Zu den Golfnationen gehört die Schweiz nicht. Zwar waren an den Olympischen Spielen in Rio zwei Schweizerinnen mit von der Partie. Doch anders als in Schottland oder Schweden, wo Golf ein Volksvergnügen ist, haftet dem Sport in der Schweiz noch immer etwas Elitäres an. Nun bemühen sich Anbieter, die Massen auf die Greens zu bewegen. So hat die Migros den Golfplatz Limpachtal in Aetingen vor einem Jahr übernommen und bietet unter anderem günstige Konditionen für Lehrlinge und Studenten an. Die kommerzielle Ausnutzung der Anlage durch Tagesgäste wird gefördert.

Viele Golfer schätzen jedoch weiterhin die Exklusivität. Ein hohes Mass an Privatsphäre bietet der Golfclub Wylihof in Luterbach. Am Freitagabend wurde die Erweiterung um 9 Loch auf eine 27-Loch-Anlage gefeiert. Geschäftsführer Roland Meyer versichert, dass die Club-Ambiance nicht unter dem Ausbau leiden wird. «Wir werden unsere Qualität hochhalten.» Rund 8 Prozent betrage der Anteil an auswärtigen Spielern.

Diese seien zwar herzlich willkommen, den Vorzug geniessen in Luterbach aber weiterhin die Mitglieder. «Wir verstehen uns als Mitglieder-Club.» Selbst wenn künftig auf der 18-Loch-Bahn ein Turnier stattfindet, gibt es dank der Erweiterung noch immer genügend Raum zum entspannten Golfen. Mit diesem Angebot an «Privacy und Club-Ambiance» bewege man sich ausser Konkurrenz, wirbt Meyer. Und Club-Präsident René Misteli doppelt nach: «Im Premium-Segment gibt es in der Schweiz kaum Vergleichbares.» Bilder von Vierergruppen in Kolonnen werde man auf der neuen Anlage nicht sehen.

Wasser aus der Aare

Auf einer Rundfahrt im Caddy ermisst sich die Grosszügigkeit der neuen 9-Loch-Anlage. Vor dem Restaurant surrt ein automatischer Rasenmäher über das Grün. Vor der weiten Fläche wirkt der kleine Roboter fast verloren. Insgesamt müssen künftig 100 Hektaren Rasen gemäht werden. Dreimal pro Woche sind bis zu 13 Greenkeeper unterwegs, um die Halme zu trimmen. Dann natürlich auf stattlichen Mähtraktoren.

Wo früher eine topfebene Landwirtschaftsfläche war, wellen sich nun sanfte Erhebungen. Dutzende Bäume wurden gefällt, viele neu gepflanzt, 4000 Lastwagen Material verschoben. In neu angelegten Seen glitzert das Sonnenlicht, ein Storch pickt neben einer Spielbahn nach Essbarem. Im grossen Teich mit der kleinen Insel in der Mitte hatte ein Schwimmer diese Woche bereits Abkühlung gesucht. Aufgrund der rutschigen Folie auf dem Grund ist dieser Badespass jedoch nicht zu empfehlen.

Immerhin war es gesünder, als in eines der neu angelegten Rückhaltebecken zu hüpfen, wo das Drainagewasser verdunstet. Wobei Geschäftsführer Meyer beteuert, mit den Pflanzenschutzmitteln sparsam umzugehen. Rund 10 Prozent der Pestizide, die ein Bauer auf der gleichen Fläche spritzen würde, würden im Wylihof eingesetzt. Auch beim Trinkwasserverbrauch sei man alles andere als verschwenderisch. Dank einem Schöpfungsrecht kann man für die Bewässerung auf Aarewasser zurückgreifen.

Zweigeteilt wird der neue Parcours durch den Dorfbach. Über den neu angelegten Weg entlang dem Bach werden schon bald Spaziergänger schlendern. Man habe auf die Bedürfnisse der Anwohner bei der Planung viel Rücksicht genommen. Davon zeugt unter anderem die Verlegung einer AEK-Stromleitung in den Boden. Meyer ist überzeugt, dass die Umgebung durch den Golfplatz, der sich nun bis fast an die Bahngleise und bis zur Jurastrasse erstreckt, aufgewertet wird. Naturbelassen wird aufgrund der erweiterten Gewässerschutzzone um das Pumpwerk Dörnischlag weiterhin der östlichste Teil.

«Wäre heute nicht mehr möglich»

5 Millionen Franken hat der Golfclub in den Ausbau investiert, darin eingerechnet ist der Landkauf. Das Projekt ist vollständig fremdfinanziert. Eine Kapitalerhöhung sei nicht nötig gewesen. Gestützt wird die Erweiterung durch den Grossteil der über 900 Mitglieder. 85 Prozent hätten sich in einer Befragung 2013 dafür ausgesprochen. Die Planung begann jedoch bereits viel früher.

2000 war das Landwirtschaftsland in eine Sportzone überführt worden. Die Umzonung geschah laut Meyer ohne Nebengeräusche, der Kanton und Naturschutzverbände hätten das Projekt unterstützt. Die Einsprachen konnten vergangenes Jahr gütlich erledigt werden. «Heute, da die Auflagen zur Raumplanung höher sind, wäre das wohl nicht mehr so reibungslos gegangen.» Auch Präsident Misteli glaubt, dass ein solches Vorhaben nicht mehr umgesetzt werden könnte. So bekundet die Migros Probleme beim Bau respektive Ausbau neuer Anlagen.

Biogen befeuert Nachfrage

Einmalig sei der erweiterte Golfplatz Wylihof in der Schweiz, sagt Roland Meyer. Vor allem die Anordnung der Infrastruktur und die Kombination der Spielbahnen finde man sonst nirgends in dieser Art vor. So steht das Restaurant mit dem Clubhaus in der Mitte der Anlage. Die zentrale Lage erlaubt kurze Wege zwischen den Greens.

Mit dem Ausbau steigt der Golfclub Wylihof nun in den Reigen der Grossanlagen in der Schweiz auf. Einzig der Golfpark Waldkirch am Sempachersee ist gemäss Swiss Golf noch grösser. Die Kapazitätsgrenze in Luterbach sei denn auch bald erreicht. Bloss noch 7 Prozent zusätzliche Mitglieder werde man aufnehmen. Zwar dürfte die Ansiedlung des Biotechnologiekonzerns Biogen in direkter Nachbarschaft noch einmal einen Nachfrageschub bescheren. Doch die Club-Verantwortlichen werden dafür sorgen, dass das Golfvergnügen im Wylihof exklusiv bleibt.