Zugvögel
Zu viel Wind, um Vögel zu beobachten: Regionale Vereine beteiligen sich am EuroBirdwatch

Bereits zum 25. Mal beteiligten sich die Vereine aus Biberist, Derendingen, Luterbach und Zuchwil am EuroBirdwatch.

Marlene Sedlacek
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Westwind und leichte Bewölkung wären die idealen Bedingungen.
Jeder gesichtete Vogel wird aufgelistet.
Die Daten werden am Spätnachmittag an Birdlife in Zürich gemeldet.
Der Bussard fühlte sich wohl mit der herrschenden Thermik.

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

Linkerhand die erste Jurakette, rechterhand das ausgedehnte Alpenpanorama. Die Berge etwas wolkenverhangen, ansonsten blauer Himmel, Sonnenschein und eine gute Fernsicht. Ideale Bedingungen, um Zugvögel zu beobachten, könnte man meinen. Doch der Schein trügt. «Es hat zu viel Wind und zu wenig Thermik», stellte Rolf Gugelmann, Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Zuchwil fest. Ideal wäre Westwind und leichte Bewölkung.

Gugelmann ist Organisator des Zugvogelbeobachtungstags der Natur- und Vogelschutzvereine Biberist, Derendingen, Luterbach und Zuchwil, der jedes Jahr am ersten Oktoberwochenende beim Wasserreservoir Bleichenberg stattfindet. Bereits das 25. Mal machten die vier Wasserämter Vereine beim EuroBirdwatch mit. Das Wetter war den Organisatoren meistens hold. Nur zweimal habe der Anlass wegen Regen abgesagt werden müssen, erzählte Gugelmann.

Nicht nur die Vogelbeobachtung ist wichtig

Der Ort im «Dreiländereck» Zuchwil, Biberist, Derendingen ist trotz der enormen Rundsicht nicht speziell prädestiniert, um Zugvögel zu beobachten. Vielmehr sei hier eine Stelle, wo viele Spaziergänger, Velofahrer oder Nordic-Walker vorbeikommen, verriet Gugelmann.

Sie machen beim Informationsposten Halt und lassen sich von den Fachleuten über die Vögel informieren, die man hier beobachten kann. Oder sie setzen sich hin und geniessen einen Becher des von den Vereinen offerierten Pastis. Manche bleiben auch gleich zum Mittagessen und genehmigen sich eine Bratwurst vom Grill.

Das Gesellige an diesem Anlass sei sehr wichtig, meinte Gugelmann. Auch wenn neben dem Erzählen und Plaudern die Beobachtung der Vögel manchmal etwas ins Hintertreffen gerate. Doch ab und zu hört man plötzlich einen Ruf: «Eine Ringeltaube. Zwei Mäusebussarde.» Die Entdeckungen werden dann auch sofort in eine Liste eingetragen. Am Spätnachmittag werden die Daten an Birdlife in Zürich gemeldet, wo sie gesammelt werden.

Vögel können Wetterkapriolen im Voraus spüren

Die Zahl der gesichteten Vögel sei von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Gugelmann kann keine Tendenz erkennen, dass einige Arten immer seltener zu beobachten wären. Was er jedoch festgestellt hat, ist, dass die Züge tendenziell später im Jahr stattfinden. Auch komme es immer wieder vor, dass eigentliche Zugvogelarten wie beispielsweise Storch oder Hausrotschwanz im Winter hierblieben. Sollte es dennoch zu kalt werden, können sie sich spontan zu einem Flug in den Süden entscheiden.

Erstaunlich sei, so Gugelmann, dass die Vögel das Wetter im Voraus spüren können. So habe es einmal in Altreu aufs Mal keine Störche mehr gehabt. Hingegen sei am Wohlensee eine grosse Anzahl davon gesichtet worden. Tags darauf sei ein vorübergehender Wintereinbruch mit Schneefall in Altreu erfolgt. Nachdem der Schnee geschmolzen war, seien die Vögel vom Bernbiet zurückgekehrt.

Die Daten der gesichteten Vögel sind unter www.birdlife.ch und www.eurobirdwatch.eu zugänglich.