Horriwil
Wirtsleute und Gäste mögen es so richtig «wild»

Am 8. Oktober 1991 haben Ursula und Markus Schmutz das Restaurant Sonne in Horriwil eröffnet.

Rahel Meier
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Ursula und Markus Schmutz vor dem frisch renovierten Haus und der Sonne, ihrem Erkennungszeichen.

Ursula und Markus Schmutz vor dem frisch renovierten Haus und der Sonne, ihrem Erkennungszeichen.

Rahel Meier

Morgen Samstag sind es genau 25 Jahre, seit Ursula und Markus Schmutz das Restaurant Sonne in Horriwil eröffnet haben. Markus Schmutz ist gelernter Koch. Gemeinsam mit Ehefrau Ursula (gelernte Servicefachangestellte) war er, nach der Absolvierung der Hotelfachschule «Belvoirpark» in Zürich, dreieinhalb Jahre lang in Kreuzlingen angestellt. «Irgendwann dachten wir uns, was wir hier als Angestellte machen, das können wir auch in unserem eigenen Restaurant.»

So kamen die beiden ins Wasseramt. Dass sie ausgerechnet in der «Sonne» in Horriwil landeten, hat mit der Wirtewohnung im oberen Stock zu tun. In den meisten Restaurants sei es üblich, dass die Gaststube auch das Wohnzimmer der Wirtefamilie ist. Nicht so in Horriwil. «Das hat uns sofort gefallen. Wir haben eine komplette Wohnung und geniessen unseren freien Tag ausserhalb des Restaurants.»

Rahel Meier

Vom Pächter zum Besitzer

«Die ersten drei Jahre war es hart. Wir haben keine Ferien gemacht und durchgearbeitet», erinnert sich Markus Schmutz zurück. Die «Sonne» hatte in den zehn Jahren vorher acht verschiedene Pächter und war zwei Jahre zu. Zudem gab es diverse Besitzerwechsel. Die Vereine unterstützten das einzige Restaurant im Dorf sofort. Aber alleine davon konnten Schmutzes nicht leben. In den Jahren 1993 und 1994 kamen dann ihre beiden Kinder zur Welt, und so mussten vier Personen ernährt werden.

1996 ging der damalige Besitzer der «Sonne» konkurs und Ursula und Markus Schmutz konnten die Liegenschaft ersteigern. Schon bald haben sie damit angefangen, das Haus umzubauen. Beinahe als Erstes wurde das heutige Erkennungszeichen, die grosse Sonne auf der Südseite des Hauses, hingestellt. Zudem wurde der Eingangsbereich erneuert und die Terrasse kam dazu. Im Erdgeschoss wurden die Räumlichkeiten der ehemaligen Metzgerei zu einer Zweizimmer-Wohnung. Im Lauf der Jahre kamen zudem fünf Hotelzimmer dazu.

Wildsaison ist Hauptsaison

Die «Sonne» ist bekannt für ihre Wild-Karte. Die Saison beginnt am Bettag und dauert bis Weihnachten. In dieser Zeit arbeiten neun Leute im Betrieb mit – normalerweise sind es drei Personen und langjährige Serviceaushilfen, die je nach Reservationen gerne im Einsatz sind.

«Wir machen jetzt zum 26. Mal Wild», so Markus Schmutz. Im ersten Jahr habe man etwas über 300 Essen serviert. «Letztes Jahr waren es 2500 Essen.» Auf der Wild-Karte stehen Reh, Hirsch, Hase, Wildsau, Gämse und Renntier. Einige Klassiker gibt es immer. «Das Rehrückenfilet mit Horriwiler Waldhonig ist eines der meist servierten Gerichte.» Daneben würden vor allem die Saucen variert.

So dürfen die Gäste heuer auf Rosé gebratene Rehfleischwürfeli an feiner Rahmsauce mit Lebkuchenwürfeli, Rehgeschnetzeltes mit Schokoladen-Cranberriesauce oder Wildhasenrückenfilet mit Hagebuttensauce gespannt sein. Jedes Jahr wechseln auch die Weinempfehlungen. «Vor der Saison kommen die Weinhändler bei uns vorbei und zeigen uns ihre Weine. Dann degustieren wir und suchen aus, was am besten zu unseren Speisen passt.»

Spargel als kreative Beilage

Im Frühling bieten Ursula und Markus Schmutz nach wie vor Spargeln an. «Früher waren Spargeln ein exklusives Essen. Heute bekommt man sie auch im Supermarkt, und schwierig zuzubereiten sind sie auch nicht. Wir servieren die Spargeln darum vor allem als kreative Beilage zu einem feinen Fisch oder einem feinen Stück Fleisch.»

Ergänzt wird die Speisekarte mit diversen anderen Spezialitätenwochen. So waren die beiden Wirtsleute im Sommer in Mallorca, von wo sie diverse mallorquinische Ideen mitbrachten, die dann in der «Sonne» gekocht wurden. Nach den Ferien in Graubünden waren es Bündner Spezialitäten.

Ursula und Markus Schmutz haben eine treue Stammkundschaft. «Ohne diese würde es schwierig», so Ursula Schmutz dankbar. Horriwil liegt nicht an einer Durchgangsstrasse, Laufkundschaft kommt eher zufällig ins Restaurant. Auch am Mittag wisse man nie genau, wie viele Essen man verkaufe.

In den Sommerferien haben sich Schmutzes erstmals eine längere Pause gegönnt. Gleichzeitig wurde die Sonne aussen komplett saniert und erstrahlt nun wieder in neuem Glanz. Die Räumlichkeiten innen wurden in all den Jahren nur wenig verändert. Die Aufteilung mit Gaststube und Speisesaal sei optimal und brauche keine Veränderung. «Wir haben mal frisch gestrichen und wechseln immer mal wieder die Tischwäsche oder erneuern das Mobiliar.» Pünktlich zum Jubiläum wurde auch die Homepage erneuert. «Jetzt ist es möglich, einen Tisch online zu reservieren. Das wird bereits sehr gut genutzt.»

Auch nach 25 Jahren scheinen Ursula und Markus Schmutz nicht müde und freuen sich immer wieder darauf ihre Gäste zu verwöhnen. Gut möglich, dass die nächste Generation irgendwann das Restaurant übernehmen wird. Tochter Corinne ist gelernter Koch und hilft jeweils während der Wildsaison in der Küche mit. Und Sohn Dominik ist nach einer Lehre im kaufmännischen Bereich nun auch in der Gastronomie tätig.