Die 611 Nein-Stimmen zur Erneuerung des Freibades inklusive einer Traglufthalle für den Winterbetrieb hat auch Gemeindepräsident Stefan Hug bemerkt. Er hält sich deshalb an die für ihn und die Vorlage positiven Fakten. «Die Zustimmung beträgt fast 60 Prozent. Ich bin froh, dass wir nun das Freibad im Sportzentrum auf Vordermann bringen können.» Das sei eine gute, zielführende Sache und ein «super Zeichen» für die Region, die insbesondere finanziell die Traglufthalle massgeblich tragen wird.

Von den 4407 stimmberechtigten Zuchwilerinnen und Zuchwiler haben 1489 eine gültige Stimme abgegeben, das sind 33,8 Prozent. Die brutto beinahe 10 Millionen Franken kostende Erneuerung, wovon Zuchwil rund 8 Millionen übernimmt, wurde von 878 Stimmberechtigten gutgeheissen. Das ist ein Anteil von 59 Prozent.

«Keine Billigvariante»

«Wir haben nicht eine Billigvariante für die Erneuerung offeriert», nimmt der Gemeindepräsident Bezug auf die Gegner, die die Sanierung als zu teuer zurückweisen wollten. Es sei aber ein solides Projekt, das einen gewissen Ausbaustandard aufweise. «Das trifft auf das gesamte Sportzentrum zu.» Es gebe in der Gemeinde Kreise, die sagen, ohne Sportzentrum hätte Zuchwil ein tieferen Steuersatz. «Andererseits identifizieren sich auch viele Zuchler mit dem Sportzentrum, auf das sie stolz sind, und das für die Gemeinde ein Standortvorteil ist.»

Nach der Gemeindeversammlung, an der gegen 80 Prozent der Anwesenden für die Sanierung votierten, habe er schon auf mehr Zustimmung gehofft. Wurde gar das Projekt gerettet, weil mit der Traglufthalle ein Mehrwert (Winterbetrieb) generiert werden konnte, der die Gemeinde fast nichts kostet? «Das war klar ein sehr gutes Argument für das Gesamtprojekt», antwortet Hug. Eine bröckelnde Zustimmung zum Sportzentrum im Vergleich mit der letzten Abstimmung, als es um das neue Eishallendach ging, verneint Stefan Hug aber. Damals betrug die Zustimmung 80 Prozent. «Da war das Momentum ein anderes. Die Dringlichkeit war viel stärker nach dem Unfall in Uster.» Beim Freibad sei die Dringlichkeit auch gegeben. «Das Freibad ist nach 40 Jahren Betrieb ans Ende seiner Lebensdauer gekommen. Das war unbestritten.»

«Aufgeblasenes Projekt»

Auch Hugo Ziegler will eine Sanierung, aber er wehrte sich im Vorfeld gegen eine «überrissene» Sanierung. «Vielleicht hätte man sich fragen müssen, welche Sanierung braucht der Zuchwiler wirklich?», erklärt er seine Bedenken. Das nun angenommene Sanierungsprojekt sei aufgeblasen. «Damit die Traglufthalle installiert werden kann, braucht es Vorleistungen, die vor allem den auswärtigen Schwimmvereinen zugutekommen. Das Becken muss verlängert und der Sprungtrum vom Becken abgetrennt werden.» Diese Vorleistungen seien in der Vorlage nicht transparent ausgewiesen worden, so Ziegler. Er und seine Mitstreiter haben nicht viel Zeit investieren können. Um so mehr überrasche ihn der hohe Nein-Stimmen-Anteil ist. «Andererseits wollen 6 von 10 die Freibad-Sanierung. Das muss man respektieren. Viele dachten sich wahrscheinlich, wenn sie jetzt nicht Ja sagen, wäre später nichts mehr möglich.»

Zu den Gegnern der Vorlage gehört auch die SVP Zuchwil, die das Sportzentrum aus grundsätzlichen Erwägungen nicht als Gemeindeaufgabe betrachtet. Der am Sonntag abwesende SVP-Gemeinderat Silvio Auderset erklärte im Vorfeld der Abstimmung: «Ein Volksentscheid ist unter normalen Umständen immer zu respektieren. Allerdings steht die einseitige Abstimmungsbotschaft sicher nicht im Einklang mit unserer direkten Demokratie.»