Günsberg

«Wir bleiben Gallier im Widerstand gegen Mobilfunk-Antennen»

Die Mobilfunkbetreiber könnten die 2011 ausgesteckte Antenne bauen. Die Gemeinde will den bereits bestehenden Mietvertrag kündigen.

Die Mobilfunkbetreiber könnten die 2011 ausgesteckte Antenne bauen. Die Gemeinde will den bereits bestehenden Mietvertrag kündigen.

Der Verein «Günsberg ohne Mobilfunkantenne an Schulhaus und Sportplatz» bleibt bestehen und will weiterhin Präsenz markieren. Weiter plant der Verein, die Bevölkerung zu orientieren und öffentlichen Druck gegen die hohe Antennenleistung aufzubauen.

«Wie weiter?», fragte der Vereinsvorstand an der 13. Mitgliederversammlung die Teilnehmenden. Das Plenum entschied sich eindeutig dafür, die Arbeit des Vereins «Günsberg ohne Mobilfunkantenne an Schulhaus und Sportplatz» (Gomas) fortzusetzen. Dies, obwohl das kantonale Verwaltungsgericht Beschwerden von 18 Privatpersonen gegen den Bau einer Antenne in der Günsberger Bauzone neben Schulhaus und Sportplatz abgelehnt hatte. «Die Mobilfunkbetreiber Sunrise und Orange verfügen damit über eine gültige Baugenehmigung, die gerade um ein Jahr verlängert wurde», berichtete Gomas-Präsident Patrik Galli. Um juristisch gegen den Bau vorzugehen, gebe es keine Möglichkeit mehr: «Uns sind jetzt die Hände gebunden.»

Von einer Vereinsauflösung wollte die Versammlung jedoch nichts wissen. Jetzt erst recht seien eine kritische Begleitung dieses Bauvorhabens und eine Unterstützung des Gemeinderates – gegebenenfalls zur Optimierung des Standortes – nötig. Erkundigungen beim Bakom haben ergeben, dass die Antennenleistung von 10 000 Watt zur Abdeckung der nahen Region deutlich überdimensioniert ist.

Das Bundesamt bezeichnet eine Antennenleistung von 1000 Watt bereits als stark, besonders dann, wenn der Mast im Siedlungsgebiet steht. Sogar das Bundesgericht hatte in einem Klagefall festgehalten, dass leistungsstarke Antennen, die einen grossen Gebietsradius abdecken, ausserhalb von Wohnzonen errichtet werden sollen. «Und eigentlich wäre dieser Entscheid eine Steilvorlage für unseren Kanton gewesen, diese Antenne nur an einem anderen Standort zuzulassen», erinnerte der Präsident.

Der Verein Gomas habe nie grundsätzlich eine Antenne bekämpft, sondern nur deren geplante Installation neben Schulhaus und Sportanlage, die damit hohen Strahlungsbelastungen ausgesetzt seien.

Kein Baubeginn

Im September 2014 hat eine Startveranstaltung zwischen den Antennenbetreibern, den am Bau beteiligten Handwerkern und Delegationen aus der Gemeinde und von Gomas stattgefunden. Baumaschinen sind allerdings noch nicht aufgefahren. Gemeindepräsident Thomas Jenni verlangte für den Bau eine Phasenplanung, die inzwischen eingetroffen ist.

Nichts geändert habe sich, so Galli, an der grundsätzlichen Einstellung des jetzigen Gemeinderates. Das Mietverhältnis, das 6000 Franken jährlich einbringt, soll so bald wie möglich gekündigt werden. Gestützt wird er dabei von der Hälfte der Bevölkerung, die sich vor Jahren an der Urne gegen den Mietvertrag ausgesprochen hatte. Eine Kündigung könnte gemäss rechtskräftigem Vertrag in sieben Jahren erfolgen.

Ob diese Aussicht die Mobilfunkanbieter von ihrer hohen Investition Abstand nehmen lässt? Vielleicht gibt es doch interessantere Projekte, die sich ohne Mühe realisieren lassen, hoffte die Gomas-Versammlung. Immerhin hatte sich die Swisscom vom Bau einer Antenne im Ortskern von Hubersdorf neben dem Schulhaus nach Protesten wieder verabschiedet.

Was ist geplant?

«Wir sollten öffentlichen Druck gegen die hohe Antennenleistung aufbauen, indem wir zusätzlich zu unserer Homepage die Bevölkerung orientieren», lauteten Meinungen aus dem Plenum. Dies könnte über einen Informationsstand beispielsweise anlässlich des Dorffestes geschehen. Wichtig sei ein solcher für Neuzuzüger, die nicht wissen, was da geplant ist. Wichtig sei auch, die «sensibilisierende» Verbindung zur Schule zu suchen, weil ja vor allem Kinder von den Strahlungswerten betroffen seien.

«Wir wollen uns wehren und Präsenz markieren», war man sich darin einig, keine Vereinsauflösung zu vollziehen. Es gehe um die Glaubwürdigkeit von Gomas. Um finanziell gewappnet zu sein, sprach sich die Versammlung für die Beibehaltung der Mitgliederbeiträge aus. Kassier Christian Jaussi hatte vorgeschlagen, das Vermögen aufzuzehren und nur bei Bedarf Beiträge einzuziehen. Mit diesen nun wieder budgetierten 3500 Franken von aktuell 203 Gomas-Mitgliedern könnten etwa technische Beratungen oder neutrale Messungen bezahlt werden. Die Versammlung beauftragte den Vorstand, einen Massnahmenplan für «Aktionen im Gomas-Stil» auszuarbeiten. «Wir hier in Günsberg bleiben im Widerstand einfach Gallier», nahm Präsident Galli lachend auf seinen Namen Bezug.

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