Gruppenwasserversorgung

Wohin führt der Weg in der Wasserversorgung im Unterer Leberberg?

Das Grundwasserpumpwerk Brunnen XI im Attisholz Süd. Im Hintergrund der Bau von Biogen

Das Grundwasserpumpwerk Brunnen XI im Attisholz Süd. Im Hintergrund der Bau von Biogen

2026 läuft die Konzession für das Grundwasserpumpwerk aus, doch die Mitgliedsgemeinden finden keinen gemeinsamen Nenner. Dabei werden drei verschiedene Lösungsvarianten diskutiert.

Wie soll sich der Zweckverband Gruppenwasserversorgung Unterer Leberberg, kurz Gwul genannt, in Zukunft organisieren und positionieren? Eine Frage, die deren Präsident Rainer Hug zurzeit noch nicht beantworten kann. Tatsache ist, dass die Gwul ein sehr heterogenes Konstrukt ist und sich zusätzlich auch noch über die Kantonsgrenze bis nach Attiswil erstreckt.

Ebenfalls Tatsache ist, dass das bestehende Grundwasserpumpwerk der Gwul, der Brunnen XI, auf dem Attisholz-Gelände in Luterbach, heute von allen Seiten von Industriezone umgeben ist, und ein grosser Teil der Grundwasserschutzzone in der Bauzone liegt. Die vielen Gewerbe- und Industriebauten sowie Infrastrukturanlagen wie Hauptabwasserleitungen, Kantonsstrasse, SBB-Linie, etc. im Nahbereich der Fassung gefährden zunehmend die Grundwasserqualität.

Da die Konzession für das Grundwasserpumpwerk 2026 ausläuft, müssen sich die Gwul und die Standortgemeinde Luterbach bereits heute die Fragen stellen, ob die Trinkwasserförderung im Brunnen XI überhaupt noch Sinn macht, obwohl das Trinkwasser heute einwandfrei ist, wie Hug versichert.

Andere Preise und Bedürfnisse

Die Gwul entstand in den 60-er-Jahren. Die damals noch existierende Cellulosefabrik Attisholz brauchte für ihren Betrieb sehr viel Wasser und nutzte eigene Grundwasserpumpwerke. Die Gemeinden rundherum versorgten sich damals teilweise aus eigenen Quellen und kamen an die Grenzen, auch was die Kapazität ihrer Reservoirs anging. So war es nur logisch, dass man voneinander profitierte und einen gemeinsamen Zweckverband gründete.

Die Struktur der Gwul hat sich seither kaum verändert. Das führt zu schwierigen Situationen. So sind nicht alle Mitglieder des Zweckverbandes gleich organisiert und die Eigentumsverhältnisse der Anlagen sind unterschiedlich. Auch hat jede Gemeinde einen eigenen Wasserpreis und andere Bedürfnisse.

Luterbach beispielsweise bezieht alles Wasser von Gwul und hat keine eigenen Primäranlagen. Primäranlagen sind Grund- und Quellwasserfassungen, die Stufenpumpwerke, die Reservoirs und die Haupttransportleitungen. Hubersdorf hingegen hat eine eigene Quelle und bezieht nur Wasser von Gwul, wenn die Quelle zu wenig schüttet. Zusätzlich muss Hubersdorf dann auch noch Transitentschädigung zahlen, weil das Wasser von Gwul durch die Anlagen der Gemeinde Riedholz geleitet werden.

Dies führt unter anderem auch zu einem ungerechten Kostenverteiler unter den Partnergemeinden. Der Zweckverband hat zudem nur wenig Kompetenzen. «Was uns auch fehlt, sind gesetzeskonforme Statuten», so Hug.

Drei Varianten

Die Gwul hat eine betriebswirtschaftliche Studie in Auftrag gegeben. «Wir wollten wissen, wie wir uns neu organisieren können.» Drei Varianten, die Sinn machen, bleiben Gwul offen.

  • Variante 1: Alle Partnergemeinden übertragen Gwul ihre Primäranlagen.
  • Variante 2: Übertragung aller Primäranlagen der Gwul und möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt auch der Verbandsgemeinden an die Wareso AG (Wasserversorgung Region Solothurn AG). Die Folge davon wäre, dass der Brunnen XI im Attisholz stillgelegt werden könnte.
  • Variante 3: Optimierung des heutigen Zustandes. Das heisst: Gleiche Eigentumsverhältnisse, jedoch neue Statuten und ein gerechter Kostenteiler.

Nicht nur im Kanton Solothurn gibt es laut Hug heute zu viele Anlagen in der Wasserversorgung. Viele, vor allem Wasserreservoirs seien zudem veraltet und müssten saniert werden. Etliche Grundwasserpumpwerke, wie der Brunnen XI, stehen heute im Siedlungsgebiet. «Ich bin der Überzeugung, dass Zusammenschlüsse hier Sinn machen. Weniger ist mehr, vor allem auch, was die Qualität angeht.» Zusätzlich würden auch die Kosten für die Wasserbezüger sinken, wenn unnötige Anlagen stillgelegt werden könnten. Eine Reorganisation brauche Zeit. «Eine Studie alleine überzeugt noch nicht.»

Auf Wareso zugehen

Der Vorstand der Gwul hat die Varianten bei den Mitgliedsgemeinden vorgestellt und diese um ihre Meinung gebeten. Diese sind aber unterschiedlich. Es lässt sich kein gemeinsamer Nenner finden. Im Januar will man aktiv auf die Wareso zugehen und über einen allfälligen Beitritt diskutieren. «Die Wareso weiss von unserer Studie und den Varianten. Bevor wir nicht mit unseren Mitgliedsgemeinden gesprochen haben, wollten wir aber keine konkreten Verhandlungen aufnehmen», so Hug.

Die Wareso besteht aus der Regio Energie Solothurn und Zuchwil. Sie bezieht das Wasser hauptsächlich aus dem Grundwasserpumpwerk Dörnischlag in Luterbach. Die Kapazitäten des Pumpwerkes sind gross genug, um weitere Gemeinden mit zu versorgen. Die Fassung liegt im Wald und ihre Schutzzonen sind mehr als genügend. Gwul und Wareso sind bereits heute mit einer Leitung verbunden, die als Notversorgung dient. «Bei einem Anschluss an die Wareso müssten keine neuen Verbindungsleitungen realisiert werden.»

Sanierungsbedarf bekannt

Balm und Hubersdorf müssen in naher Zukunft ein neues Reservoir bauen. Auch in Riedholz ist die generelle Wasserversorgungsplanung in Arbeit und in der oberen Zone sei ein neues Reservoir nötig. Gwul selbst möchte ebenfalls eines der beiden Reservoire aufgeben und das andere umfassend sanieren. «Wenn es nicht zu einem Zusammenschluss mit der Wareso kommt, möchten wir wenigstens innerhalb von Gwul eine Neuorganisation umsetzen», so Hug. Konkret möchte die Gwul dann alle Primäranlagen übernehmen. Nur so, meint Hug, sei es möglich, dass künftig alle Zweckverbandsgemeinden dieselben Bedingungen haben.

Meistgesehen

Artboard 1