Kriegstetten

Zentrumsüberbauung steht unter Beschuss

Die Erweiterung des Restaurants Kreuz entspricht mit Flachdach nicht den Vorschriften der Zone.

Die Erweiterung des Restaurants Kreuz entspricht mit Flachdach nicht den Vorschriften der Zone.

Zur Zentrumsüberbauung in Kriegstetten sind 17 Einsprachen eingegangen. Auch der Kanton fordert nun einen Baustopp für Neubauten im Zentrum von Kriegstetten. Einwohner und Behörden fürchten um das Ortsbild von Kriegstetten.

«Ist ein schönes Ortsbild und die Verkehrssicherheit gewährleistet?» Diese Frage stellt die CVP Kriegstetten anfangs Juli im «Azeiger». Deutlich stellte sich damit die CVP gegen die vorgängige Baupublikation «Zentrumsüberbauung» und mahnte, dass die Einsprachefrist am 12. Juli ablaufe und man doch seine Rechte wahrnehmen sollte – trotz Ferien.

17 Einsprachen sind eingegangen, weiss Gemeindepräsident Peter Siegenthaler. Das Inserat zeigte Wirkung, wie der planende Architekt Michael Lüthi sagt und er ergänzt: «In Kriegstetten ist wegen der geplanten Zentrumsüberbauung der Teufel los.» Seinem Vater gehört Bauland, auf dem ein Teil der geplanten Bauten beim «Kreuz» zu stehen kommen soll. Der andere Teil des Baulandes gehört einer Investorengruppe aus Zug. Nicht nur Private haben Einsprache gehalten. Auch der Kanton und zwar Regierungsrat Walter Straumann vom Bau- und Justizdepartement. Die Gründe sind happig und lassen die Kriegstetter Baubehörden sowie die Gemeindeführung äusserst schlecht dastehen.

Von überörtlicher Bedeutung

Dazu muss man wissen, dass Kriegstetten eine Kernzone mit Nutzungsvorschriften, überlagert mit einer Ortsbildschutzzone mit Gestaltungsvorschriften hat. «Das Ortsbild mit der Kirche, dem Restaurant Kreuz und dem Restaurant Sternen, dem Pfarrhaus und dem Haller-Bankbau ist eines der letzten im Wasseramt von überörtlicher Bedeutung», erklärt Ruedi Bieri vom Amt für Raumplanung.

Die Vorschriften sollen das Ortsbild in seiner heutigen Qualität und Eigenart schützen. Bei Bauvorhaben in der Ortsbildschutzzone, muss die Kriegstetter Baubehörde das Gespräch mit der kantonalen Fachstelle Ortsbildschutz suchen. «Die Fachstelle berät die Baubehörde. Werden die Ratschläge von der Baubehörden nicht angenommen, kann der Kanton wenig ausrichten. Nicht aber im Fall von Kriegstetten, denn hier werden Vorschriften verletzt, die keinen Interpretationsspielraum zulassen und die eingehalten werden müssen», berichtet Ruedi Bieri.

Somit ist klar, dass sich die Baubehörde trotz mehrerer Gespräche mit der Fachstelle um deren Vorbehalte foutierte. Der Text zur Zentrumsüberbauung im gemeindeeigenen Infoblatt enthält nur Beschönigungen: «In konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Kanton ... wurde das Projekt so angepasst, dass dieses nun als Baugesuch eingereicht werden kann.» Die von den Initianten des Bauvorhabens angeführte Behauptung, mit dem Kanton sei alles paletti, entspreche aber nicht den Tatsachen, sagt Ruedi Bieri. Die Vorschriften seien «aufs Gröbste», so Bieri, verletzt worden. Als Beispiel nennt er den Neubau auf dem heutigen Parkplatz beim Restaurant Kreuz, der nach den Plänen der Bauherren ein Flachdach erhalten soll.

Stellt sich die Frage, weshalb die Baubehörde sich quer stellt? «Wir haben von weiteren Einsprechern den Vorwurf auf dem Tisch, dass der Baupräsident in den Bau der Zentrumsüberbauung involviert ist», sagt Bieri. Architekt Michael Lühti und Gemeindepräsident Peter Siegenthaler bestätigen, dass die haustechnischen Arbeiten an die Burgdorfer Probst und Wieland AG vergeben wurden. Der Baukommissionspräsident Renato Wieland sei aber in Ausstand getreten. «Schon lange», so Siegenthaler.

Gefordert wird ein Gestaltungsplan

Die kantonale Fachstelle Ortsbildschutz hat die Erarbeitung eines Gestaltungsplanes empfohlen, was der Kriegstetter Gemeinderat aber ablehnte. Deshalb hat der Kanton nicht nur Einsprache gegen das Baugesuch für die erste Etappe der Zentrumsüberbauung in Kriegstetten eingelegt, sondern auch dem Gemeinderat einen Brief geschrieben, in dem er diesem nahelegt, die Ortsplanung zu überprüfen und bis zu deren Abschluss mit einer Planungsmassnahme dafür zu sorgen, dass keine Neubauten in der Kern- bzw. Ortsbildschutzzone von Kriegstetten bewilligt werden können. «Die Baubehörde sagt, die Vorschriften seien veraltet. Es ist aber nicht Aufgabe der Baubehörde zu interpretieren, sondern Vorschriften zu vollziehen. Wenn die Vorschriften veraltet sein sollen , muss man diese im Rahmen einer Ortsplanungsrevision überdenken», erklärt Bieri.

Peter Siegenthaler hält den Ball tief. «Da ist nichts Weltbewegendes, worüber sich schreiben lohnt.» Die Baukommission werde die Einsprachen behandeln, «dann sehen wir weiter», so Siegenthaler. Er erwähnt zudem, dass die Vorschriften in der Kernzone 1996 ausgearbeitet wurden und heute, «da man verdichtet bauen muss», teilweise veraltet seien. Die Baukommission werde einen Vorschlag zuhanden des Gemeinderates ausarbeiten. Dabei handle es sich um eine Teil-Ortsplanungs-Revision. «Der Gemeinderat wartet ab. Da er den Inhalt der Einsprachen nicht kennt, soll er auch nichts machen», so der Gemeindepräsidenten, der jahrelang Baukommissionspräsident war und eines gelernt habe: «Kümmere Dich nicht um etwas, das Du nicht gelesen hast.»

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