Droht am Himmel Hagel, wird Landwirt Walter Ledermann unruhig. Er beobachtet den Himmel und weiss inzwischen ziemlich genau, welcher Wolkentyp Hagel auslösen könnte. «Wenn die Wolke dunkel ist und wie eine Walze daherkommt», erklärt er.

Dann holt er eine sauber verpackte Hagelabwehrrakete aus dem Lager auf dem Hof. Mindestens 50 Meter entfernt vom nächsten Gebäude rammt er den Ständer in die Erde. Strikt senkrecht in den Himmel soll die Rakete steigen, je nach Modell bis 1500 Meter in die Höhe und dort Silberjodid verteilen. Schräg hochschiessen, wäre zu gefährlich. Gezündet wird elektrisch mit einem Draht aus einigen Metern Abstand.

«Manchmal ist man zu spät, etwa abends wenn man im Stall ist.» 2015 habe es gehagelt. Das Gewitter kam abends zirka um 20.30 Uhr hinter dem Stöckli von Horriwil her. «Als ich es bemerkte, hagelte es schon.»

Erste negative Bescheide

Es sind immer weniger Gemeinden, die die Beiträge zahlen und Hagelabwehr betreiben, wurde an der Vorstandssitzung des Verbandes festgestellt und protokolliert. Im Solothurnischen sind es noch fünf. Das Gebiet weise Lücken auf. Auf einen möglichen Hagelzug kann nicht mehr flächendeckend reagiert werden. Man überlege sich die Auflösung des Verbandes und führe zu diesem Zweck eine Vernehmlassung in den angeschlossenen Gemeinden durch, erklärt Teilverbandspräsident Werner Ingold aus Langenthal.

In der Deutschschweiz existieren noch zwei andere Teilverbände, der starke Ostschweizer Verband mit zirka 50 Mitgliedsgemeinden und der Verband Mittelland Emmental mit 13 Gemeinden. Dieser wird Ende 2016 aufgelöst.

Subingen hat nun an der letzten Gemeinderatssitzung einer Auflösung des Verbandes zugestimmt, Rüttenen ebenfalls. Ausstehend sind die Entscheide in Aeschi, Bellach und Etziken. Ursprünglich waren es über 40 Gemeinden, die sich mit Beiträgen und Hagelabwehrposten beteiligten.

Heute sind es noch 16 bezahlende Gemeinden. Die Beiträge der Gemeinde berechnen sich nach Fläche und Bevölkerungszahl. So kamen früher etwa 10 000 Franken und heute noch etwa 7500 Franken zusammen, mit denen die Administration und die Ausbildung der Schützen bezahlt wird. «Die Raketen werden von den jeweiligen Gemeinden, wo sie abgeschossen werden, zusätzlich bezahlt», erklärt Ingold.

Bund verschärfte Bestimmungen

Seit 1933 führt die Familie Ledermann den Hof in Subingen. Gekommen ist die Familie aus dem Emmental. Walter Ledermann (1948) wurde vor 20 Jahren Hagelabwehrobmann. Seine Prüfung als Hagelabwehrraketenschütze absolvierte er vor 30 Jahren. Sohn Manfred, der den Hof – Kühe und Ackerbau – führt, ist ebenfalls Hagelabwehr kundig. Als Landwirt eignet sich Ledermann bestens für die Hagelabwehr.

Er arbeitet draussen und ist meistens vor Ort. «Mit den jungen Landwirten ist das nicht mehr so einfach», sagt Verbandspräsident Ingold. «Die Jungen arbeiten oft teilweise. Deshalb haben wir neben der ungenügenden Abdeckung auch ein Nachwuchsproblem.» Zudem erhöhte der Bund den zu betreibenden Aufwand.

Vor jedem Abschuss muss die Flugsicherung Skyguide informiert werden. «Das verleidet den Alten. Ebenso die Buchführung über die Abschüsse und die ergänzende Schulung. Alle fünf Jahre muss aufgefrischt werden», sagt Werner Ingold.

Walter Ledermann bestätigt. Insbesondere das Telefon nach Dübendorf an die Flugsicherung Skyguide lockt ihm nur ein müdes Lächeln hervor. Bis er telefoniert habe und ihm ein Zeitfenster zugeteilt worden ist, in dem der Luftraum leer sei, und er dann endlich schiessen könne, sei es möglicherweise schon längst zu spät.

«Wir müssen schiessen, bevor es hagelt», erklärt Ledermann. Dabei werden die Wolken mit Silberjodid geimpft. Eine Absprache unter den Hagelabwehrposten gebe es nicht. «Jeder entscheidet selber. In Subingen haben wir drei, die schiessen. Ich schiesse wahrscheinlich am meisten», er lacht. Aber in diesem Jahr musste er nie schiessen. Im letzten Jahr zündete er auch nur eine Rakete. Wert zirka 120 Franken.