Zuchwil

«Wir beten und unterrichten die Kinder»: In der Widi entsteht ein Gebetsraum für Muslime

Ekrem Racipi, Imam der Glaubensgemeinschaft, vor dem künftigen Gebetshaus.

Ekrem Racipi, Imam der Glaubensgemeinschaft, vor dem künftigen Gebetshaus.

Die albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft richtet in der Zuchwiler Widi ein Gebetslokal ein.

Das Baugesuch der Albanisch-islamischen Glaubensgemeinschaft findet in der Zuchwiler Bevölkerung Beachtung, sagt der Bereichsleiter Hochbau, Romano Del Frate, auf der Gemeindeverwaltung. Umgestaltet werden soll das Haus an der Widistrasse 15. Dort erfand vor Jahrzehnten Elektrounternehmer Rudolf Studer den Raclette-Ofen. Nun hat die Albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft Langendorf das Haus gekauft. Im Erdgeschoss des Gebäudes soll ein Vereins- und Gebetsraum eingebaut werden. Der 1. Stock mit vier Wohnungen bleibt unangetastet.

Zirka ein Viertel der Gläubigen, so Ekrem Racipi, wohnt in Zuchwil und wird zu Fuss oder mit dem Fahrrad ins Zentrum kommen. Racipi ist Präsident und Glaubensführer der Glaubensgemeinschaft, die er 1995 in Langendorf mit gleichgesinnten Kollegen gründete. Vor einiger Zeit wurde der Glaubensgemeinschaft angekündigt, dass sie die Räumlichkeiten im Delta-Areal bis spätestens 2019 verlassen muss. 

Anstelle der Gewerbebauten ist dort eine Wohnüberbauung geplant. «Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einem neuen Vereinslokal gemacht.» Ekrem Racipi kam 1987 als Gastarbeiter in die Schweiz. Vier Jahre lang war er Saisonnier, danach erhielt er den B-Ausweis. Seine Familie reiste einige Zeit später aus dem kosovo-albanischen Teil in Serbien nach. Das war noch vor dem Kosovo-Krieg 1999. Seit 2008 ist der Kosovo ein unabhängiger Staat.

«Schweiz ist die zweite Heimat»

Die albanisch-islamisch Glaubensgemeinschaft sei strukturell vergleichbar mit einer Kirchgemeinde. «Wir beten und wir unterrichten die Kinder», erklärt Racipi in gebrochenem Deutsch. Unterstützt wird er im Gespräch von seinem Sohn Amir, der im Alter von 5 Jahren 1994 seinem Vater in die Schweiz folgte. «Wir wollen transparent sein», sagt Ekrem Racipi. Die Kinder würden lernen, den Koran zu lesen, der in einer arabischen Schrift geschrieben ist.

«Was ist Islam, wie muss gebetet werden, was muss geglaubt werden? Sie lesen den Koran und lernen die Geschichte, die Säulen des Islam kennen», beschreibt er den Unterricht. Vor einem Monat hätten 13 Kinder den Koran zu Ende gelesen, berichtet Ekrem Racipi stolz. «Sie hatten regelmässig Integrationsunterricht. Für uns ist die Schweiz die zweite Heimat. Wir wollen hier bleiben, hier leben. Deshalb lernen wir auch, wie man hier lebt, und den richtigen Weg nach der schweizerischen Verfassung geht.»

Gebäude mit Spenden finanziert

Amir Racipi hat die Unterweisung seines Vaters durchlaufen. Der Betriebsökonom in der ETA Grenchen zeigt sich rückblickend sehr zufrieden mit dem Unterricht. «Ich habe gelernt, dass man Respekt gegenüber den Mitmenschen haben muss, und dass man tolerant sein muss. Respekt ist auch sehr wichtig im Islam. Das hat mich immer begleitet», sagt Amir Racipi, natürlich in Mundart. Der Einwand, es gebe auch andere Beispiele, etwa von Leuten, die den IS unterstützen, kontert Ekrem Racipi mit: «Das sind nicht unsere Freunde.»

Die Glaubensgemeinschaft hat zirka 150 Mitglieder. Gemeinsam wurde der Kauf des Gebäudes in der Gewerbezone mit Wohnen finanziert. Bereits vor einem Jahr wurde eine Aktion durchgeführt, bei der jedes Mitglied eine Spende entrichtete und gegen 80 000 Franken zusammenkamen. «Jetzt, vor dem Kauf, wurde die Aktion wiederholt. Es flossen nicht nur kleine Spenden. Personen spendeten 1000, 2000 Franken. Auch Gewerbebetriebe gaben Geld oder haben versprochen, Baumaterial zur Verfügung zu stellen.» Beim Kauf des Gebäudes sei kein einziger Franken aus dem Ausland geflossen, beantwortet Racipi die entsprechende Frage. «Nicht ein Franken. Das kommt nicht in Frage.» Dieser Punkt der Finanzierung sei von den Behörden geprüft worden.

Für Männer und Frauen

Der Gebetsraum an der Widistrasse 15 soll nicht nur Männern zur Verfügung stehen. Auch Frauen werden diesen benutzen. Jedes Geschlecht erhält einen separaten Eingang zum Gebetsraum, denn das Gebet muss laut Koran getrennt gesprochen werden. Beim gemeinsamen Gebet dürfen die Männer und Frauen nicht vermischt sein. Die Männer haben ihren Platz und die Frauen einen eigenen. «Das ist in jeder Moschee auf dieser Erde so. Im Aufenthaltsraum gilt hingegen diese Geschlechtertrennung nicht», sagt Amir Racipi. Für die Glaubensgemeinschaft sei dies ein Schritt vorwärts. «In Langendorf konnten Männer und Frauen nicht gemeinsam beten, wenn auch aus Platzgründen.»

Zur Eröffnung des Gebetsraums will die Gemeinschaft alle Interessierten einladen. Amir Racipi weist darauf hin, dass sich die Gemeinschaft auch im Alltagsleben in der Gemeinde engagieren will. So haben Mitglieder der Gemeinschaft am Tag der Natur teilgenommen. Zudem seien sie aktiv am Runden Tisch der Religionen des Kantons Solothurn. «Das ist für uns sehr wichtig.»

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