Zuchwil
«Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft»: Bevölkerung rettet innerhalb einer Woche alle 16'000 Glacen von Mister Cool

Der Glaceproduzent Mister Cool in Zuchwil startete vergangene Woche in Zusammenarbeit mit der App «Too Good To Go» eine Aktion, bei der 16'000 Glacen vor der Entsorgung gerettet werden sollten. Ein voller Erfolg, denn nach nur ein paar Tagen und einem überwältigenden Ansturm sind so gut wie alle Glacen verkauft.

Joel Dähler
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Geschäftsführer Daniel Jüni erzählt, wie Mister Cool in Zuchwil 16'000 Glace vor der Entsorgung retten konnte.

Geschäftsführer Daniel Jüni erzählt, wie Mister Cool in Zuchwil 16'000 Glace vor der Entsorgung retten konnte.

Thomas Ulrich/TeleM1

In Zuchwil beim Glaceproduzenten Mister Cool wurde vergangene Woche eine Rettungsaktion gestartet. Im Zuge der Coronakrise blieben Restaurants geschlossen und viele reguläre Kunden fielen als Abnehmer weg. So blieb Mister Cool auf rund 16'000 bereits vorproduzierten Glacen sitzen. Doch daraufhin tat man sich mit der App «Too Good To Go» zusammen, um diese Glacen Privatleuten zu einem deutlich vergünstigten Preis anzubieten.

Vom Ansturm komplett überrascht

Wie TeleM1 berichtete, kamen am Montag so viele Autos bei Mister Cool vorbei, dass ein provisorischer Drive-In aus Holzpaletten aufgebaut werden musste. Auch der Verkehr auf der Strasse wurde geregelt. Schliesslich mussten trotz allem die Corona-Abstandsregelungen eingehalten werden. Laut Geschäftsführer Daniel Jüni zählte man rund 150-200 Fahrzeuge innerhalb weniger Stunden. Man war von dem Ansturm sehr überrascht.

Mister Cool musste zeitweise sogar einen Drive-In aufbauen und den Verkehr regeln.

Mister Cool musste zeitweise sogar einen Drive-In aufbauen und den Verkehr regeln.

TeleM1

Mittlerweile kämen täglich rund 30-50 Privatkunden, um die Glacen zu retten, so Jüni. Es sei enorm viel gelaufen:

«Bis Freitag Abend werden voraussichtlich alle 16'000 Glacen weg sein.»

Es seien aber noch mehr Glacen verkauft worden, weil es hier und da noch andere kleine Bestände gab, die vor Ort von manchen Leuten gleich noch mitgekauft wurden.

«Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Die Bevölkerung in der Region zeigt so viel Solidarität.»

Allen, die über die App zu Mister Cool kamen, gab man als Dank einen 10%-Gutschein für den nächsten Einkauf mit.

Ein Exempel statuiert

Daniel Jüni betont, dass man sich schon immer mit dem Thema Nachhaltigkeit und der Vermeidung von Food Waste auseinandersetzte. So habe man schon mit Organisationen wie «Tischlein deck dich» oder der Schweizer Tafel zusammengearbeitet. «Wir haben dann entdeckt, dass manche Bäckereien in der Region ihre restlichen Gipfeli und Brötli über die App <Too Good To Go> verkauften. Wir haben dann mal nachgefragt, ob man das auch mit Glacen machen könnte.» Die Macher der App seien schwer begeistert gewesen von der Idee, erzählt Jüni.

Der Erfolg bei Mister Cool hat Wellen geschlagen. Durch das gelungene Projekt in Zuchwil sei beispielsweise auch ein Fischer im Baselbiet auf die Idee gekommen, mit «Too Good To Go» über ein mögliches Angebot zu verhandeln. Auch Getränkemärkte seien durch die Aktion neugierig geworden mitzumachen.

Mit der Partnerschaft zwischen Mister Cool und der App sei man mehr als zufrieden, meint Daniel Jüni. Die App, welche sich auf das Retten von überschüssigen Lebensmitteln fokussiert, ermögliche es ihnen, die Sachen nicht wegzuwerfen, sondern wenigstens zu einem Selbstkostenpreis an Interessierte abgeben zu können. Natürlich behalte die App dabei einen gewissen Prozentsatz der Einnahmen, aber es sei immer noch besser etwas Geld zu bekommen, als die Ware wegschmeissen zu müssen.

Weitere Aktionen geplant

Wer jetzt keine Glace ergattern konnte, solle nicht enttäuscht sein. Mister Cool plane noch weitere kleinere Aktionen auf der App, so Jüni. Beispielsweise Vanille-Cornets seien aus der letzten Saison noch übrig. Den Badis und anderen Grosskunden möchte man für die diesjährige Saison natürlich frische Ware anbieten. Aber die älteren Vanille-Cornets seien immer noch bis August 2021 haltbar. Diese wolle man in den nächsten Tagen auf der App aufschalten.