Papieri-Areal, Schwerzimoos, Schöngrün. Das sind nur drei Gebiete, in denen Biberist in den kommenden Jahren sein Gesicht verändert. Die Einwohnerzahlen steigen, die Gemeinde entwickelt sich sichtbar. Vier Parteien wollen Biberist ihren Stempel aufdrücken. Am 21. Mai entscheidet sich, welche Seite zulegen kann – oder ob bei der Verteilung der elf Sitze alles beim Alten bleibt.

SP verteidigt den Dorfcharakter

Mit einem Polster steigt die SP ins Rennen. Die Partei holte bei den Kantonsratswahlen im März 30 Prozent der Stimmen. Zudem hat sie sich mit den Grünen zusammengeschlossen, die rund 9 Prozent erreichten. Trotzdem stehen auf der Liste nur 8 Namen. «Wir hätten gerne eine volle Liste präsentiert, erhielten aber diverse Absagen», sagt Ortsparteipräsident Marc Rubattel. Das Amt als Gemeinderat sei für viele zu zeitaufwendig.

Dass gleich vier Kandidaten aus der Gilde der Ingenieure stammen, sieht Rubattel als Vorteil: Der Gemeinderat beschäftige sich stark mit Fragen aus dem Baubereich. Für Planer sei dies reizvoll. Ein gutes Zeichen sei zudem, dass die vier Bisherigen weitermachen. «Die Mitarbeit macht ihnen Spass, und die Partei profitiert von ihren Erfahrungen.»

Hoch steckt die SP ihre Ziele: Sie will von vier auf fünf Sitze zulegen. «Das können wir schaffen», glaubt Rubattel. So wäre auch die Möglichkeit «sehr gross», dass einer der beiden Grünen in den Rat einzieht. Schafft der Sozialdemokrat Stefan Hug die Wahl zum Gemeindepräsident, müsste der schlechtgewählteste SP-Listenvertreter seinen Sitz freigeben.

Schlagwort für die SP in diesem Wahlkampf sei das «Dorf». Selbst wenn die Gemeinde die 10'000-Einwohner-Marke überschreite, solle Biberist nicht zur Stadt werden. «Wir wollen ein Dorfzentrum, eine Begegnungszone und den Langsamverkehr fördern», postuliert Rubattel.

Würden mehr Einwohner Velo fahren, würde man das «hausgemachte» Verkehrsproblem in den Griff kriegen. Daneben wolle man sich starkmachen für schulergänzende Tagesstrukturen und eine Ortsplanung, mit der sich das Gewerbe entfalten könne. «Dafür braucht es planerisches Geschick.»

FDP setzt auf Verursacherprinzip

Zweite Kraft im Gemeinderat ist bisher die FDP. Allerdings müssen die Freisinnigen in diesem Wahlkampf ohne Zugpferd auskommen. Die Partei verzichtet auf eine Kandidatur für das Gemeindepräsidium. 28 Jahre lang lag das oberste Amt in der Gemeinde in Händen der FDP.

Für Parteipräsident Jan Noordtzij kein Nachteil: «Es spielt keine Rolle, was wir nicht haben, es kommt darauf an, was wir anbieten.» Die acht Kandidaten seien gut verankert im Dorf. «Wir werden die drei Sitze verteidigen», ist sich Noordtzij sicher. Als Ziel formuliert er sogar einen Ausbau auf vier Sitze. Die beiden bisherigen Freisinnigen treten erneut an.

Mit der Kantonsratswahl, wo FDP auf gut 17 Prozent der Stimmen kam, sei die Gemeinderatswahl nicht vergleichbar, sagt der Parteipräsident. «Hier geht es um eine Personenwahl.» Es sei wichtig, dass die Kandidaten im Dorf sichtbar seien und man diese kennt.
Laut Noordtzij wollen sich die Freisinnigen in der kommenden Legislatur unter anderem für bezahlbare, familienbejahende Strukturen einsetzen. Auch Vereine und Gewerbe wolle man unterstützen. Statt auf Steuern setze man auf das Verursacherprinzip, statt «absurder Bürokratie» wolle man die kleinen und mittleren Unternehmen stärken. Ausserdem sieht die Partei einen fortschrittlichen Zonenplan als Chance.

SVP: Opposition nicht aus Prinzip

«Auf jeden Fall zulegen», ist das Ziel der SVP. Sie wurde in den Kantonsratswahlen zweitstärkste Kraft, liegt aber mit ihren zwei Sitzen im Gemeinderat hinter der FDP zurück. Mit Markus Dick stellt die Partei zudem einen Kandidaten für das Gemeindepräsidium. Dessen Wahl sei das Hauptziel, erklärt Parteipräsident Zvezdan Sataric.

Sehr enttäuscht sei man über den Entscheid der FDP, Dick nicht zu unterstützen. Dass Freisinnige den SP-Kandidaten favorisieren, sei gar unverständlich. Die Abgrenzung gegen links führt bei der SVP so weit, dass die Partei als einzige bei einem gemeinsamen Wahl-Anlass vom Samstag fernblieb. «Wir wollen nicht mit der SP auf gleicher Bühne auftreten», so Sataric.

Inhaltlich will die SVP den Fokus in der kommenden Legislatur auf den Personalbestand der Gemeindeverwaltung legen. «Ein weiteres Wachstum muss gestoppt werden.» Die Bürgerfreundlichkeit solle wachsen, etwa dank längerer Öffnungszeiten auf der Gemeindeverwaltung.

Dazu gehöre auch, dass Verwaltungsentscheide, die das Privateigentum betreffen, den Bürgern mitgeteilt werden. Es sei vorgekommen, dass eine Parzelle von einem Veloweg tangiert wurde und der Landbesitzer nichts davon erfuhr. «Die Leute müssen im Vorfeld informiert werden.» Gemessen werde die SVP schliesslich an den Steuern. Deshalb wolle man auf eine Senkung hinwirken.

Die Oppositionsrolle der Partei in der Vergangenheit sei nicht prinzipiell, sondern stets begründet gewesen. «Wir haben bei gewissen Themen eine dezidiert andere Meinung», so Sataric. Er hofft, dass sich durch eine Wahl von Markus Dick die bürgerlichen Reihen in der nächsten Legislatur schliessen.

CVP bündelt Mitte-Kräfte

Als kleinste der vier grossen Parteien schliesst sich die CVP für die Gemeinderatswahl mit der BDP und der EVP zusammen. «Wir haben in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet, man kennt sich und wir teilen gemeinsame Ansichten», sagt Parteipräsident Hans Yamamori.

Es sei wichtig, vereint aufzutreten und die Kräfte in der Mitte zu bündeln. «Wir nehmen die Anliegen der Biberister Bevölkerung ernst und wollen lösungsorientiert und aktiv an der Ortsplanung arbeiten», benennt Yamamori die CVP-Grundsätze. Dazu gehöre der Einsatz für die Familie dank Naherholungsgebieten, Spielplätzen und einem Mittagstisch.

Auch wolle man das Bildungsangebot sicherstellen und die Schulraumplanung wie bisher weiterführen. «Damit es speditiv vorwärtsgeht.» Man stehe ein für eine nachhaltige Erneuerung der Infrastruktur, wolle mit Umwelt und Finanzen rücksichtsvoll umgehen. Als Ziel gibt die CVP den Erhalt ihrer beiden Sitze respektive den Gewinn eines Sitzes aus.

Am 3. Mai lädt die CVP-Ortspartei die beiden Kandidaten fürs Gemeindepräsidium getrennt ein und entscheidet danach über eine Unterstützung oder Stimmfreigabe.