Biberist
Zum Frühlingsfest der Platzger kamen Vertreter aller 47 Schweizer Vereine

Es ging zu und her wie in einem Bienenhaus, auf dem Rasen hinter dem Biberister Schulhaus Mühlematt. Die Platzger führten hier am Wochenende ihr Frühlingsfest durch. Und wo gibt es noch so etwas: Von den 47 Schweizer Vereinen nahmen tatsächlich alle 47 an dem Fest teil. Über 400 Platzger, darunter 12 Frauen, wollten den prestigeträchtigen Festsieg ergattern.

Hans Peter Schläfli
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Ein guter Wurf: Die Platzge landet nahe am Schwirren.

Ein guter Wurf: Die Platzge landet nahe am Schwirren.

Der Platzger wirft die Platzge in Richtung Ries, wo sie möglichst nahe am Schwirren im Lätt landen soll. So einfach lässt sich der traditionelle Schweizer Sport beschreiben, der seine Wurzeln im Mittelalter haben soll. Doch dann müssen auch noch die Begriffe erklärt werden: Die Platzge ist ein handliches Stück Stahl mit fünf Zacken, das im Durchmesser höchstens 18 Zentimeter gross sein darf. Beim Gewicht sind die Platzger dagegen sehr tolerant, das soll zwischen einem und drei Kilogramm liegen. Der Schwirren ist ein orangener Stock, der in der Mitte des Zielkreises aus dem Lätt schaut.

Wer mit zwölf Würfen über 1056 Punkte erreichte, wurde in Biberist mit einem Kranz ausgezeichnet. Wer in der Rangliste ganz vorne dabei sein wollte, der musste also schon ein paarmal die 100 Punkte machen, die es gibt, wenn die Platzge weniger als einen Zentimeter neben dem Schwirren landet. Wohlgemerkt: Dies bei einer Wurfdistanz von 17 Metern. Bis man das schafft, braucht es ein paar Jahre intensives Training. Eine Serie von 12 Mal 100 Punkten gab es in der Geschichte des Platzgens noch nie.

Im Bernischen verbreitet

Schweizer Meister 2017: Reinhard «Hippy» Oppliger mit seiner Tätowierung.

Schweizer Meister 2017: Reinhard «Hippy» Oppliger mit seiner Tätowierung.

Mit 32 Jahren aktiver Karriere ist Reinhard «Hippy» Oppliger im Platzgen das, was Jack Nicklaus im Golf repräsentiert. Seinen Schweizer-Meister-Titel von 2017 hat sich der Präsident des Platzgerklubs Biberist sogar auf den Oberarm tätowieren lassen. Spektakuläre 964 Punkte hatte er aus zehn Würfen erreicht. 2018 wurde er wegen zwei Zentimetern «nur» Vizemeister. «Im Herbst strebe ich den dritten Platz an, damit ich den Medaillensatz komplett habe», nennt er sein Saisonziel. Wer ihn kennt, der weiss, dass er damit tiefstapelt, denn er möchte natürlich den Titel gewinnen.

Das breite Berndeutsch der Oberländer dominierte in Biberist: Von den 47 Vereinen sind 45 im Kanton Bern daheim, einen Verein gibt es noch im freiburgischen Ulmiz und die einzigen Solothurner sind die Biberister Platzger – sieben an der Zahl. Ganz alleine hätten diese glorreichen Sieben das Fest nicht auf die Reihe gebracht, die befreundete Hornussergesellschaft Biberist Dorf hatte beim Aufbau geholfen. «Neue Spieler sind jederzeit willkommen», sagt deshalb Präsident Hippy Oppliger, «anmelden kann man sich über unsere Facebook-Seite.»

Weitere Informationen: www.platzgen.ch und auf Facebook, Platzger Club Biberist.

zvg