt kein Fan» davon; trotz der Zusammenlegung von Heinrichswil-Winistorf und Hersiwil zur neuen Gemeinde Drei Höfe während seiner Amtszeit. Mit Fusionen würden die drängenden Probleme bloss hinausgeschoben. Zudem ist Fischer überzeugt, dass eine Verwaltung mit Vollzeitstellen teurer würde. Auch in kleinen Gemeinden mit Milizfunktionären und Teilzeitpensen würde nämlich «hochprofessionell und effizient» gearbeitet – sofern die richtigen Leute verfügbar seien. In den Drei Höfen sei dies der Fall. Inzwischen würden diese auch anständig entschädigt. Überhaupt nichts anfangen kann Thomas Fischer mit einer grösseren Fusion im äusseren Wasseramt, wie sie von verschiedener Seite ins Gespräch gebracht wird.

«Unnötig und blöd» findet eine solche Fusionsdiskussion derzeit auch Eduard Gerber. Man müsse kleine Schritte machen. Indes setzt er sich seit Jahren für einen Zusammenschluss von Halten, Oekingen und Kriegstetten ein. Dafür würde er sogar höhere Verwaltungskosten in Kauf nehmen. «Die Vorteile einer Fusion würden überwiegen.» Derzeit sei bei einem längeren Krankheitsfall auf der Haltener Verwaltung nämlich keine Stellvertretung gesichert. Aber auch politisch und gesellschaftlich mache eine Fusion Sinn. «Wir haben eine gemeinsame Schule, wir kaufen in Kriegstetten ein, viele Vereine funktionieren grenzübergreifend. Und nun soll auch die Wasserversorgung zentralisiert werden.» Zudem seien die Dörfer räumlich längst zusammengewachsen. Da sei es ein kleiner Schritt, auch die politische Eigenständigkeit aufzugeben.

Die Fusion als Zankapfel

Eduard Gerber ist überzeugt, dass eine Fusion den Service für die Einwohner verbessern würde. Etwa punkto Öffnungszeiten der Verwaltung. Thomas Fischer entgegnet, dass Dienstleistungen in kleinen Gemeinden besser und persönlicher erbracht werden können. Und er stellt die Diskussion in einen grösseren Zusammenhang. «Der Föderalismus hat gegenüber dem Zentralismus viele Vorteile. Damit kann man etwa verhindern, dass pathologische Psychopathen nur noch Macht anhäufen und sich in den Mittelpunkt stellen wollen.» Die drängenden Fragen von Einzelpersonen müssten in der kleinstmöglichen Einheit beantwortet und gelöst werden.

Kleine Strukturen, Eigeninitiative, Autonomie. Das sind für Thomas Fischer Grundsteine der schweizerischen Politik. Er setzt auf den Direktkontakt von Angesicht zu Angesicht. Man dürfe die Finanzen nicht zu stark in den Vordergrund stellen. Eine Gemeinde bestehe aus politischen, kulturellen und sozialen Elementen. Es gebe sehr viele Möglichkeiten, im Kleinen etwas zu bewegen und Entscheidungen zu treffen. «Das ist mir etwas wert.»

Eduard Gerber hakt ein und ruft in Erinnerung, dass die grossen Problemstellungen wie das Schul- und das Sozialwesen bereits an höhere Staatsebenen ausgelagert wurden. In den Gemeinden verblieben nur noch wenige Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere der Strassenbau, die Wasserversorgung und die Abfallentsorgung. Über lediglich noch rund zehn Prozent des Budgets könnten die Kommunen frei bestimmen.

Nachfolgen sind gesichert

Zum Ende des Gesprächs findet sich dann doch noch eine Gemeinsamkeit: Das Lamento über die fehlenden Einnahmen aufgrund nicht bezahlter Steuerrechnungen vereint Fischer und Gerber. Doch bereits bei den Lösungsvorschlägen brechen Unterschiede durch. Während Thomas Fischer eine Quellenbesteuerung sinnvoll fände, kann Eduard Gerber damit nichts anfangen. «Aufrechte Bürger füllen ihre Steuererklärung verantwortungsvoll selber aus.» Oder sie lassen ihn es tun. Zwischen drei und fünf Deklarationen füllt der ehemalige Steuerexperte noch heute täglich aus. Kürzerzutreten fällt Eduard Gerber auch in diesem Bereich schwer.

Bis Ende Juli hat er Zeit, sich damit zu arrangieren. Dann könnte ihn der derzeitige Vizegemeindepräsident Beat Gattlen (ebenfalls CVP) beerben. In den Drei Höfen, wo kaum Parteipolitik betrieben wird, ist ebenfalls ein Gemeindepräsident von der gemeinsamen Freien Liste designiert. Den Namen will Thomas Fischer allerdings noch nicht verraten.