Das traditionsreiche Londoner Auktionshaus Sotheby’s ist zusammen mit «Christie’s» bekannt für Auktionen im Hochpreissegment. Man stellt sich in Pelz gewandete Damen vor, diskrete Herren in Anzug und Krawatte und dicken Bankkonten im Rücken. Herr und Frau Schweizer würde sich kaum trauen dort auch nur in die Nähe zu kommen.

Ganz anders soll es bei «Simonsohn Auktionen» zu- und hergehen. «Das Auktionshaus für alle» will einmal pro Monat Kauffreudige ins Delta-Areal nach Langendorf locken. Mit der ersten Auktion am Samstag geht für Ernst Simonsohn ein Traum in Erfüllung. Der 45-Jährige ist gelernter Jurist, zurzeit in der Erwachsenenbildung tätig, aber wie er selber sagt: «Seit 40 Jahren ein Liebhaber von Antiquitäten.» Vor allem Möbel, Porzellan und Silber sind seine Passion. Ihm ist bewusst, dass es im Internet viele Auktions-Plattformen gibt. «Aber man muss die Dinge doch anschauen oder anfassen können.»

Etwas Aufregung ist erwünscht

In ihm wuchs der Wunsch, ein Auktionshaus zu eröffnen, das Verkäufer und Käufer von schönen, wertvollen, seltenen und aussergewöhnlichen Objekten zusammen führen soll. Klar könnte man auch einfach eine Brocante eröffnen, aber eine Auktion erhöhe die Aufregung, etwas erstehen zu können, findet Ernst Simonsohn. Dem pflichtet sein Lebenspartner Markus Simonsohn bei, der ihm bei der Realisierung des Traumes helfen wird. Während Ernst Simonsohn unter der Woche die Kundschaft im Auktionshaus berät, interessierten Käufern gerne die zum Verkauf stehenden Objekte zeigt und als Auktionator fungiert, wird Markus Simonsohn an Auktionstagen die Käufer beim Check-in und Check-out betreuen und für einen reibungslosen Ablauf rund um die Auktionen zuständig sein. Dabei erhalten sie Unterstützung von Studenten aus dem privaten Umfeld.

Entgegengenommen werden Objekte aus der Zeit zwischen 1500 und den 1980er-Jahren. Dabei konzentriert man sich auf Ware, die mehr als nur einen emotionalen Wert hat. Dinge, die aus einer Erbschaft stammen, von denen man sich ungern trennt, und es einem einfach ein gutes Gefühl gibt, wenn bei Auktionen um die Ware «gekämpft» wird, beispielsweise. Wenn möglich, versucht Ernst Simonsohn die Verkäufer bei der Schätzung des Wertes zu unterstützen. Im Zweifelsfalle werden Fachleute zurate gezogen. Das Auktionshaus soll Anlaufstelle für Sammler, Vintage-Fans, aber auch Kunstliebhaber werden: «Bei uns wird man Objekte ab 20 Franken ersteigern können, aber gegen oben ist natürlich alles möglich.»

Vielseitiges Sammelsurium

Noch wirkt das Auktionshaus eher leer. Trotzdem verfügen Ernst und Markus Simonsohn für Samstag über 300 Lose, welche versteigert werden. Ziel wäre es, pro Auktionstag 500 Lose versteigern zu können, was sich über mehrere Stunden hinziehen würde. Um den Ablauf einfacher zu machen, werden die Gegenstände in Slots eingeteilt. Das heisst: Jemand, der sich zum Beispiel konkret für eine Vase interessiert, erhält ein vordefiniertes Zeitfenster, in welchem diese versteigert wird.

Ein Rundgang vom Eingang, vorbei am Bistro durch die grosse Halle, macht Lust auf die erste Auktion: Da stehen alte Stühle aus dem Kino Elite in Solothurn, ein 60-teiliges Teeservice, ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, Meissener Porzellan, eine Früchteschale von Alessi, ein Biedermeier-Teppich, ein 60er-Jahre-Salontisch und vieles mehr.

Doch nicht nur Käuferinnen und Käufer sind willkommen: «Wir freuen uns über Zaungäste. Denn dies ist das beste Mittel, um vorgefasste Vorurteile über Auktionshäuser und Hemmschwellen abbauen zu können.»

Erste Auktion: Sa, 10. November, 10 Uhr, Simonsohn Auktionen, Delta-Areal, Langendorf. Infos unter: www.simonsohn-auktionen.ch