Ortsplanungs-Revision

Wo ist in Bellach Platz für die erwarteten 700 Zuzüger?

Jürg Vifian, Bauverwalter von Bellach, vor dem eingezonten Mühlacker.

Der Regierungsrat hat die Revision der Ortsplanung genehmigt. Gleichzeitig hat er die Behörden von Bellach dazu aufgefordert, auf die Qualität der Siedlungsentwicklung zu achten.

Bellach hat es nicht einfach mit seiner Revision der Ortsplanung. Von oben betrachtet ist das Dorf Agglomerationsgebiet in Solothurns Westen, quasi die Fortsetzung der Stadt. Wären da nicht die Gemeindegrenzen. Diese Nähe zu Solothurn hat insbesondere in Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung Auswirkungen. Die Theorie hinkt schnell mal der Realität hinter her.

So hat die Wirklichkeit mit heute 5300 Einwohnern die kantonalen Schätzungen von 5400 Einwohnern bis ins Jahr 2035 bald schon Makulatur werden lassen. Für die aktuelle Revision ist man von 6000 Einwohnern bis 2035 als Basis für die Berechnung des Bauzonenbedarfs ausgegangen, ohne die Bevölkerungszunahme im Gebiet Bellach Ost mitzuberücksichtigen. Diese Spezialzone (kantonales Entwicklungsgebiet) ist bereits eingezont, was in aller Eile noch einen Tag vor dem Inkrafttreten des Raumplanungsgesetzes vom Regierungsrat genehmigt wurde.

Einzonungen

Zwar werden drei nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Bauten als Spezialfälle ohne Kompensationspflicht der Bauzone zugewiesen. Und im Gebiet Mühlacker erfolgt gar eine Neueinzonung in der Grössenordnung von 7000 Quadratmetern. Dort existiert bereits ein Projekt mit vier Ein- und drei Mehrfamilienhäusern. Das ergibt 27 Wohneinheiten und Platz für zirka 70 Personen. Aber wie kann Bellach das vorgesehene Wachstum um 700 Personen bis 2035 «schlucken»? Laut Bauverwalter Jürg Vifian mit verdichtetem Bauen.

Die von der Gemeinde vorgesehenen Massnahmen werden vom Regierungsrat bei der kürzlich erfolgten Genehmigung der neuen Ortspläne gutgeheissen. So erfolgen an geeigneten und gut mit dem öffentlichen Verkehr erschlossenen Lagen wie entlang der Zentrumsachsen Aufzonungen oder andere planerische Massnahmen, die eine Nachverdichtung ermöglichen. Auch das Zonenreglement wurde diesbezüglich überarbeitet und lässt eine höhere Ausnützung der Grundstücke zu als bis anhin. Eine verträgliche Nachverdichtung sowie eine dichte, qualitativ hochwertige Bebauung der noch unbebauten Flächen werden für Bellach die zentralen Aufgaben der nächsten 10 bis 15 Jahre darstellen.

Doch der Regierungsrat warnt: «Die Entwicklung sollte im Interesse der Gemeinde nicht zufällig geschehen; es drängt sich insbesondere an strategisch wichtigen Lagen eine aktive Steuerung und Begleitung durch die Gemeinde auf. Dabei sind die Fragen der Siedlungsqualität von entscheidender Bedeutung.» Dazu sagt Jürg Vifian: «Der Hauptauftrag, den wir mit dem Regierungsratsbeschluss erhalten, ist die Verdichtung.» Es gelte das Verdichtungspotenzial zu erschliessen. Er gehe davon aus, dass bis zur nächsten Ortsplanungsrevision, die innerhalb von 10 bis 15 Jahren fällig wird, etwa ein Drittel des Verdichtungspotenzials auch umgesetzt wird. «Das ist schon ein hohes Ziel.»

Qualität muss bleiben

Das sei aber zugleich auch die Herausforderung, der sich die Gemeinde stellen muss. «Wir wollen nicht um jeden Preis verdichten.» Die vom Kanton geforderte qualitative Aussage zur Verdichtung, die in der Revision fehlt, muss noch erfolgen. «Die Wohn- und Lebensqualität darf nicht leiden.» Ein Mittel sei das Gestaltungsplanverfahren, das meist mit einem Bonus verbunden ist. «Das ist nun in den Zonenvorschriften für weite Gebiete in Bellach vorgesehen.» Auch beim neu eingezonten Mühleacker muss ein Gestaltungsplanverfahren durchgeführt werden. «Die Investoren haben eine Auflage, dass mindestens eine Wohneinheit pro 500 Quadratmeter Fläche zu realisieren ist.» So sollte keine Einfamilienhaussiedlung entstehen.

Nicht vorgeschrieben, aber möglich ist ein Gestaltungsplanverfahren in der Zone W2, der grössten in Bellach. Hier könnte sich mit dem dichteren Wohnen innerhalb der Bauzone am meisten verändern. Anstelle eines Ein- oder Zweifamilienhauses kann künftig ein kleiner Block mit Attika hingestellt werden. «Es dürfte in diese Richtung gehen», so Vifian. Der Bauverwalter will nun gemeinsam mit dem Ortsplaner erörtern, wie die Vorgabe des Regierungsrats umgesetzt werden kann. «Und auch in der Baukommission müssen wir uns überlegen, wie wir damit umgehen müssen.»

Ein noch grösseres Augenmerk als auf die «Einfamilienhauszone» will Vifian auf die neue Zentrumszone werfen entlang der Hauptachsen. «Hier müssen wir städtebaulich das urbane Bellach betonen.» Unberührt bleibt die Dorfmatte mitten in Bellach. Hier soll weiter Landwirtschaft betrieben werden. «Aber klar, diese Matte ist bei jeder Ortsplanungsrevision ein Thema. Obwohl, wie ich gemerkt habe, die Bellacher an ihrer Matte hängen.»

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