Subingen

Wo sich der Biber und Bauer ähneln

«Wenn ein Biber einen Baum fällt, meinen wir, wir müssen ihn wegräumen», sagt Biologe David Gerke. Dabei hätten die Baumstämme durchaus ihren Zweck.

«Wenn ein Biber einen Baum fällt, meinen wir, wir müssen ihn wegräumen», sagt Biologe David Gerke. Dabei hätten die Baumstämme durchaus ihren Zweck.

Biologe David Gerke führte rund 50 Interessierte durch das Biberrevier bei der Schule in Subingen. Dass ihr Bau regelmässig abgebaut wird, beeindruckt die Tiere nicht.

Das Schulzentrum in Subingen zog vor einigen Jahren die Aufmerksamkeit auf sich, als es zum Streit mit den neuen Nachbarn kam: einem Biberpärchen. Deren Damm staute regelmässig das Abwasser zurück in den Keller des Schulhauses. Das wiederholte Entfernen des Dammes hatte die Nager aber nicht beeindruckt, noch heute wohnen sie in Subingen.

Interessierte erkundeten das Revier am Dienstagabend mit Biologe David Gerke im Rahmen einer von Pro Natura Solothurn organisierten Biberexkursion.

Tierischer Landschaftsarchitekt

Weshalb die Nager sich rund um die Schule wohlfühlen, wird dank dem Experten schnell klar: «Wir sind hier von Wasser eingeschlossen», ideale Bedingungen also. Der grösste Nager der Schweiz – Biber wiegen im Schnitt 25 Kilogramm – seien allerdings sehr anpassungsfähig und richtige Landschaftsarchitekten: «Was nicht passt, wird passend gemacht.» Diese Eigenständigkeit führe immer mal wieder zu Konflikten mit uns ordnungsliebenden Menschen, obwohl das rege Treiben uns eigentlich entgegenkomme. «Wenn ein Biber einen Baum fällt, meinen wir, wir müssen ihn wegräumen», erklärt Gerke.

Liegengebliebene Baumstämme erfüllen aber verschiedene Zwecke: So fungiert Totholz als Lebensraum für Algen und Insekten. Im Fliessgewässer sorgen Baumstämme dafür, dass das Wasser an mancher Stelle langsamer abfliesst. So entstehen neue Lebensräume, in denen sich unter anderem andere Fischarten ansiedeln. Dasselbe geschehe, wenn Biber Dämme bauen.

Biber und Bauer: «Sturi Gringe»

Der Konflikt mit den Bibern in Subingen daure wohl noch lange an, vermutet Gerke. Denn wo es dem Biber gefällt, da bleibt er. Sein Wesen sei nämlich dem des Landwirts ähnlich: «Beide sind selbstständig, gestalten ihren Lebensraum und haben einen ‹sturen Gring›.» Mit ein Grund weshalb viele Bauern nach anfänglicher Abneigung eine gewisse Sympathie für die Vierbeiner entwickelten, die immerhin regelmässig Mais stehlen und Feldwege untertunneln.

Dass Mais und Zuckerrüben zeitweise die Hauptnahrung für Biber in Feldnähe sind, überrascht nicht weiter, denn auch ernährungstechnisch sind die Tiere anpassungsfähig: «Biber fressen mehrere hundert Pflanzenarten. Wenn wir Sträucher und Bäume entfernen und stattdessen Mais anpflanzen, bedienen sie sich halt dort.» Ein Schaden ab 200 Franken werde den Landwirten vollumfänglich erstattet, allerdings werde diese Grenze selten erreicht.

Auf untertunnelten Feldwegen, die von Fussgängern und Velofahren frequentiert sind, sind hingegen immer häufiger Warnschilder zu sehen. Denn Schäden an Wegen werden nicht entschädigt, Landwirte aber sind unterhaltspflichtig. Geschieht ein Unfall, bleibt also die Rechtsfrage. Er selbst sei auch schon mit dem Velo eingebrochen, habe seine unfreiwillige Landung aber mit Humor genommen. Dass Biber in Erdhöhlen wohnen, sei im Übrigen nicht ungewöhnlich. Die berühmten Burgen baue der pummelige Vegetarier vor allem dann, wenn er nicht am Ufer graben kann.

«Und wie erging es den Bibern während des letzten Hochwassers?», lautete eine der vielen Fragen aus dem Publikum. «Für erwachsene Biber ist Hochwasser kein Problem, für junge hingegen lebensgefährlich.» Am Bibernbach sei ein Damm durch das letzte Hochwasser vollständig zerstört worden. «Der entsprechende Biber hat die Nacht dann einfach am Ufer verbracht und gewartet.» Denn einen Damm neu zu bauen, dauere in der Regel nur eine Nacht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1