Dass ihr das Aufhören nicht leicht fällt, ist unschwer zu erkennen. Die Kundschaft ist ihr ans Herz gewachsen. 

Seit fünf Jahren führt Fränzi Burri das Restaurant «Rössli» in Oekingen. Sie ist eine Wirtin mit Herzblut. Nun naht Mitte Juni aus gesundheitlichen Gründen die Aufgabe der Dorfwirtschaft. «Ich bin gerne hier, habe eine gute Kundschaft und auch die Gemeinde steht hinter mir», unterstreicht sie. Saisonal, regional und preiswert ist ihr Angebot in der einladenden Dorfwirtschaft, immer auch passend dekoriert. Sie liess die Heubühne ausbauen und belebte ihr Restaurant mit den verschiedensten Konzerten «uf em Heubode». Im stattlichen Riegelbau mit der Berner Ründe stehen zudem fünf Gästezimmer mit Aufenthaltsraum zur Verfügung.

Der letzte Besitzer galt als Original

Das «Rössli» hat eine nicht ganz alltägliche Geschichte, die von Walter Ischi im Buch «500 Jahre Kirche Seeberg» aus dem Jahr 2016 festgehalten ist. Der letzte Besitzer, Hans Mühlemann, galt als Original und sorgte für viel Gesprächsstoff. So hängte er kurzerhand das Schild «Heute geschlossen» an die Tür, wenn drei Jasser bei ihm einkehrten und er ungestört mitspielen wollte. Oder er bot einem Gast an einem kalten Wintertag, anstelle von etwas Warmem, einen Schnaps an.

Hans Mühlemanns Vater – aus Grasswil stammend – kaufte in den 1960er-Jahren die «Wirtschaft an der unteren Ösch», wie sie damals noch hiess. Als aber sein Sohn Kavallerist wurde, taufte er sie kurzerhand auf den heutigen Namen «Rössli» um. Schon zu Lebzeiten äusserte Hans Mühlemann den Wunsch, unter dem Platanenbaum auf dem Friedhof von Seeberg begraben zu werden – am Schatten, wo er keinen Durst mehr leiden müsse. Dass er dann in seinem Testament die reformierte Kirchgemeinde Seeberg als Alleinerbin einsetzte, war dann doch einzigartig.

Die ungewöhnliche Erbschaft

Die Kirchgemeinde prüfte und beriet die ungewöhnliche Erbschaft und entschloss sich schliesslich für deren Annahme im Jahr 1975. Die Auflagen der testamentarischen Verfügung hörten sich nicht unbedingt einfach an. Als erstes musste die Wirtschaft grosszügig umgebaut werden. Ferner war festgehalten, dass die Gastwirtschaft und das umliegende Grundstück während dreissig Jahren nicht verkauft werden dürften, und ein allfälliger Verkaufsgewinn vom übrigen Landbesitz für eine neue Orgel und neue Glocken in der Kirche Seeberg verwendet werden müsse. Im Testament stand: «Man soll sagen, die Glocken von Mühlemann Hans läuten den Sonntag ein.» Zudem habe ein Berner Ehepaar den Betrieb zu führen.

Christian Zurflüh, Präsident der reformierten Kirchgemeinde Seeberg, informiert, dass ein Berner Ehepaar als Mieter nicht mehr zwingend ist. «Gerne möchten wir, dass der Landgasthof für die Dorfbevölkerung in gleichem Rahmen weitergeführt wird», ergänzt er. Auch Fränzi Burri hofft, dass sich jemand Passendes findet. Das Holzpferd – ein Geschenk eines Freundes zu ihrer einstigen Eröffnung –, welches an der Hauptstrasse steht, wird sie vermutlich in ihr neues Zuhause mitnehmen. Dekorationen und weiteres Material bietet sie schon jetzt zum Verkauf an.