Drei Höfe
Wyss-Baumschule schliesst im Sommer – 13 Arbeitsplätze gehen verloren

Mit der Umstellung auf einen reinen Handels- und Dienstleistungsbetrieb gehen 13 Arbeitsplätze in Heinrichswil verloren. Doch wieso schliesst man die Baumschule?

Rahel Meier
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Noch bis in den Sommer wird auf dem acht Hektaren grossen Grundstück voll produziert.

Noch bis in den Sommer wird auf dem acht Hektaren grossen Grundstück voll produziert.

Seit 1958 betreibt die Wyss Samen und Pflanzen AG in Heinrichswil eine Baumschule. Auf acht Hektaren werden nach den Richtlinien der integrierten Produktion (IP) Pflanzen kultiviert, die in den fünf Wyss Gartencentern in der ganzen Schweiz verkauft werden. Doch im Sommer schliesst der Betrieb.

«Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen», sagt Hans Walter Müller (Leiter Bereich Detailhandel). «Das Umfeld wird auch in unserem Geschäftsbereich immer schwieriger», so Müller. Der Preisdruck steige stetig, die Importe würden zunehmen, und daraus ergebe sich eine Preisspirale. «Die Baumschule in Heinrichswil ist zudem im schweizerischen und europäischen Umfeld gesehen nur ein kleiner Betrieb.» Wirtschaftlich gesehen rentiere der Betrieb nicht mehr.

Zusätzlich sei das Volumen innerhalb der Wyss Samen und Pflanzen AG auch zurückgegangen, weil die Filiale in Volketswil geschlossen wurde. Mit der Schliessung der Baumschule ist für die Wyss Samen und Pflanzen AG der letzte Schritt in der Entwicklung von einem Produktionsbetrieb hin zu einem Handels- und Dienstleistungsbetrieb vollzogen.

Versuchen Lösungen zu finden
Zurzeit sind 13 Personen in Heinrichswil beschäftigt. Für fünf Arbeitnehmer konnte bereits eine interne Lösung gefunden werden. «Sie haben Arbeit in einem unserer umliegenden Gartencenter gefunden.» Andere würden sich extern umsehen. «Wir versuchen, für alle eine gute Lösung zu finden», verspricht Müller.

Zurzeit ist die Wyss Samen und Pflanzen AG dabei, Verträge mit neuen Partnern für die zukünftige Belieferung abzuschliessen. Bereits in den letzten Jahren wurde Ware von anderen Baumschulen zugekauft. Müller beziffert den Anteil auf 20 bis 25 Prozent. «Wir setzen auch künftig auf Qualität und wollen weiterhin Pflanzen verkaufen, die in der Schweiz kultiviert wurden.» Das Angebot sei genügend, um die Lücke nach der Schliessung der eigenen Baumschule zu füllen.

Was mit dem Areal in den Drei Höfen passiert, ist gemäss Müller noch offen. Bis im Sommer werde voll produziert. «Jetzt kommt dann die Frühlingssaison. Die hat Priorität und unsere Center werden noch mit unseren eigenen Pflanzen beliefert.» Es sei denkbar, dass das Areal an einen Gartenbetrieb vermietet werde. Es gebe zudem bereits Interessenten für die Kulturflächen.

Die Gemeinde Drei Höfe bedauert die Schliessung generell und es gehen dabei auch für vier Ortsansässige die Arbeitsplätze verloren. «Bei der Baumschule handelt es sich um die einzige Gewerbezone, welche auf den Drei Höfen besteht», so Gemeindepräsident Thomas Fischer auf Anfrage. Die Behörden arbeiten aktuell an der Ortsplanungsrevision und mögliche Auswirkungen auf die detaillierte Nutzungsplanung sind im Moment noch nicht klar.

Wyss Samen und Pflanzen AG mit 150-jähriger Geschichte

Die Firma Wyss Samen und Pflanzen AG kann auf eine über 150-jährige Geschichte zurückblicken, sie hat ihren Hauptsitz in Zuchwil und verschiedene Standbeine.
Wyss GartenHaus vereint die fünf Gartencenter unter ihrem Dach. In Bern wird der WyssGartenLaden betrieben. Wyss Raumbegrünung sorgt für gepflegtes Grün im Arbeits- und Wohnbereich. Als Letztes vertreibt Wyss mit der Eigenmarke Select Sämereien und Pflanzgut.
Die Baumschule in Heinrichswil produziert auf 8 Hektaren mit 13 Mitarbeitenden nach den ursprünglichen Richtlinien der integrierten Produktion (IP). Die Kultur erfolgt in Töpfen oder Containern. Dies gewährt eine ganzjährige Verfügbarkeit. Produziert werden jährlich: 22 000 Laubgehölze und Heckenpflanzen in 400 Sorten; 3000 Nadelgehölze in 100 Sorten; 4500 Schling- und Kletterpflanzen in 60 Sorten; 200 000 Stauden in 800 Sorten; 3500 Obstbäume in 200 Sorten und Formen; 7000 Beeren in 100 Sorten und 18 000 Rosen in 220 Sorten und Formen.
Weitherum bekannt ist der 25 000 Quadratmeter grosse Versuchs- und Schaugarten am Hauptsitz in Zuchwil. Darin gedeihen rund 2000 Pflanzensorten – bekannte und seltene. Neuheiten von Züchtern aus aller Welt werden hier auf ihre Eignung geprüft. In keinem Garten sonst in der Schweiz wachsen so viele Sorten von Kulturpflanzen nebeneinander. Der Garten ist ganzjährig geöffnet und viele gehen darin spazieren. (rm)

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