Peter Baumann, Sie sind mit dem FC Zuchwil verbandelt und sollen nun die Riverside-Überbauung fördern, die den Fussballclub verdrängt. Wie gehen Sie mit diesem Konflikt um?

Peter Baumann: Es stimmt, ich bin ein alter FC-Zuchler. Ich habe meine ganze Juniorenzeit dort verbracht. Die Resultate der ersten Mannschaft und der Frauenmannschaft verfolge ich noch immer. Ich leide und freue mich mit dem Klub.

Viele Fussballer wehren sich gegen den Umzug. Verstehen Sie das?

Ich kenne die Situation und die Bedürfnisse des Vereins sehr gut. Es geht um Trainingsmöglichkeiten, Platzbelegungen, Meisterschaftsspiele und die Frage, was ein Kunstrasen bringt. Dass der Umzug emotional schwierig ist, kann ich nachvollziehen. Wer über Jahrzehnte etwas aufbaut und danach in ein neues Heim zügeln muss, muss sich umstellen. Doch ich bin überzeugt, dass sich nach rund fünf Jahren die Situation eingespielt haben wird.

Was bringt ein Umzug dem FC?

Sportlich ist es eine sehr gute Lösung. Deshalb bin ich froh, dass der Vorstand eine Absichtserklärung unterschreiben wird, in der alle Details zur Nutzung geregelt sind. Der Verein engagiert sich stark in der Jugendarbeit, und er ist gut geführt. Deshalb haben sie auch ein Recht auf ein gutes Umfeld beim Sportzentrum. Es liegt in meinem Interesse, dass es dem FC Zuchwil gut geht.

Auf der anderen Seite sind Sie doch der Gemeinde verpflichtet?

Das ist klar. Wir haben die Partikularinteressen des FC, die der Entwicklung der Gemeinde gegenüberstehen. Das Riverside-Projekt ist eine Riesenchance für Zuchwil. Es kommt selten vor, dass ein Investor gleichzeitig plant und so eng mit der Gemeinde zusammenarbeitet. Es ist wie ein Arbeitsteam, das sehr gut funktioniert. Das war mit der vorgängigen Investorengruppe Nirvana niemals so unkompliziert.

Und wenn das Riverside-Projekt bachab geht, wars das dann mit den Zuchwiler Wachstumsperspektiven? Es gibt ja kaum mehr Bauland.

Wir haben noch einige Parzellen. Doch es stimmt, die grosse Entwicklungsmöglichkeit ist auf das Riverside-Areal gerichtet. Zuchwil ist eingeengt und muss nach innen verdichten. Das funktioniert gut, etwa am Amselweg, auf dem Gasserareal oder bei der Hofstatt.

Macht es Sinn, alte Substanz abzubrechen und verdichtet zu bauen?

Damit erreichen wir eine bessere soziale Durchmischung im Dorf, die wir anstreben. Es ist die Möglichkeit, die die Raumplanung hat. Es soll in Zuchwil einen guten Mix geben zwischen Sozialwohnungen und gehobenem Standard. Es ist nämlich auch nicht positiv, ausschliesslich Wohnungen im oberen Segment zu haben. Die Einwohner mit niedrigen Einkommen sind auch eine Chance. Wir dürfen sie nicht ausser Acht lassen.

Besteht nicht die Gefahr einer Segregation, wenn neben schlechter Bausubstanz schicke Neubauquartiere entstehen?

Neue Wohnungen haben heute nun einmal einen viel besseren Ausbaustandard also solche, die vor 20 Jahren gebaut wurden. Die Ansprüche steigen stark. Auf der anderen Seite werden alte Wohnungen auf den neusten Stand gebracht. Das ist gut, denn es gibt Druck auf die Besitzer der schlechteren Wohnungen, diese auf Vordermann zu bringen. Doch wir werden stets einen Anteil an Sozialwohnungen behalten für Leute mit tiefem Einkommen. Auch jemand, der 3500 Franken verdient, hat Anrecht auf eine schöne Wohnung.

Zuchwil hatte in jüngster Zeit eine hohe Leerwohnungsziffer von 5 Prozent. Nun sollen bis zu 590 Wohnungen gebaut werden. Wird der Markt nicht übersättigt?

Die Leerwohnungsziffer ist wieder gesunken. Derzeit haben wir 190 leere Wohnungen, vor ein paar Jahren waren es 290. Diese Entwicklung hängt mit unserer Planung zusammen. Wir arbeiten dahingehend, dass die ganz schlechten Wohnungen vom Markt verschwinden. Denn genau dort haben wir die Leerbestände. Neue Wohnungen werden in der Regel nachgefragt.
Deshalb wird Zuchwil mittelfristig die Grenze von 10 000 Einwohnern überschreiten.

Wer kommt dann nach Zuchwil?

Das entscheidet der Markt, und wir müssen flexibel auf diese Bedürfnisse reagieren. Sind Single- oder Familienwohnungen gefragt, Eigentums- oder Alterswohnungen? Sicher macht es Sinn, Wohnungen dort zu bauen, wo Leute arbeiten. Das sind die Synthes und Schaerer Kaffeemaschinen in Zuchwil oder Biogen in Luterbach. So können wir den Pendlerverkehr eindämmen. Denn wir müssen versuchen, die Autos, die nicht zwingend auf die Strasse müssen, dort wegzukriegen.

Beim Martinshof gibt es in den Spitzenzeiten bereits heute Stau. Löst die Riverside-Überbauung nicht zusätzlich Mehrverkehr aus?

Es ist eine Illusion zu meinen, man könne zu jeder Tages- und Nachtzeit von der Nord-Süd-Strasse ohne Wartezeit in den Martinshof-Kreisel und Richtung Autobahn fahren. Es wird am Morgen und zwischen 17 und 18.30 Uhr dort immer Staus geben. Durch das Riverside-Projekt wird der Verkehr nicht stark zunehmen.

Ist ein autoarmes Quartier im Riverside ein Thema?

Die Investorin hat ein Mobilitätskonzept erarbeitet. Pro Wohnung soll es nicht 1, sondern nur 0,7 Parkplätze geben. Dazu müssen aber Massnahmen beim öffentlichen Verkehr oder beim Langsamverkehr getroffen werden. Zudem können die Betriebe zum Beispiel Beiträge an öV-Abonnemente leisten oder E-Bikes zur Verfügung stellen. Zudem sind eingangs des Quartiers zwei Parkhäuser geplant, damit die Autos nur teilweise ins Quartier hineinfahren. Ein autofreies Quartier ist aber nicht angedacht.

Entsteht durch die Neubauten Druck auf den Schulraum?

Es braucht mittelfristig im Unterfeld oder am Asylweg einen Doppelkindergarten. Ansonsten hängt die Schulraumplanung davon ab, wie die übrigen freien Parzellen im Dorf bebaut werden. Gemäss heutigem Stand haben wir inklusive des Riverside-Projekts in der Unter- und Oberstufe genügend Schulraum.

Wie sieht das ideale Zuchwil aus Sicht eines Ortsplaners aus?

Das Dorf muss sauber sein, das ist ganz wichtig. Dann braucht es Spiel- und Grünanlagen. Es ist zum Beispiel toll, zu sehen, wie es beim Schulhaus Zelgli am Wochenende zu und hergeht. Familien treffen sich, machen Picknick, die Kinder spielen. Das ist ein grosses Bedürfnis, wir müssen Sorge tragen zu diesen Erholungsräumen. Deshalb bin ich froh über den Grünraum, der im Riverside-Areal entstehen soll. Dort wird der Park an der Aare für alle geöffnet, der Zaun kommt weg. Da kann man am Sonntag dann spazieren, in der Aare baden, etwas bräteln, Fussball oder Tennis spielen. Die Aufweitung der Uferschutzzone ist eine grosse Qualität dieses Projektes.

Und wenn es ums Gewerbe geht?

Wir diskutieren darüber, in der Gewerbezone die Gebäudehöhe zu erhöhen. Einige Projekte konnten deshalb nicht bewilligt werden. Wenn Firmen baulich etwas verändern wollen, müssen wir sie rasch unterstützen. Ich erhalte oft Anrufe von Firmen, die zum Beispiel nach 5000 Quadratmeter Fläche fragen. Sie kann ich dann unkompliziert mit den zuständigen Unternehmen verbinden. Die kurzen Wege in der Gemeinde sind da ein grosser Vorteil.