Kriegstetten
Zerrütteter Gemeinderat gibts nicht mehr: «Wir arbeiten gut zusammen»

Wenige Tage vor Ablauf der Anmeldefrist für die Ersatzwahl in den Kriegstetter Gemeinderat hat sich noch niemand auf der Gemeinde angemeldet. Vizegemeindepräsident Simon Wiedmer hofft, dass sich jemand finden lässt.

Urs Byland
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Simon Wiedmer möchte das Negativ-Image von Kriegstetten vergessen machen.Hanspeter Bärtschi

Simon Wiedmer möchte das Negativ-Image von Kriegstetten vergessen machen.Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Baertschi

Kriegstetten droht eine erneute Verlängerung des Status quo mit vier anstelle von fünf Gemeinderäten. Vizegemeindepräsident Simon Wiedmer hat noch nicht aufgegeben. Als Präsident der FDP habe er schon beim letzten Versuch einer Ersatzwahl nach Kandidatinnen und Kandidaten gesucht. «Ich habe auch welche gefunden. Als es aber konkreter wurde, hiess es, das Ressort würde nicht passen oder der Zeitaufwand sei zu gross.»

Auch jetzt will Wiedmer noch versuchen, Leute für das Amt zu begeistern. «Es ist aber ein grosser Aufwand.» Er sehe einen Trend, nicht nur in Kriegstetten, dass es immer schwieriger werde, diese Ämter zu besetzen. «Neben der Arbeit ist das Amt eine zusätzliche Belastung.» Möglicherweise habe das Desinteresse in Kriegstetten auch mit der Person des Gemeindepräsidenten, SVP-Politiker Manfred Küng, zu tun, räumt der 24-jährige Jungpolitiker Simon Wiedmer ein, der aber im immer wieder wechselnden Gemeinderat von Kriegstetten schon einige Jahre politische Erfahrung ausweisen kann.

In den letzten Jahren sei aber von den Parteien viel Geschirr zerschlagen worden. «Bestimmte Kräfte haben die Politik regelrecht instabilisiert. Manfred Küng ist ein Faktor, aber es gibt auch andere. Zwischen diesen Leuten gibt es noch viel zu klären, und das sollte endlich getan werden.»

Jetzt sei die Situation aber eine völlig andere. «Es hat sich stark geändert. Der Gemeinderat war nicht mehr oft in den Medien. Rund um die CVP ist es auch stiller geworden.» Die Bevölkerung soll wissen, dass es nun im Gemeinderat besser laufe. «Wir arbeiten sachlich gut zusammen.»

Zum Wahl-Boykott der CVP und weiterer politischen Interessensgruppen in Kriegstetten hat Wiedmer keine Lösung. «Es hat keinen Wert, weil eine Zusammenarbeit zwischen diesen Kräften und Küng nicht funktioniert.» Er bedaure diese Haltung. «Es gibt Kräfte, die alles, was der Gemeinderat macht, als schlecht anschauen.» Diese Leute würden den Gemeinderat nicht als ein Gesamtes sehen, sondern als Instrument der Gemeindepräsidenten. «So lange dies so ist, können wir nicht konstruktiv zusammenarbeiten. Wir haben auch eine Chance verdient.»

Simon Wiedmer kann sich eine weitere Verkleinerung des Gemeinderates nicht vorstellen. «Wir brauchen eine fünfte Person, um die vielen Geschäfte bewältigen zu können.» Von einem Amtszwang rate er ab, das gäbe keine gute Zusammenarbeit. Sollte sich niemand melden, will er mit vier Gemeinderäten weiterfahren. Aber das Bild eines zerrütteten Gemeinderats in Kriegstetten, das möglicherweise in der Einwohnerschaft vorherrsche: «Das möchte ich gerne relativieren. Das stimmt nicht mehr.»

Die Anmeldefrist für die Ersatzwahl in den Gemeinderat von Kriegstetten läuft am Montag, 27. April, um 17 Uhr ab. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen Anmeldungen auf der Gemeindekanzlei eingereicht werden. Ein Wahlvorschlag (das amtliche Formular ist auf der Gemeindeverwaltung erhältlich) muss von mindestens 10 in Kriegstetten wohnhaften Stimmberechtigten unterzeichnet sein.