Aeschi
«Wir wollen Notfälle abdecken»: Rentner helfen in der Gemeinde

Rentner in Aeschi engagieren sich im Projekt «Rentner helfen» und setzen sich für die Bevölkerung ein.

Gundi Klemm
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Die Kerngruppe des Projektes «Rentner helfen» (von links): Andreas Blaser, Jürg Misteli und Bruno Stampfli.

Die Kerngruppe des Projektes «Rentner helfen» (von links): Andreas Blaser, Jürg Misteli und Bruno Stampfli.

Gundi Klemm

In Landgemeinden achtet man traditionell etwas mehr aufeinander, als das in bevölkerungsreichen Gemeinden und Agglomerationen üblich ist. Gerade jetzt in der Coronazeit bewährt sich dieses nachbarschaftliche «um Einander kümmern».

Aeschi ist in den letzten Jahren einwohnermässig moderat gewachsen. Aber inzwischen gibt es auch Mitbürgerinnen und Mitbürger, die nicht mehr selbstverständlich auf die Hilfe von Angehörigen zählen können, weil diese etwa entfernt wohnen. Das brachte die drei Rentner Andreas Blaser, Jürg Misteli und Bruno Stampfli – sie sind seit der Schulzeit befreundet – auf die Idee, mit dem Projekt «Rentner helfen», wenn Not am Mann ist, eine überbrückende Hilfeleistung anzubieten.

Kein dauerhaftes Engagement

Die Gründungsgruppe neigt nicht zu grossen Worten, sondern unterstreicht ihre Beweggründe: «Wir haben jetzt Zeit, die wir gerne für die Allgemeinheit einsetzen würden, wenn’s jemandem dient». Vorgenommen haben sie sich, dass sie in Notsituationen unterstützend einspringen wollen. Das könnte beispielsweise das Rasenmähen, die Betreuung von Haustieren, das Schneeräumen, Hilfe im administrativen Bereich und im Umgang mit Behörden wie auch Einkäufe betreffen.

Erwähnt werden auch der Unterhalt von Erholungseinrichtungen und die Mithilfe bei Anlässen. Wichtig zu wissen ist, dass aus dem Angebot kein dauerhaftes Engagement entstehen soll wie etwa permanente Gartenpflege oder regelmässige Begleitung zu Ärzten für einzelne Personen. «Es soll für uns überblickbar bleiben, indem wir Notfälle abdecken», haben die Projektinitianten vereinbart.

Das soziale Netz im Dorf stärken

Vor allem aber soll kein bereits bestehender Dienst wie etwa der Rot-Kreuz-Fahrdienst, Gärtnerei-Unternehmen oder die Spitex konkurrenziert werden. Über die Intensität der Einsätze entscheidet jeder am Projekt Beteiligte selbst. Und natürlich hoffen die drei Gründer, dass sich noch mehr Personen im Ruhestand für dieses Gemeinschaftsprojekt begeistern und mitmachen. «Denn auf diese Weise wächst unser soziales Netz im Dorf», sind sie überzeugt.

Und schliesslich bereichere Kontakt und Begegnung mit unterschiedlichsten Einwohnern auch das eigene Leben, so Blaser, Misteli und Stampfli, die in ihrer zurückliegenden beruflichen Tätigkeit ein weites Spektrum abdeckten. Ausdrücklich möchten sie ihr Projekt nur auf das Gebiet der Einwohnergemeinde Aeschi beschränkt wissen.

Die Gemeinde ist mit dabei und unterstützt das Projekt

Der Gemeinderat von Aeschi hat das Vorhaben der aktiven Gruppe sehr begrüsst und bietet die Gemeindeverwaltung als Vermittler an. Wer in Aeschi also kurzfristige Hilfe braucht, der telefoniert während der Schalteröffnungszeiten mit der Verwaltung der Einwohnergemeinde (062 955 70 80).

Von hier aus geht die Information per Whatsapp-Gruppenchat an die Rentner. Wer von ihnen den Einsatz übernimmt, bestätigt dies der Verwaltung und nimmt mit dem oder der Hilfesuchenden direkt Verbindung auf. Sollte für die Gruppe «Rentner helfen» kein Einsatz möglich sein, meldet sich die Verwaltung mit abschlägigem Bescheid beim Fragesteller.

Aufgaben werden ehrenamtlich ausgeführt

Alle, die in der Gruppe «Rentner helfen» mitmachen, übernehmen ihre Aufgaben ehrenamtlich. Freiwillige finanzielle Zuwendungen wie Trinkgelder werden aber nicht abgelehnt, denn sie sollen an wohltätige Institutionen in der hiesigen Region fliessen, hat die Gruppe beschlossen.

Welche Organisation berücksichtigt wird, entscheiden die Rentner selbst. Damit und mit ihren Einsätzen tun sie tatsächlich im doppelten Sinn etwas Gutes.