Feldbrunnen-St. Niklaus
Workshop zum räumlichen Leitbild zeigt: Wachsen wollen sie eigentlich alle

Was gibt es am räumlichen Leitbild zu kritisieren? Was wünscht man sich? Die Gemeinde lud am Montagabend zu einer Mitwirkungsveranstaltung zum räumlichen Leitbild ein.

Lea Reimann
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Die Sportwiese wird nicht mehr angetastet – so viel war schon vor dem Workshop klar.

Die Sportwiese wird nicht mehr angetastet – so viel war schon vor dem Workshop klar.

Hanspeter Bärtschi

«Es ist ungewöhnlich, dass in diesem Stadium noch solche Diskussionen stattfinden», erklärte Gemeindepräsidentin Anita Panzer. Nachdem die Gemeindeversammlung im Frühling aber gar nicht erst auf das Leitbild eintreten wollte, erkannte man den Handlungsbedarf und lud die Bevölkerung deshalb erneut zur Diskussion ein.

Dies, obwohl bereits Mitwirkungsversammlungen stattfanden und dabei zahlreiche Eingaben der Bevölkerung aufgenommen wurden.

Das Fass zum Überlaufen brachte an der Gemeindeversammlung im Frühling offensichtlich die angedachte Umzonung der Sportwiese beim Schulhaus. Alte Konflikte waren zu spüren, die Wachstumsabsichten standen vermeintlich in der Kritik.

Nun, da rund 45 interessierte Einwohnerinnen und Einwohner in Tischgruppen zu verschiedenen Themen diskutierten, wurde klar: So verschieden sind die Absichten gar nicht. Und dass man moderat wachsen will, war zumindest am Montagabend praktisch unbestritten.

«Es geht im Leitbild nicht darum, das Dorf zuzupflastern und auf Gedeih und Verderb zu wachsen», verteidigte sich Gemeinderats- und Kommissionsmitglied Adrian Zbinden am Montag. So oder so sei dieses Leitbild nur eine Leitplanke, keineswegs ein Bauprogramm.

Es sei aber auch zu bedenken, dass demnächst viele Pensionierungen im Dorf anstehen, was sich auf die Steuereinnahmen auswirken werde. «Es braucht Wachstum, um das Steuersubstrat zu generieren», so Zbinden. Und wenn man Leute nach Feldbrunnen locken wolle, braucht es Wohnraum.

Die meisten der Anwesenden waren denn auch der Meinung, dass verdichtetes Bauen nötig sei, etwa durch Umzonungen. Mehr Geschosse sollen möglich sein, Einfamilienhäuser sollen durch Mehrfamilienhäuser ersetzt werden können.

Auch die Einzonung Ost konnte sich einer hohen Akzeptanz erfreuen. Als weitere Option könnte die Gemeinde möglicherweise den Waldegghof beim Dorfmuseum vom Kanton übernehmen und dort neue Wohnungen entstehen lassen.

Diese Idee wurde ebenfalls von vielen Anwesenden begrüsst. Einzonen möchte man in erster Linie dort, wo bereits Erschliessungen vorhanden sind. Da wären etwa die Schützenstrasse oder die Sandmatt geeignet.

Dass die Sportwiese nicht mehr angetastet werden darf, stand ebenfalls klar im Raum. Klar festhalten müsse man ausserdem auch, dass der Handlungsspielraum beschränkt sei, weil kaum noch Boden zur Verfügung steht.

Ist der Zug schon abgefahren?

Visionär wurden vor allem jene Gruppen, die die Zukunft der Baselstrasse und des Bipperlisi diskutierten. Die Rede war von der Verlegung der Bahn in die Mitte der Strasse und sogar davon, das Bipperlisi in einem Tunnel durch das Dorf zu führen.

«Irgendwo müsste man diesen Traum festhalten», hörte man an diesem Tisch mehrmals. Der Traum von der Untertunnelung, der – so visionär er auch ist – doch immer wieder zur Sprache kommt, würde sogar Bauland generieren.

Realistisch gesehen gibt es in naher Zukunft aber nicht viel zu verändern: Das Projekt mit zusätzlichen Barrieren steht kurz vor der Ausführung und niemand ist wirklich glücklich damit. Dazu kommt, dass die Neugestaltungen, die etwa zusätzliche Schranken beinhalten, auch finanziell ins Gewicht fallen.

Ende Woche sollte der Betrag bekannt werden und man hofft, dass er die Kosten von einer Million nicht überschreiten wird.

Visionäre Ideen entstanden aber auch am Tisch des Dorfzentrums: Ein mehrstöckiger Turm könnte viele Leute aufnehmen und die Verdichtung in den Quartieren entlasten. Weitaus konkreter war der Vorschlag, das Zentrum attraktiver zu gestalten – wo auch immer dieses genau zu stehen kommt.

Andere hingegen brachten den Einwand, dass das Dorf gar kein Zentrum brauche: «Wir sind eine Schlafgemeinde», ist auf einem Plakat zu lesen. Was passiert, passiert in der Stadt.

Neben vielen weiteren Aspekten wurde ausserdem festgehalten, dass das Leitbild kompakter und einfacher werden müsse, reduziert auf die essenziellen Punkte. Es sei im Moment zu umfangreich, zu schwer verständlich und enthalte zu komplizierte Pläne.

Die Stimmung am Schluss der Veranstaltung wirkte zufrieden, man scheint guter Dinge zu sein. Ziel des Gemeinderates ist es nun, das räumliche Leitbild im Frühling wieder an die Gemeindeversammlung bringen zu können, sodass diese dann auch tatsächlich darauf eintreten wird.

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