Bucheggberg-Wasseramt
Wohin man es mit einem Azeiger-Kulturförderpreis bringen kann

Mit dem Azeiger-Kulturförderpreis werden Personen bis 26 Jahren ausgezeichnet, die aus dem Einzugsgebiet des Azeigers Bucheggberg-Wasseramt kommen. Einige der ausgezeichneten Talente sind inzwischen schweizweit bekannt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Natalie Marrer war 2006 die erste Preisträgerin. Der Azeiger-Kulturförderpreis half mit, das Talent bekannt zu machen. Das Foto entstand 2009 an den 5. Kleinkunsttagen Solothurn.

Natalie Marrer war 2006 die erste Preisträgerin. Der Azeiger-Kulturförderpreis half mit, das Talent bekannt zu machen. Das Foto entstand 2009 an den 5. Kleinkunsttagen Solothurn.

Felix Gerber

Seit neun Jahren verleiht der Azeiger Buchberg-Wasseramt einen Kulturförderpreis in verschiedenen Sparten. Von 2006 bis 2009 jedes Jahr, danach noch alle zwei Jahre, wählt eine eigens eingesetzte Jury aus verschiedenen Kulturfachleuten sowie Vertretern der beteiligten Verlage aus den eingereichten Arbeiten die besten und überzeugendsten aus. Es gibt eine Preissumme von insgesamt 25 000 Franken zu verteilen.

Wie die eruierten Preisträger jeweils alimentiert werden, beurteilt die Jury in jedem Jahrgang nach ihrem Ermessen. Bis zur vergangenen Preisverleihung 2013 wurden insgesamt 25 Preisträger ausgezeichnet. Wer mitmachen will, darf nicht älter als 26 Jahre alt sein, und er muss im Einzugsgebiet des Azeigers Bucheggberg-Wasseramt leben oder aufgewachsen sein. Ansonsten werden keine Auflagen gemacht. Jedes kulturelle Engagement wird begutachtet und bei Gutdünken ausgezeichnet.

Bei vielen der Ausgezeichneten war mit dem Preis des Azeigers der erste öffentliche Auftritt überhaupt verbunden. Dies jeweils anlässlich der Kulturnacht, zu der alle, die beim Wettbewerb mitmachten, eingeladen werden. Und für die Preisträger ist es vielfach die erste öffentliche Anerkennung ihrer künstlerischen Arbeit. Etliche davon haben danach weitere Preise erhalten.

Mitte Mai ist Einsendeschluss

Der Azeigerverband Bucheggberg-Wasseramt führte zusammen mit dem Verlagspartner AZ Anzeiger AZ (seit 2009) den Wettbewerb «Kulturförderpreise» für junge Kunstschaffende durch. Zunächst jährlich, findet die Ausmarchung seit 2009 alle zwei Jahre statt. Eine mehrköpfige Jury aus Fachmitgliedern verschiedener Kunstsparten sowie Anzeiger-Vertretern wählt unter den Einsendungen aus. Die bisherigen Preisträger in den verschiedenen Sparten waren: Malerei/Grafik Julia Steiner, Kaspar Flück, Céline Fluri, Cornelia Moser, Franziska Baumgartner Film/Foto Elena Brotschi, Stefanie Daumüller, Matthias Fürst, Markus Furter/Eliane Gerber, Roshan Adhihetty, Elena Schönfeld Musik Noémie Rufer, Cyrill Sandoz, Serafina Rufer, Felix Heri, Jan Börner, Lea Scherrer/Hannah Willimann, Marianne Walker, Gregor Lisser, Eva Herger, Aline Arn, Simon Kissling Literatur Natalie Marrer Tanz Melanie Uhlmann Design Fabian Marciniak.

In diesem Jahr können junge Kunstschaffende im Alter von 16 bis 27 Jahren am Wettbewerb teilnehmen. Anmeldeschluss ist Ende März; Abgabe der Arbeiten bis Mitte Mai. Weitere Infos sind unter www.azeiger.ch/aktuell abrufbar. (frb)

Preis öffnet Türen

Eine der bekanntesten Künstlerinnen – und eine der ersten Ausgezeichneten – war die Malerin Julia Steiner aus Bätterkinden. Seit dem Azeigerpreis 2007 und ihrem Abschluss an der Hochschule der Künste in Bern 2008 wurde Steiner ein «kometenhafter Aufstieg in der Kunstszene» attestiert. Sie erhielt weitere namhafte Stipendien und Preise, darunter den Swiss Art Award 2009 und den Berner Manor Kunstpreis 2010 und kann ihre Arbeiten inzwischen in der ganzen Welt präsentieren.

Eine andere, inzwischen schweizweit bekannte Preisträgerin – 2006 die erste notabene – ist Autorin Natalie Marrer aus Biberist. Damals erhielt sie einen Förderpreis für ihren Roman «Die Traumkarten», aus dem sie an den darauffolgenden Solothurner Literaturtagen lesen konnte. Inzwischen ist Marrer vor allem den Lesern der Coop-Zeitung ein Begriff geworden.

Wöchentlich unterhielt sie bis vor kurzem die Leser mit ihrer Kolumne. Ab sofort hat Marrer, die auch noch Recht studiert, eine neue Aufgabe: «Ich schreibe ab jetzt voraussichtlich jeden Monat über ein Beauty-Thema. Es soll Spass machen und deswegen schreibe ich auch mit einem Augenzwinkern darüber», meldet sie ihrer Fan-Gemeinde.

Karrieren in allen Kultursparten

Auch in der Musiksparte haben sich einige Talente weiter entwickelt und sorgen mit ihrer kontinuierlichen Arbeit schweizweit, aber auch international für Aufsehen. So der 1987 in Solothurn geborene Schlagzeuger Gregor Lisser. 2011 wurde ihm ein Azeiger-Förderpreis zuerkannt. 2014 erhielt er einen kantonalen Förderpreis. Im «Alltag» als Schlagzeuglehrer tätig, beeindruckt der junge Jazz-Musiker aber auch mit seiner Formation «Pommelhorse», «eine der erfrischendsten Bands des aktuellen Schweizer Jazz», wie ein Kritiker schreibt.

Auch in der Sparte Klassische Musik wurden Entdeckungen gemacht und gefördert. So beispielsweise 2006 die Violinistin Noémie Rufer, die inzwischen beim Tonhalle-Orchester Zürich zum Ensemble gehört. 2008 war es ihre Violoncello spielende Schwester Seraphina Rufer. Sie ist mittlerweile Mitglied beim Musikkollegium Winterthur und spielt noch in anderen Formationen mit. Ein aussergewöhnlicher Musiker ist der Zuchwiler Sänger Jan Börner. Ihm wurde 2009 ein Azeiger-Förderpreis für seinen Altus-Gesang verliehen. Mit seiner Stimme begeistert er inzwischen vorwiegend die Freunde der Renaissance- und Barockmusik in ganz Europa.

In der Sparte Fotografie wurden ebenfalls immer wieder Talente entdeckt und gefördert. So zum Beispiel im Jahr 2011 die Grenchnerin Stefanie Daumüller – sie bekam 2014 einen Förderpreis für Fotografie des Kantons Solothurn – oder 2013 der Fotograf Roshan Adhihetty, der an der vergangenen Jahresausstellung im Kunstmuseum Solothurn mit seiner Bilderserie mit Nacktwanderern für Furore sorgte.

Dass man mit dem Förderpreis in der Tasche nicht «nur» in der Kunstwelt Erfolg haben kann, sondern dass er auch im harten Business-Alltag hilft, beweist der Erfolg des freischaffenden Art Directors und Grafikers Mattias Fürst aus Messen. Seine 2007 eingereichte Videoarbeit «Tisch/Destruktion» überzeugte die Jury und brachte Fürsts Karriere in Gang. Heute ist er erfolgreicher Unternehmer und gewinnt mit seinen Kampagnen für die wichtigsten Wirtschaftsunternehmen des Landes regelmässig Preise.