In der Vojvodina in Serbien, nahe der Stadt Zrenjanin, fand diese Woche die Europameisterschaft im Freiflug statt. Mit Heinz und Michael Bleuer von der Modellfluggruppe Rüttenen ist die Region in der dreiköpfigen Schweizer Nationalmannschaft der Kategorie F1A sehr gut vertreten. Zusammen mit Christian Andrist aus Thun wetteiferten sie mit Piloten aus dreissig verschiedenen Nationen Europas um den Titel.

Es ist sechs Uhr morgens, praktisch windstill und immer noch kühl – einige Viehherden sind bereits mit ihren Hirten unterwegs und ein paar Störche fliegen im Sonnenaufgang durch die idyllischen Felder, auf denen weit und breit kein Haus zu sehen ist. In dieser Ruhe beginnen die ersten Modellflieger ihre Modelle auszupacken.

Das nur 410 Gramm leichte Modell aus Kohlefaser und Balsaholz wird vom Piloten, der am Boden steht, mittels einer 50 Meter langen Leine auf Höhe gebracht. Mit dem Modell an der Leine gilt es dann, Thermik aufzuspüren – das ist eine Form von Aufwind, die dadurch entsteht, dass Sonneneinstrahlung die Erdoberfläche und folglich auch die Luft am Boden erwärmt und die Freiflugmodelle aufsteigen lässt.

In der Luft «schleppt» der Pilot das Modell so lange an der Leine im Kreis, bis er die aufsteigenden Luftströme spürt – dies kann dauern und lässt ihn oft weite Distanzen zurücklegen. Für den Start sind Sprintqualitäten gefragt, um das Modell zu beschleunigen und die Leine im richtigen Moment loszureissen, damit es nach dem Ausklinken noch weitere Höhe gewinnen kann und möglichst lange fliegt.

Die Zeit läuft ...

Nach dem Ausklinken zählt die Zeit. Das Modell muss drei Minuten in der Luft bleiben – bei manchen Durchgängen auch länger. Der Pilot hat nun keinen Einfluss mehr, das Modell befindet sich, wie der Name Freiflug schon sagt, im freien Flug. Lediglich die Bremse kann der Pilot auslösen. Das Modell wird während dem Freiflug im Feldstecher genau verfolgt, denn oft kann es auch schon in den drei Minuten um ein Vielfaches steigen und so grosse Strecken zurücklegen, dass es von blossem Auge nicht mehr sichtbar ist.

Das Auffinden und Zurückholen ist ein wesentlicher, ebenfalls sehr sportlicher Aspekt des Freiflugs, in dem oft auch helfende Teammitglieder gefragt sind. Dies darf nicht zu viel Zeit beanspruchen, damit das Modell rechtzeitig zum nächsten Durchgang wieder startklar ist.

Zudem lauern Gefahren in der freien Natur: Stromleitungen, Bäume, Viehherden, Gewässer oder Autobahnen. Besonders zeitraubend zum Rückholen sind Mais- oder Sonnenblumenfelder.

«Der besondere Reiz des Freifliegens ist die Verbindung von Sport, Natur und Technik», sagt Michael Bleuer, der sich durch seinen Vater, aber auch durch seinen Grossvater Kurt Bleuer, bereits als Kind für diese Sportart begeisterte. «Beeindruckend an internationalen Wettkämpfen ist das ganze Ambiente, der Austausch und die Freundschaften, welche Kulturen verbinden und aus der Freiflugszene eine grosse Familie machen», sagt Michael Bleuer, der letztes Jahr zum dritten Mal in Folge den Schweizermeistertitel holte.

Wer in allen fünf Durchgängen die volle Zeit fliegen konnte, erreicht das Finale. Im Sonnenuntergang steigen die letzten Modelle nochmals in den rotgefärbten Himmel und die Teammitglieder stellen sich kilometerweit im Feld auf, um das Modell verfolgen zu können und noch vor Einbruch der Dunkelheit zu finden. Michael Bleuer und Christian Andrist vom Schweizer Team sind dabei und messen sich noch einmal mit den Toppiloten. Keine leichte Aufgabe in der kühler werdenden Abendluft, aber Mitfliegen ist schliesslich alles.

Resultate

Europameister: Roland Koglot, Slowenien; 7. Rang: Christian Andrist; 42. Rang: Michael Bleuer; 72. Rang: Heinz Bleuer