«Wir dürfen unsere Verwaltung mit ihrem freundlichen Gesicht nach innen und aussen als Motor in unserer Gemeinde nicht vernachlässigen», führte Gemeindepräsident Kuno Tschumi ins Thema «definitive Verankerung von bisher provisorischen Stellen» ein. Es handelt sich in den Bereichen Bau und Planung, Administration und Bildung um eine Erhöhung um 370 Stellenprozente auf insgesamt 2375 Prozente.

Schon im Verlauf der letzten Jahre, als Derendingen auf jetzt 6500 Einwohner wuchs, wurden diese auch extern überprüften Stellen geschaffen, damit die Belastung der Angestellten mit den laufend sich erweiternden Aufgaben nicht zu hoch würde. Die Bestätigung jetzt führe daher nicht zu einer Erhöhung der budgetierten Personalkosten, weil alle in ihren Arbeitsfeldern längst tätig sind.

«An dieser qualitativen Entwicklung, die Derendingen durchläuft, haben wir alle auf politischer und verwaltungstechnischer Ebene aktiv mitgearbeitet», zählte der Gemeindepräsident die vielen Vorteile des Wohnorts Derendingen auf – ausgestattet mit guter Lage in Landschaft, Verkehrsanbindung und allem, was man fürs Leben brauche. «Es ist attraktiv, bei uns zu wohnen.» Eine Neubauwelle habe die «Pioniergemeinde für verdichtetes Bauen» ebenso erfasst wie Infrastrukturanpassungen und die Vollendung des grossen öffentlichen Projekts «Derendingen–Mitte». Bezüglich Wohnbau, der laut Kuno Tschumi nur einen minimalen Leerbestand aufweist, hob er die Beteiligung privater Bauherren und nicht wie andernorts vorrangig institutioneller Anleger hervor.

Wachstum nach Mass?

Im Einzelnen begründete er die 40-prozentige Stellenaufstockung in der Administration mit der gesetzlich vorgeschriebenen Integrationsbeauftragten, die teilzeitlich auch für 5 weitere Gemeinden im Wasseramt tätig ist. Ein neues Schulleitungsmodell macht es nötig, dass neben dem Gesamtschulleiter in den beiden Schulhäusern Mitteldorf und Steinmatt je eine Standortleitung mit 70 statt bisher 50 Prozent Arbeitszeit im Einsatz ist.

Stimmbürger Bruno Trottmann hinterfragte in seinem Votum den «Bauboom» und den Zuzug im Dorf, der immer mehr zu Sachzwängen führe. Der Gemeindepräsident sah indes das praktizierte «Wachstum nach Mass» auch als grosses Plus für Steuereinnahmen.

Weniger aus Finanzausgleich

Tatsächlich hat sich, wie Finanzverwalter Peter Weibel berichtete, der Steuerkraftindex durch mehr und besser verdienende Steuerzahler in Derendingen verbessert. Der Nachteil aber sei, dass die Gemeinde deshalb weniger aus dem Finanz- und Lastenausgleich (2017: 3 Mio./ 2019: 2.7 Mio. Franken) unterstützt werde. Das wurde an der Versammlung nicht weiter thematisiert, ebenso wenig das Minus von 682 000 Franken in der Erfolgsrechnung bei Erträgen von 36.4 Mio. Franken.

Finanzkommissionspräsident Markus Zürcher meinte beruhigend, dass seit 2008 negative Budgets der Gemeinde in der Jahresrechnung dann jeweils positiv ausfielen. «Wir sind auch mit unseren grossen Vorhaben und Investitionen in Höhe von 11.3 Mio. Franken auf dem richtigen Weg.» Er empfehle «mit gutem Gewissen» Zustimmung zum Budget, was das 70-köpfige Plenum einhellig vollzog.

Zuvor hatte Finanzverwalter Peter Weibel alle Abweichungen gegenüber den Vorjahren dargestellt. Der um 286 000 Franken zugenommene Fiskalertrag von rund 23.7 Mio. Franken aus Finanzeinnahmen und Steuern deckt die kommunalen Ausgaben zu 54.7 Prozent. Kommentiert wurden auch die Spezialfinanzierungen. Bei einem Selbstfinanzierungsgrad von -4.59 Prozent sei klar, dass sich die Gemeinde zusätzlich mit den gegenwärtig so günstigen Darlehen finanzieren muss. «Wir verfolgen eine realistische Finanzpolitik, mit der wir die Defizitphase überwinden», meinte der Gemeindepräsident zuversichtlich.

Angenommen wurden alle übrigen Anträge wie der gleichbleibende Steuerfuss von 128 Prozent für natürliche Personen und 115 Prozent für juristische Personen sowie die Teuerungszulage von 1 Prozent für alle Mitarbeitenden der Gemeinde.

Sozialregion Wasseramt-Ost

Die grosse Zunahme der Dossiers, eine dünne Personaldecke, drei Stellenkündigungen und die Krankheit der Leitung erschweren gegenwärtig die Arbeit des regionalen Sozialdienstes. Unter der «Leadfunktion» von Derendingen ist er für acht Gemeinden mit rund 16 000 Einwohnern zuständig in der Regelsozialhilfe und in der Asylsozialhilfe sowie im Kindes- und Erwachsenenschutz. Einstimmig unterstützte die Versammlung die Erhöhung um 350 Stellenprozente auf 1420.

Im Anschluss informierte Tschumi über den geplanten Zusammenschluss mit der Sozialregion Wasseramt-Süd mit Sitz in Gerlafingen. «Wir hoffen, im Juni 2019 ein Projekt zur Gründung eines gemeinsamen Zweckverbandes vorstellen zu können.

Dann wurde es festlich

Die Gemeindeversammlung ehrte ihren Mitbürger Stefan Sieboth, der gerade mit dem Kantonalen Kunstpreis für sein Lebenswerk in Architektur, künstlerischer Objektgestaltung und Malerei ausgezeichnet wurde. Er sei ein «Ausnahmemensch» mit vielen Fähigkeiten, der «Seelennahrung» in vielen Kulturbereichen verschenke, würdigte Gemeindepräsident Kuno Tschumi den verdienstvollen Einwohner.