Die Uhr tickt. Bald ist 31. Dezember. Das ist der Termin, dem René Strickler im Februar 2014 in einem Vergleich vor dem Richter am Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt zustimmte. Der Richter gewährte damals dem Raubtierzoobesitzer zwei weitere Jahre, um eine Nachfolgelösung für seine Tiere zu finden.

Die oft genannte Lösung mit einem Kauf des Areals in Subingen und einer Weiterführung des Betriebes eines Raubtierzoos ist bisher nicht präsentiert worden. Der angebliche Investor, der einsteigt und das Millionen-Projekt «Jungle World» finanziert, mit dem René Strickler hausiert, wurde bisher auch nicht vorgestellt.

Währenddem läuft der Betrieb des Raubtierzoos wie gewohnt. Die Tiere können jeden Tag von 9.30 bis 17 Uhr besichtigt werden. Noch am 27. Dezember führt René Strickler einen Sonntagsbrunch mit Raubtiertraining durch. Das ist alles nachzulesen auf der Internetseite des Raubtierparks.

Strickler selber ist momentan viel auf Reisen und schwer erreichbar. Vorgestern war er mit dem Lastwagen unterwegs, um Fleisch für seine Raubkatzen abzuholen. Am Telefon reagiert er auf Fragen wie immer in den letzten Monaten. «Ich gebe keine Auskunft, bis nicht alles geklärt ist. Wenn es so weit ist, werde ich anrufen.» Dass nur noch wenige Tage bis zum Termin sind, ist für ihn kein Argument, etwas zu sagen. «Ich bin schon sehr weit mit einer Lösung», fügt er an.

Wohin mit den Tieren?

Naheliegend ist, dass René Strickler versucht, seine Raubkatzen andernorts zu platzieren. Diese Meinung hat auch Peter Studer, der früher ein Jahr lang als Tierpfleger bei Strickler arbeitete und mit ihm auf Tournee ging. Nach wie vor interessiert ihn die Zukunft des Raubtierzoos, die auch ennet dem Berg, in der Siky-Ranch, hätte sein können. «Das hat mich schon enttäuscht, dass Strickler das Angebot nicht wahrnahm», erklärt Peter Studer. In der Schweiz werde das Interesse an den Tieren gering bis nicht vorhanden sein. «Die grossen Zoos haben genug Tiere und eigene Zuchtprogramme. Dass da ein Tier von Strickler reinpasst, ist unwahrscheinlich.»

Möglich sei, dass kleinere Zoos an Tieren interessiert sind. Einer dieser kleineren Zoos ist «Toni’s Zoo» in Rothenburg. Auf Anfrage erklärt aber Besitzer Toni Röösli, er habe schon längere Zeit keinen Kontakt mit René Strickler gehabt. Der ehemalige Tierpfleger Peter Studer weist weiter auf Tierschutzorganisationen hin, die Strickler kontaktieren könnte. Eine der Tierschutzorganisationen ist «Vier Pfoten» Schweiz, die in Holland eine Auffangstation und in Südafrika ein Tierrefugium für Grosskatzen betreibt.

In Kontakt mit «Vier Pfoten»

«Wir haben Herrn Strickler im vergangenen Jahr zwei Mal besucht und ihm unsere Hilfe angeboten», erklärt Lucia Oeschger von «Vier Pfoten». Unter anderem sei es in den Gesprächen um die Platzierung der Tiere gegangen. «Es wurde uns mitgeteilt, dass Verhandlungen und Abklärungen zur Zukunft des Parks laufen und vielversprechende Entwicklungen vorhanden sind.» «Vier Pfoten» hat sodann im Laufe des Jahres mehrmals den Stand der Dinge nachgefragt. «Uns war es stets wichtig darauf hinzuweisen, dass allfällige Platzierungen von uns nicht in letzter Minute vorgenommen werden können. Um solche Platzierungen von Grosskatzen zu organisieren, ist eine mehrmonatige Vorbereitungsphase nötig.»

Die Tierschutzorganisation habe René Strickler mehrfach angefragt und Hilfe angeboten, jedoch bis zum jetzigen Zeitpunkt keine konkrete Anfrage für die Hilfe der Platzierung oder Übernahme der Tiere erhalten. «Herr Strickler zeigte sich beim letzten Kontakt im Herbst sehr zuversichtlich, was die Pläne für die Zukunft des Raubtierparkes betrifft.»

Ruhe vor dem Sturm?

Auch die Eigentümerin des Areals, Espace Real Estate, hat bis heute keinen Hinweis für eine Lösung erhalten. «Es gibt nichts Neues», erklärt Theodor F. Kocher, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Zum Einläuten einer Zwangsräumung will er sich erst im neuen Jahr äussern. «Ich werde jetzt sicher nichts unternehmen.» Klar sei einzig, dass René Strickler eine Lösung bringen muss.

Wenn eine Zwangsräumung nötig und durchgeführt wird, könnte die Kantonstierärztin eine Rolle spielen. «Der Vollzug einer Zwangsräumung liegt beim Oberamt. Ich kann Unterstützung bieten in der Suche nach Kontaktpersonen, die uns im Falle eines Falles helfen könnten», sagt Doris Bürgi Tschan. Kontaktpersonen seien beispielsweise Verantwortliche von Zoos oder Tierpärken im In- und Ausland, die Tiere aufnehmen könnten.