Am weitesten vor wagte sich Patrick Marti (SP). «Ich beantrage eine Steuersenkung um 4 Prozent. Wir sind aktuell mit einem Steuerfuss von 125 noch 10 Punkt entfernt von unserem Ausgangspunkt. Wir müssen der Bevölkerung teilhaben lassen, an der positiven finanziellen Entwicklung Zuchwils.» In seinem Wagemut wurde er bestärkt durch die Aussagen von Michael Marti, Leiter Finanzen. Dieser skizzierte ein schlechthin rosiges Bild der Gemeindefinanzen.

Mit dem Budget 2019 werde Zuchwil einen Überschuss in der Höhe von mehr als einer 1 Million Franken erwirtschaften. In den letzten vier Jahren schloss die Rechnung Zuchwils jeweils mit einem Überschuss ab. Auch das Budget des aktuellen Jahrs hatte mit einem Plus von 443'950 Franken positiv ausgesehen.

Inzwischen sind einige reale Zahlen bekannt, die Glückseligkeit verheissen. «Der Ertragsüberschuss 2018 wird mindestens bei fünf Millionen Franken liegen. Alleine von den Juristischen Personen ist bereits ein Plus von 4,2 Mio. Franken realisiert.» Und kommt noch die zweite Rate für den Verkauf der Widi hinzu, steigt der Überschuss auf beinahe 11 Mio. Franken, so Michael Marti.

Präsident drückt auf Bremse

«Eine Steuersenkung um 1 Prozent vermindert den Ertrag um 267'000 Franken. Bei 5 Prozent hätten wir einen prognostizierten Aufwandüberschuss von gut 250'000 Franken», rechnete der Finanzverwalter vor. Gemeindepräsident Stefan Hug (SP) versuchte, auf die Bremse zu drücken. «Denkt an die Steuervorlage 17. Da wissen wir noch nicht, was auf uns zukommt.»

Andererseits habe er immer gesagt, er sei für eine moderate Steuersenkung, wenn ein Ertragsüberschuss zu erwarten ist. «Einen Kompromiss von 3 Steuerprozenten sehe ich als Möglichkeit.» Zuvor hatte nämlich Markus Mottet (SVP) eine Senkung von 2 Steuerprozenten beantragt.

Die Gegenposition vertrat Cornelia König Zeltner (SP). Sie plädierte für den Originalantrag und damit keine Steuererhöhung. «Wir haben noch nicht alle Schulden bezahlt, und die Auswirkungen der Steuervorlage sind unbekannt.» Am Ende scheiterten alle Anträge gegen den Antrag des Gemeindepräsidenten. Der Gemeinderat wird der Gemeindeversammlung eine Steuersenkung von 3 Prozent beantragen. Damit hätte, laut Michael Marti das Budget 2019 nach wie vor einen Überschuss von 281'600 Franken.

Nicht angetastet wird der Steuersatz für Holdinggesellschaften, der in Zuchwil bei 50 Prozent liegt. «Wir strafen uns selber mit diesem tiefen Satz», verteidigte Patrick Marti seinen Antrag auf Erhöhung um 25 Prozent, mit dem er gleich die Steuersenkung finanzieren wolle. Aber das Anliegen fand keine Mehrheit und wurde mit 8 zu 2 Stimmen abgelehnt.

Sanierung Schiessanlage

Von den vielen Geschäften des Gemeinderates ragte eines heraus. Dabei ging es um die Schiessanlage Feldacker. Die 25m/50m-Anlage wird künftig von der Kantonspolizei für ihre diversen Schiesstrainings mitgenutzt werden. Aufgrund von fünf Mitwirkungsbeiträgen sei der Bauzonenplan und der Gestaltungsplan mit Sondervorschriften optimiert worden, erklärte Planer Reto Affolter. Gleichzeitig wurde eine Sanierungsverfügung für die Gesamtanlage erlassen. Beide Vorlagen passierten einstimmig den Gemeinderat.

Was ist neu? In den Sonderbauvorschriften des Gestaltungsplans für die 25m/50m-Anlage werden zusätzliche Schallschutzmassnahmen über der Anlage aufgeführt. Lamellen sollen den Lärm der Schüsse weiter dämpfen. Und mit der Sanierungsverfügung zur Gesamtanlage wird betrieblich die maximale Anzahl der Schiesshalbtage sowie die Schusszahl für die 300m-Anlage, für die 25m/50m-Anlage (ohne Kantonspolizei), für die Jagdschützenanlage und für den Kapo-Schiessbetrieb definiert. Damit soll eine Deckelung des bisherigen Schiessbetriebs auf dem heutigen Stand erreicht werden. Zusätzlich werden neue Lärmschutzwände nördlich der Jagdschützenanlage und zwischen den grossen Schiessanlagen festgesetzt.

Laut Affolter haben Messungen gezeigt, dass an den gemessenen 13 Punkten die Immissionsgrenzwerte eingehalten werden. Zuvor war dies bei zwei Punkten nicht der Fall. «Was sich aber im Empfinden der Anstösser ändern wird, ist dass auch tagsüber geschossen wird.» Der Gemeindepräsident war erfreut über die Zustimmung des Gemeinderats und zeigte sich überzeugt, dass mit der Verfügung eine bessere Situation für Zuchwil erreicht wird.