Zuchwil
Zu Hause ist Vollgas geben nicht nötig

Die Schweiz beendet das U18-Turnier mit drei Niederlagen und einem Sieg gegen Deutschland auf dem 4. Platz. Die Grossen waren zu gross für die Gastgeber.

Michael Schenk
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Die Schweizer U18-Cracks im Spiel gegen den Weltmeister auf dieser Stufe Finnland.

Die Schweizer U18-Cracks im Spiel gegen den Weltmeister auf dieser Stufe Finnland.

Michael Schenk

Es ist erwartungsgemäss steinhartes Brot, welches den jungen Eisgenossen der U18-Nati am top besetzten Turnier im Sportzentrum Zuchwil zum Jahresende serviert wurde. Nix für Weichspüler, Softwürfel und Schmachtis. Im letzten Match unterliegen die Gastgeber gegen Turniersieger Tschechien mit 3:6 Toren. «Die Tschechen sind im Schnitt 5 cm grösser und 5 kg schwerer als wir», sagt der Coach der Schweizer, Thierry Paterlini.

Das macht es für die Hausherren alles andere als leichter, sich gegen ihre Altersgenossen aus der Hockey-Grossmacht durchzusetzen. Sechs Mal war Tschechien seit der Trennung von der Slowakei anno 1993 schon Weltmeister.

Physisch zählen die Schweizer Junioren seit je her nicht zu Kolossen. Lange konnte man dieses Manko mit läuferischen und technischen Vorteilen wettmachen. «Das ist inzwischen vorbei», sagt Paterlini. «Die anderen können sich auch sehr gut bewegen.» Derlei beenden die Einheimischen das Turnier im Sportzentrum auf dem vierten Schlussrang.

Special Teams – das Rezept

Nach dem famosen 6:1 zum Auftakt gegen Deutschland unterlagen die Schweizer in der Folge der Slowakei mit 1:4 sowie dem aktuellen Weltmeister auf Stufe U18, Finnland 2:5. «Gegen Deutschland hatten wir ein exzellentes Powerplay», räumt Paterlini ein. Vier der sechs Treffer fielen, als man einem Mann mehr auf dem Eis stand. Ein weiteres Tor gelang den Einheimischen gar in Unterzahl.

So muss es sein – just das ist das Rezept, wie das Schweizer Eishockey, und zwar auf allen Stufen, derzeit international für Furore sorgen kann. Gegen die Big Seven (Russland, Tschechien, Slowakei, Schweden, Finnland, Kanada, USA) ist im Normalfall, wenns wirklich zählt, kein Kraut gewachsen. Allein, es gibt kein WM-Spiel, während dem ein Team nicht zu Überzahlchancen käme.

Diese gilt es eiskalt zu nutzen und auf der anderen Seite in Unterzahl dicht zu halten. «Das ist uns gegen Finnland eben nicht gelungen und darum haben wir auch klarer verloren als nötig», so Paterlini. Der Bündner kam rund 700 Mal in der Nationalliga A für Davos, die ZSC Lions, Bern, Lugano und Rapperswil zum Einsatz. Gegen die Slowakei schliesslich hätten zwei individuelle Fehler im Startdrittel die Niederlage eingeleitet.

Nicht normal eben

Fakt ist, dass sich Schweizer Eishockeyaner auf jeder WM-A-Stufe ( U18, U20, Elite) immer erst an die gegenüber der heimischen Liga viel härtere und schnellere Gangart gewöhnen müssen. Bis es soweit ist, ist ein Turnier nicht selten fast vorbei. «Es ist nicht so, dass wir das, was international verlangt ist, nicht drauf hätten; aber wir sind es nicht gewohnt, tagtäglich alles auszupacken und mit allem, was möglich ist, so intensiv zu spielen», sagt Paterlini.

In den heimischen Ligen, ob Elitejunioren, National League A oder B, sei das für die Besten nicht nötig. Da bleibe diesen in der Regel ausreichend Zeit, den Puck zu sortieren und diesen mit Ansage weiterzuleiten. International geht das gar nicht, was sich dann sehr augenscheinlich auf die Effizienz auswirkt.

Als gefürchtete Tor-Monster sind die helvetischen Eishockeyaner nun wahrlich nirgendwo berühmt und berüchtigt. «Es fehlt an Konkurrenz im eigenen Land», stellt Paterlini fest. Und genau darum, «sind solche Spiele wie hier in Zuchwil für jeden Spieler extrem wichtig. Nur solche Matches bringen uns international weiter.»

Mehr Zusammenzüge unmöglich

Eine Möglichkeit, den Konkurrenzkampf in der National- oder Elitejunioren-Liga zu erhöhen gebe es nicht. Und noch mehr Zusammenzüge für die Nationalteams ist der Klubinteressen und dem engen Terminkalender wegen unmöglich. Genau das freilich wäre ein Mittel, um international wieder einen Sprung Richtung Weltspitze zu machen.

«Wir haben sehr gute Nationalmannschafts-Programme», stellt Paterlini fest. Da sei vorbildlich. Aber mehr gehe nicht. Also: «Müssen wir einfach das Beste aus der Situation machen.» Im Fall Internationales U18-Turnier in Zuchwil war das Beste ein vierter Rang hinter den Grossen und vor Deutschland, dem einzigen Mitstreiter auf Augenhöhe.

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