Lüsslingen-Nennigkofen

«Wir haben noch Strom und der wird uns auch nicht abgestellt»

Noch hat der Dorfteil Lüsslingen Strom.

Der AEK Energie AG laufen die Partnergemeinden davon. Nun werden die Gerichte angerufen.

Die AEK Energie AG hat eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingereicht und sie hat angekündigt, dass sie mit zwei Beschwerden an das Bundesgericht gelangen will. Der Gemeinderat Lüsslingen-Nennigkofen nahm diese Mitteilung in seiner letzten Sitzung relativ gelassen auf. «Wir haben noch Strom und der wird uns auch nicht abgestellt», meinte Gemeindepräsident Herbert Schluep mit leiser Ironie. Die Gemeinde fechte stellvertretend für mehrere Gemeinden einen Kampf aus, der viel «Zeit und Geld» koste. Da der Gemeinderat die Begründung der AEK nicht kennt, weil diese noch nicht im Detail zugestellt wurde, äusserte er sich nicht weiter und wartet ab.

Auch bei der AEK Energie AG war nicht viel mehr zu erfahren. Die AEK-Kommunikationsfachfrau Susanne Rufer liess auf Anfrage nur verlauten: «Aus unserer Sicht ist der Entscheid des Regierungsrates nicht korrekt. Daher haben wir uns entschieden, unsere verfügbaren Rechtsmittel zu nutzen. Aufgrund des laufenden Verfahrens erteilen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte.»

Es geht um mehr, als nur die Pacht

Für die AEK Energie AG geht es um mehr, als nur den Pachtvertrag für das Stromnetz des Dorfteils Lüsslingen. Viele Jahre war die AEK freundschaftlich mit den Partnergemeinden Gerlafingen, Kriegstetten, Langendorf, Lommiswil, Lüsslingen (ohne Ortsteil Nennigkofen), Luterbach, Subingen, Zuchwil und Lüterkofen-Ichertswil verbunden. Diese Freundschaft bekam nach der Übernahme der AEK Energie AG durch die BKW und die Erhöhung der Strompreise erste Risse. Die Partnergemeinden sind Besitzer ihrer Stromnetze und verpachten dieses an einen Strom-Anbieter. Alle fünf Jahre muss der Vertrag erneuert werden. Lüsslingen-Nennigkofen war die erste Gemeinde, die diesen Pachtvertrag aufkündigte und die Pacht im letzten Sommer an einen anderen Anbieter vergeben hat. Postwendend reichte die AEK Energie AG Beschwerde beim Regierungsrat ein. Die Begründung: «Man habe Informationen, dass das Verfahren nicht korrekt abgelaufen sei.» Seither wird vor allen möglichen Instanzen gestritten. Die Juristen sind sich nicht einig, welche Instanz für die Beschwerde zuständig ist und ob es sich um eine Frage des Submissionsrechtes handelt oder nicht. Dies dürfte auch der Grund sein, wieso die AEK Energie AG vor Bundesgericht ziehen will. Der Konzern möchte dort wohl einen Grundsatzentscheid erstreiten.

Sicher ist eines: Die Gemeinden Subingen, Zuchwil und Langendorf haben den Pachtvertrag mit der AEK Energie AG in der Zwischenzeit auch aufgekündigt. Sie alle haben aber noch nicht entschieden, wem sie das Netz künftig verpachten wollen.

Meistgesehen

Artboard 1