Orientierungslauf
«Ziel erreicht»: Bucheggberger laufen in Finnland auf Rang 570

Die siebenköpfige Gruppe bestehend aus den Brüdern Flückiger und Wittwer haben ihren Orientierungslauf-Wettkampf im finnischen Paimio hinter sich. Ihr Ziel haben die Bucheggberger erreicht.

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Gruppenfoto im finnischen Wald
7 Bilder
Bucheggberger OL-Läufer am Jukola in Finnland
Ihr Slogan «7 Brothers from 2 different mothers» ziert die Trainerjacken
Bereit für den Start zur Staffel
Reto Flückiger sorgte für einen «bombigen» Abschluss
Zwischenstand der Bucheggberger OL: 4:58:29
Das Lager der OL-Läufer aus aller Welt.

Gruppenfoto im finnischen Wald

zvg

Diesen Frühling haben sie sich auf eine der grössten Orientierungslauf-Staffeln der Welt vorbereitet. Nun ist das Abenteuer «Jukola» für die sieben Bucheggberger schon wieder vorbei. Am letzten Wochenende liefen die vier Flückiger- und drei Wittwer-Brüder, die sich vom Verein «Bucheggberger Orientierungsläufer» von klein auf kennen, in Finnland um die Wette. Die Konkurrenz war stark, nahmen doch auch Profis am Wettkampf teil.

Jan und Tobias Flückiger sind mittlerweile zurück aus dem Norden. Ihre beiden Brüder Reto und Yves sowie die Wittwers Florian, Claudio und Matthias machen noch etwas Ferien.

«Wir haben Teil eines eindrücklichen und perfekt organisierten OL-Grossanlasses in Finnland sein dürfen», blickt Jan Flückiger zurück. Gestartet wurde am Samstag um 23 Uhr mit Stirnlampen. Jeder der sieben OL-Brüder absolvierte eine Strecke.

Der Start:

Nach mittleren bis guten Leistungen des ganzen Teams und einem «bombigen» Abschluss von Reto auf der letzten Strecke hätte die Gruppe ihr Ziel, in die erste Hälfte der Rangliste zu laufen, klar erreicht, so Jan Flückiger. Reto sei auf seiner Strecke 136. gewesen und habe insgesamt 130 Ränge gut gemacht. Schlussendlich schaute für die Bucheggberger der 570. Rang von 1786 gestarteten Mannschaften heraus.

Gewonnen hat übrigens die Mannschaft von «Kristiansand OK» aus Norwegen. In dieser Mannschaft liefen auch die drei Schweizer Baptiste Rollier, Martin Hubman und Daniel Hubmann. Daniel Hubmann - er gilt als erfolgreichster OL-Läufer der Schweiz und ist mehrfacher Weltmeister und Gesamtweltcupsieger - war sogar jener Läufer, der am Schluss den Sieg nach Hause gebracht hat. Zweite wurde ebenfalls eine norwegische Mannschaft. (ldu)

Jan Flückiger blickt chronologisch auf das Wochenende in Finnland zurück

Freitag:
16:50 Uhr - Abflug in Richtung Helsinki. Reto, Tobias, Florian, Claudio und Jan fliegen gemeinsam. Matthias hat nach seiner Fahrradtour durch Deutschland, Dänemark und Schweden in Stockholm die Fahre bestiegen und ist soeben in Helsinki angekommen. Er fährt nun mit dem Bus nach Paimo. Yves weilt bereits seit einer Woche in Finland, er hat mit seiner Familie Ferien gemacht.

21.00 Uhr - Landung in Helsinki, Mietwagen abholen und Abfahrt Richtung Paimo. Unterwegs Einkaufen und Nachtessen (das Autobahnrestaurant inkl. Shop ist 24 h geöffnet).

24.00 Uhr - Ankunft in Paimo. Gepäck ausladen, Militärzelt beziehen und einrichten und möglichst schnell schlafen.

Samstag
10.00 Uhr - Aufstehen Frühstücken und sich für ein kurzes Training ausrüsten.

11.00 Uhr - Einkaufen in den provisorisch errichteten OL-Shops. Das OL-Material ist hier viel Günstiger. Danach suchen wir uns einen guten Platz im Zielgelände und richten uns mit Campingstühlen und Camping-"Mätteli" eine "Homebase" ein.

12.30 Uhr - Gemeinsames lockeres Training in einem Waldteil direkt neben dem Wettkampfgelände

14.00 Uhr - Wir verfolgen gemeinsam den Start der Damenstaffel "Venla". So kann sich unser Startläufer ein Bild machen, was ihn am Abend erwartet.

15.00 Uhr - Wir machen eine grosse Portion Pasta, essen uns satt und gehen (vor-)schlafen.

20.00 Uhr - Wir gehen gemeinsam im Wettkampfzentrum essen. Alle nehmen erneut ein grosse Portion Pasta zu uns. Danach gehen wir noch einmal zum Zelt zurück und machen unser Material für den Wettkampf parat.

22.30 Uhr - Florian begibt sich in die Startzone. Der Rest der Mannschaft sammelt sich an der "Homebase" und verfolgt den Start gemeinsam. Spannung und Nervosität beginnen sich aufzubauen. Nach und nach füllt sich die Startzone und es wird sichtbar, was für eine riesige Anzahl OL-Läufer hier auf einen Schlag bzw. Schuss Richtung Wald losrennen wird. Eine prickelnde Stimmung liegt in der Luft. Am Himmel ist ein Abendrot zu sehen und die Temperatur ist angenehm.

22.55 Uhr - Die Speaker geben den Läufern abwechselnd in Finnisch, Schwedisch und Englisch genaue Anweisungen wie sie sich zu verhalten haben. Alles läuft extrem geordnet. Die Läufer stellen sich auf ihre Startpositionen und erhalten eine Minute vor dem Start die Karte, diese darf aber erst nach dem Start geöffnet werden. Noch 15 Sekunden - Start.

23.00 Uhr - Ein finnischer Radpanzer gibt eine Startsalve ab und die Läufer stürmen Richtung Wald davon. Die Zuschauer feuern die Läufer an - ein tolle Stimmung.
Am Bildschirm werden Videoaufnahmen und die Daten des GPS-Trackings gezeigt. Wir warten gespannt auf den ersten Zwischenzeit-Posten mit einer Live-Kamera. Dann erscheint der erste Läufer an diesem Posten. Nun beginnt das Warten - Florian hat scheinbar Probleme gehabt oder wir haben ihn verpasst - schon 900 Läufer vorbei und noch kein Florian. Dann erscheint "Bucheggberger OL" auf dem Bildschirm Rang 1064 nach 3.3 km. Ich werde etwas nervös. Der Wald scheint sehr anspruchsvoll zu sein. Auch die Spitzenläufer machen immer wieder Fehler, die Rangliste der erst 20 Mannschaften wird immer wieder neu gemischt. Unter diesen 20 Mannschaften mischt auch ein Schweizer-Team mit. "OLV Baselland" hat ein Topteam zusammengestellt (Ausnahmsweise laufen die Spitzenläufer dieses Vereins nicht mit ihren skandinavischen Clubs. Sie wollen unter die besten 20 Teams kommen - sie landen am Schluss auf Rang 23). Ich beginne mich nun auf meinen Einsatz vorzubereiten. Tobias, Claudio, Yves und Reto gehen noch einmal zum Zelt um sich hin zu legen und zu versuchen etwas Schlaf zu kriegen. Matthias legt sich im Zielgelände hin und wird kurz vor meinem Start wieder zurück kommen um mich zu unterstützen. Ich begebe mich nun zum Eingang der Startzone. In der Startzone gehe ich noch etwas trinken und auf die Toilette. An einem der hier aufgestellten Info-Computern gehe ich nachschauen ob Florian die letzte Zwischenzeit passiert hat. Er hat diese soeben passiert und wird also in ca. 10 Minuten im Ziel sein. Noch einmal etwas einlaufen, dann gehe ich an die Übergabe Wand. Florian befindet sich nun im Zieleinlauf, er rennt zur Kartenwand und holt dort meine Laufkarte ab. Dann kommt er zu mir. Ich gebe ihm meine Trainerjacke, er gibt mir die Laufkarte und sagt: "guet luege" - es scheint wirklich schwierig gewesen zu sein!

00.56 Uhr - Ich schalte meine Nachtlampe ein und renne Richtung Wald. Bis zum ersten Posten muss ich eine lange Strecke quer über die halbe Karte laufen. Ich finde mich gut mit Karte und Gelände zurecht. Ich komme fehlerfrei durch den ganzen Lauf. Es ist ein eindrückliches Erlebnis, neben hunderten von anderen OL-Läufern durch den finnischen Wald zu rennen. Meistens werde ich auf den Strecken zwischen den Posten etwas abgehängt und laufe dann im Postenraum wieder auf die Läufer auf, weil diese kleine Fehler machen. Regelmässig komme ich an Verpflegungsstationen vorbei. Langsam komme ich wieder in Zielnähe. Ich höre den Speaker und ich erinnere mich daran, dass ich früher oft in dieser Situation einen dummen Fehler gemacht habe. Ich kontrolliere mit dem Kompass noch einmal die Richtung und prompt - ich muss korrigieren, ich habe eine falsche Richtung eingeschlagen - Glück gehabt. Nur noch 3 Posten, dann habe ich es geschafft. Nun werden die letzten Kraftreserven frei. Ich stemple den letzten Posten und renne Richtung Übergabe. Wieder das selbe Prozedere. Ich gebe Matthias seine Karte und er mir seine Trainerjacke. "Heja Mätthu".

02.52 Uhr - Matthias startet. Ich gehe zu unserer "Homebase" Florian und Claudio sind dort. Ich erzähle ihnen kurz wie es mir gelaufen ist. Nach einer Weile kommt Beat Roth (auch ein Solothurner OL-Läufer), welcher auch die zweite Strecke gelaufen ist, vorbei. Wir gehen Richtung Dusche. Dort erwartet uns eine weitere Spezialität der "Jukola" - die Sauna. Nach dem Duschen nehmen wir uns ein Bier und gehen in die Sauna. Die Saunas bestehen aus einem finnischen Armeezelt in welchem aus Brettern und Latten Saunabänke gezimmert wurden. In jedem Zelt stehen vier grosse Sauna-Holzöfen. Die Sauna ist nicht extrem heiss, aber es ist ein lustiges Erlebnis und es ist angenehm an der Wärme ein Bier zu trinken und über den OL zu plaudern. Danach gehen wir wieder in den Start-Ziel-Raum. Matthias kommt ins Ziel. Ihm ist ein guter Lauf gelungen und er kann auf dem 525 Rang an seinen Bruder Claudio übergeben.

05.09 Uhr - Claudio startet. Leider wird das Wetter schlechter und es beginnt leicht zu regnen. Tobias ist aufgestanden und kommt nun auch in den Zielraum. Als Mätthu vom Duschen zurückkommt begeben wir uns in ein Zelt in welchem wir am Bildschirm die Fernsehbilder sehen können (Das zweite finnische Fernsehen "Yle2" überträgt den ganzen Wettkampf "live"). Hier hat es auch Internetstationen an welchen wir die Zwischenzeiten von Claudio schauen können. Er startet sehr gut ins Rennen und ist schnell bei der ersten Zwischenzeit. Bei der zweiten Zwischenzeit erscheint er dann aber mit Verspätung, es sind ihm einige Fehler unterlaufen. Langsam spüren wir auch, dass wir schon sehr lange wach sind und so begeben wir uns ab und zu zum Getränkestand und holen uns einen Kaffee. Um 6.42 Uhr kommt Claudio ins Ziel und übergibt an Tobias. Claudio ist nicht zufrieden mit seinem Lauf. Unsere Mannschaft liegt nun auf 646. Rang.

06.42 Uhr - Tobias startet. Yves und Reto sind nun auch wieder im Start-Zielgelände. Für Reto steht bereits fest, dass er auf den sogenannten Massenstart wird gehen müssen. Dieser Massenstart wird um 9.00 Uhr passieren. Alle Läufer der 7. Strecke, welche zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgelöst worden sind, starten da gemeinsam. Im Wald ist es Zeit für die Entscheidung. Wir verfolgen diese am TV. Der Schweizer Daniel Hubmann hat den Norweger Magne Dähli über holte. Er läuft souverän und es sieht danach aus, als könne Daniel Hubmann den Sieg nach Hause laufen. Wir begeben uns vom Zelt wieder an den Zieleinlauf. Wir wollen live dabei sein, wenn die ersten Teams einlaufen und wir wollen den Athleten gebührend applaudieren. Dann kommt Daniel Hubmann ins Ziel. Er wird auf den letzten 200m von seinen Teamkameraden begleitet. Die anwesenden Schweizer und Norweger applaudieren frenetisch, während die Finnen naturgemäss verhalten klatschen. Während wir den ankommenden Teams applaudieren, schauen wir immer wieder auf dem Internet wie Tobias unterwegs ist. Auch er startet sehr gut in den Lauf und muss dann aber später einige Fehler in Kauf nehmen. Um 8.15 Uhr kommt er ins Ziel und übergibt an Yves.

08.15 Uhr - Yves startet. Während Yves sich auf seine Route begibt, beginnt sich Reto auf seinen Massenstart vorzubereiten. Anders als beim Start zur ersten Strecke werden wir beim Massenstart eine sehr gute Startposition haben und Reto wird weit vorne weglaufen können. Reto ist gut vorbereitet und weiss, dass er zu den stärksten im Feld gehören wird. Derweil kommt Yves zur ersten Zwischenzeit. Yves zeigt einen guten Lauf, wird aber von Schmerzen im Knie geplagt. Im Mittelteil sind die Schmerzen so stark, dass er ans Aufgeben denkt. Doch dann verschwinden die Schmerzen plötzlich wieder und er kann einen soliden Lauf nach Hause bringen. Bevor aber Yves ins Ziel kommt, der Massenstart für Reto. In einem ähnlichen Prozedere wie bei der ersten Strecke werden die Läufer angewiesen, was zu tun ist und um 9.00 Uhr gibt der Speaker das Signal "Start" und ein weiteres Mal brausen über 1000 Läufer gleichzeitig Richtung Wald. Reto kommt gut weg. Bereits bei den ersten Zwischenzeiten sehen wir, dass Reto super unterwegs ist und jede weitere Zwischenzeit bestätigt uns dies. Im nahe gelegenen Tankstellenshop gehen wir anderen all das einkaufen, was wir für den Abend brauchen und begeben uns dann wieder zum Ziel. Um 10:27 Uhr erscheint Yves im Zieleinlauf. Er ist gezeichnet vom Lauf und kämpft sichtlich. Wir feuern ihn an, so dass er das Letzte aus sich rausholen kann.

10:28 Uhr - Yves ist im Ziel. Nun müssen wir nur noch auf Reto warten. Auch bei allen anderen Zwischenzeiten ist Reto super unterwegs. Er hat nur noch gut zwei Kilometer bis ins Ziel und hat bereits 128 Ränge gut gemacht. Fantastisch! Zirka acht Minuten später erscheint er dann auf Überführungsbrücke im Zielraum und bringt seinen "bomben" Lauf ins Ziel. Wir freuen uns alle sehr! Ein tolles Gefühl gemeinsam "abklatschen" zu können und zu wissen, dass wir es definitiv in die erste Ranglistenhälfte geschafft haben.

Während Reto und Yves duschen, packen wir anderen das Material der gesamten Mannschaft und verstauen es in unserem Auto. Zwei von uns werden mit einer befreundeten Mannschaft nach Salo fahren und die anderen fünf reisen im Combi zu jenem kleinen Häuschen am See im Wald, welches Reto für uns gebucht hat. Wir freuen uns alle auf die gemütliche Stimmung, auf die Sauna, die finnischen Würste welche wir braten werden und auf ein wohlverdientes finnisches Bier. Obwohl wir alle wenig Schlaf haben und müde sind vom Wettkampf verbringen wir einen geselligen und lustigen Abend mit den "7 brothers" und selbstverständlich wird auch schon darüber philosophiert, was wir bei einem nächsten Mal besser machen würden.