Verkehrschaos

Wildparkierern am Burgäschisee geht es an den Kragen

Das schöne Wetter lockte am letzten Sonntag unzählige Ausflügler an den Burgäschisee, wo wieder viele keinen Parkplatz fanden.

Das schöne Wetter lockte am letzten Sonntag unzählige Ausflügler an den Burgäschisee, wo wieder viele keinen Parkplatz fanden.

Ein gerichtliches Verbot für unberechtigtes Parkieren soll helfen, das zeitweilige Verkehrschaos auf dem privaten Badiparkplatz am Burgäschisee zu ordnen.

«Ich bin der Letzte, der Leute wegen falschen Parkierens anzeigen will», sagt Hans Nützi. Er ist Besitzer der Parzelle 523 am Burgäschisee mit dem Freibad und dem Restaurant Seeblick. Dazu gehört auch ein grosser Parkplatz auf privatem Grund. In den Wochen, als Freibad und Restaurant geschlossen waren, sei der Parkplatz trotzdem benutzt worden, erklärt Nützi. Und dies, obwohl eine grosse Tafel das Parkieren verbietet. Die vielen Spaziergänger rund um den Burgäschisee hätten seinen Parkplatz vollgeknallt. «Die Badi ist beliebt, und das Restaurant Seeblick wird so gut geführt, dass wir die Parkplätze selber brauchen», erklärt Nützi.

Nun hat er ein gerichtliches Verbot für das unberechtigte Parkieren auf seinem Parkplatz neben Restaurant und Freibad publiziert. «Wir werden eine Tafel aufstellen, dann ist es klar.» Mit einem gerichtlichen Verbot bestünde auch die Möglichkeit, Bussen zu verteilen. Den Parkplatz benutzen dürfen dann nur die Besucher der Badi und die Gäste des «Seeblicks».

Gemeinde wirbt nicht aktiv für sein Ausflugsziel

Im komplizierten Gefüge der vielen beteiligten Parteien am Burgäschisee ist sicher, dass diese Massnahme von Hans Nützi Staub aufwirbeln wird. Bereits hat Gemeindepräsident Stefan Berger die verschiedenen Parteien zu einem Gespräch eingeladen, wie er das jeweils handhabe. «Die Verkehrsproblematik ist ja nicht neu und besteht schon seit Jahrzehnten.»

Die Gemeinde versuche jeweils zu vermitteln. Selber tätig werden, beispielsweise Parkplätze schaffen, wolle man nicht. «Wir haben vor sechs Jahren im räumlichen Leitbild festgeschrieben, dass wir den See nicht aktiv bewerben wollen. Es sind andere, die den Burgäschisee als Ausflugsziel pushen», so Berger. Deshalb sei die Gemeinde auch nicht die richtige Adresse der Kritik von Hans Nützi, der sagt: «Man kann nicht für Naherholung werben und keine Infrastruktur zur Verfügung stellen.»

Eine andere Partei ist der Burgseeverein Burgäschi mit ihrem Präsidenten Daniel Luterbacher. Vollmitglieder des Vereins sind die vielen Seebesitzer. Der Verein ordnet die Fischerei, übt die See- und Uferaufsicht aus und will das Seeufer sowie die umgebende Landschaft schützen und erhalten. «Am schlimmsten wäre es, wenn Falschparkierer gebüsst würden», sagt Luterbacher, der selber am See Boote vermietet. «Damit würde man nur die Leute verrückt machen.» Als optimale Lösung betrachtet Luterbacher einen bewirtschafteten Parkplatz. «Die Coronakrise hat wahrscheinlich das Fass zum Überlaufen gebracht. Niemand konnte Geld verdienen. Gleichzeitig musste Hans Nützi zuschauen, wie sein Parkplatz von Ausflüglern genutzt wurde.»

Luterbacher glaubt aber nicht an eine einfache Lösung. «Die meisten Ausflügler, die am See ihre Beine vertreten, gehen doch auch ins Restaurant», mahnt er, mit Massnahmen, vorsichtig zu sein, sonst gehe der Schuss hinten raus, denkt er. Er übe zwar eine Doppelrolle aus, profitiere mit seinem Bootsverleih ebenfalls von den Ausflüglern, aber persönlich und als Vereinspräsident setze er auf eine gesunde Umwelt. «Der Verein hält sich mit Werbung bewusst zurück.»

Wirtin Evi Schweizer ist stinksauer

Weniger zurückhaltend ist diesbezüglich Wirtin Evi Schweizer, Pächterin des Restaurants Seeblick. In den letzten Jahren habe der Ausflugsverkehr stark zugenommen, auch wegen ihrer Fernsehpräsenz. Dessen sei sie sich bewusst. Auf der Website des Restaurants wirbt sie offensiv mit ihren Teilnahmen an Sendungen wie «Mini Beiz – dini Beiz» oder «Mini Schwiiz – dini Schwiiz».

An zirka 20 Tagen im Sommer sei der Parkplatz bereits ab 11 Uhr platschvoll. «Ich habe mir die Mühe gemacht und an einem Sonntag gezählt. Über 50 Parkierende gingen nicht in die Badi oder ins Restaurant. Sie wandern um den See und geniessen ein Picknick», ist sie überzeugt. Und dann würden ihre Gäste keinen Parkplatz mehr finden. «Der Parkplatz ist voll, aber im Restaurant sind nur drei, vier Tische besetzt. Ich bekomme häufig Telefonate, man habe keinen Parkplatz finden können und sei unverrichteter Dinge wieder weggefahren.»

Evi Schweizer fordert die Gemeinde dazu auf, etwas zu unternehmen. «Sogar meine Abfallcontainer werden von den Ausflüglern genutzt. Ich kann das nicht mehr akzeptieren.» Sie sei stinksauer. In einem Briefwechsel mit der Gemeinde habe man ihr bedeutet, sie sei selber schuld, das Ausflugsziel Burgäschisee weitherum bekannt zu machen. «Die Behörden zucken nur mit den Schultern. Die Gemeinde stellt keinen einzigen Parkplatz für die Ausflügler zur Verfügung.» Andernorts funktioniere es aber mit weiter entfernt liegenden Parkplätzen. «Die Leute laufen die Strecke, das ist beispielsweise in Sierre am Lac de Géronde kein Problem», so die gebürtige Walliserin.

Zudem, wirbt sie, werde es diesen Sommer nochmals heftiger zu- und hergehen. «Wegen der Coronakrise bleiben die Schweizer zu Hause und besuchen vermehrt lokale Ausflugsziele.» Sie spüre dies bereits bei den Hotelbuchungen.

Ein Regime mit Parkuhren ist wahrscheinlich

Ob diese zusätzliche Tafel mit dem gerichtlichen Parkverbot und der Androhung einer Busse etwas bringt, das wird sich weisen. «Wir werden sehen», sagt Hans Nützi. Wie er das Verbot durchsetzen will, darüber habe er sich noch nicht viele Gedanken gemacht. «Das müssen wir uns überlegen.» Eine Möglichkeit sei ein Parkplatzregime mit Parkuhren. Aber wie das Regime aussehen soll, dazu sei es noch verfrüht, Aussagen zu machen.

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