Lohn-Ammannsegg
Zoff wegen Kinderspielplatz: Kita muss geliebten Waldplatz räumen

Die Kita Mamuchi aus Lohn-Ammannsegg muss ihren Waldplatz räumen. Die Leiterin und Eltern verstehen das gar nicht. Die Bürgergemeinde hingegen sagt, so sei das Gesetz.

Noëlle Karpf
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Der Waldspielplatz in Lohn
9 Bilder
Auf diesem Spielplatz ist alles aus Holz
Nägel oder Schrauben gibt es keine. Alles ist aus Holz gemacht - und mit Seil zusammengebunden
Hier können sich die Kinder auch im Klettern üben
Maria Musico hat den Platz mit ihrem Mann und Betreuerinnen hergerichtet.
Das «Indianerzelt» in der Mitte des Spielplatzes
Diese Brücke war kaputt. Ein Benutzer des Spielplatzes hat sie unaufgefordert wieder repariert
Der Esstisch beim Spielplatz
Auf diesen Stämmen können Spielplatzbesucher balancieren

Der Waldspielplatz in Lohn

Noëlle Karpf

Maria Musico geht den kleinen Pfad in den Wald hinein. Der kurze Weg führt zum Waldspielplatz der Kindertagesstätte (Kita) Mamuchi. Ein Holztisch mit Sitzbänken, ein Indianerzelt aus dünnen Baumstämmen und eine kleine Holzbrücke. «Das war volle Eigenleistung der Kita», erzählt Musico.

Kinder, Betreuerinnen und ihr Mann hätten mitgeholfen, den Spielplatz herzurichten. Das Areal gehört der Bürgergemeinde Lohn. Diese hat Ende April schriftlich gefordert: Der Platz soll bis nächsten Sommer geräumt werden.

Alles mündlich vereinbart

Die Leiterin der Kita Mamuchi kann den Beschluss der Bürgergemeinde nicht verstehen. Die Errichtung des Platzes habe man letztes Jahr mündlich vereinbart. Im November meldete sich die Bürgergemeinde dann schriftlich: Das Gesetz schreibe vor, dass die Bürgergemeinde Waldplätze auf ein Minimum beschränke. Deshalb müsse man ab 2017 für Waldplätze ein schriftliches Gesuch stellen.

Die Bürgergemeinde schickte der Kita auch eine Vereinbarung. Dort drin stand, der Platz dürfe nur von der Kita benutzt werden. Das ist heute aber nicht der Fall. «Gerade Familien, die unterhalb von Lohn wohnen, nutzen den Platz oft», sagt Musico. Sogar Kindergeburtstage würden hier gefeiert. Sie habe deshalb wieder die Bürgergemeinde kontaktiert. Wiederum wurde die Sache mündlich geklärt. Letzten Monat hiess es dann plötzlich, der Platz müsse geräumt werden.

Das ist Gesetz

In der kantonalen Waldverordnung sind unter § 23 «einfache, offene Erholungs- und Jagdeinrichtungen» aufgeführt. Das sind zum Beispiel Feuerstellen mit Sitzplätzen oder Sportpfade. Laut der kantonalen Waldverordnung braucht es für solch einen Platz die Zustimmung des Bau- und Justizdepartements, sowie des Waldeigentümers. In diesem Fall also der Bürgergemeinde Lohn. (NKA)

«Es gibt genug Alternativen»

«Wir haben kein Problem mit Kindern oder Spielplätzen», stellt Bürgergemeindepräsident Manfred Burki auf Anfrage klar. Im Schreiben der Bürgergemeinde an die Kita steht, man wolle kein «aufwendiges und kostenpflichtiges Gesuch» für den Platz stellen. Nach Gesetz muss nämlich auch der Kanton einem Platz zustimmen. «Es gibt hier in Lohn schon genug Alternativen, die haben wir der Kita auch vorgeschlagen», rechtfertigt sich Burki.

Die Kita-Leiterin sagt hingegen: «Es gibt kaum Plätze, die für Kleinkinder geeignet sind.» Musico erzählt weiter, dass es zwischen der Kita und der Bürgergemeinde nie zu einem Gespräch gekommen sei – trotz mehrmaligem Nachhaken ihrerseits. «Wir leben in so einem kleinen Dorf. Da sollte es doch möglich sein, miteinander zu sprechen.»

Zu einem persönlichen Gespräch kam es tatsächlich nie. «Wir haben unseren Beschluss der Kita schriftlich mitgeteilt», sagt Burki. «Da müssen wir gar nicht mehr darüber diskutieren.» Bei den bisherigen Plätzen sei das anders: «Die gibt es hier schon seit eh und je.» Die Regelung gelte für neue Plätze. «Sonst kommt irgendwann jeder und will einen Platz.»

Der Beschluss der Bürgergemeinde führte zu einem Massenprotest auf Facebook. «Billige Argumentation!» «Geht gar nicht!» und so weiter schrieben Eltern auf die Seite der Mamuchi Kita. Sie habe auch schon zahlreiche E-Mails und SMS erhalten, so Musico. «Viele Eltern wollen helfen – ich weiss aber gar nicht, was man noch tun kann.» Schliesslich habe die Kita genug Zeichen gesetzt. «Ich möchte den Platz schon gerne behalten. Aber nicht auf Biegen und Brechen.»

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