Wenn man heute von Migration spricht, so denken die meisten Menschen unweigerlich an die vielen Zuwanderer. Betrachtet man das Migrationsverhalten in der Geschichte, so wird klar, dass dies nicht immer so war. Viele Jahrzehnte und Jahrhunderte verfügte die Schweiz über eine negative Migrationsbilanz. Vor der Französischen Revolution waren die meisten Schweizer, die unser Land verliessen, Söldner, die in fremden Staaten Kriegsdienste leisteten. Erst die Französische Revolution brachte dem einzelnen Bürger persönliche Rechte, unter anderem die Freizügigkeit.

Der Einschiffungsschein von 1859 von Maria Mayer aus Lohn.

Der Einschiffungsschein von 1859 von Maria Mayer aus Lohn.

Bucheggberger wanderten aus

Im 19. Jahrhundert wanderten besonders viele Schweizer ins Ausland aus. Es gab verschiedene Gründe, welche diese bewogen, auszuwandern. Am stärksten betroffen war im Kanton Solothurn der Bezirk Bucheggberg und die angrenzenden Wasserämter-Gemeinden Lohn und Ammannsegg. Der Bucheggberg war damals mit 100 Einwohnern pro Quadratkilometer vergleichsweise fast gleich wie die Bezirke Wasseramt und Olten bevölkert. Das änderte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schnell und der Bezirk verlor etwa 15 Prozent der damaligen Bevölkerung. Als Hauptgrund der grossen Auswanderung stellt man zu dieser Zeit eine Landwirtschaftskrise fest. Als weiterer Grund könnte die 1848 entdeckten Goldfelder von Kalifornien eine Begründung liefern, womit das verlockende Gold eine grosse Auswanderungswelle auslöste.

Es waren mehrheitlich Einzelne, die sich zur Auswanderung entschlossen, aber es gab auch einige Fälle, wo ganze Familien sich auf den Weg nach Amerika machten.

Eine Liste der Volkszählung von 1850 gibt in der Gemeinde Lohn über die grosse Auswanderung Auskunft. Unter den nach Amerika Gezogenen verliessen 21 Bürger mit folgenden Familiennamen die Gemeinde: 12 Stuber, 5 Ischi und 2 Burki sowie 2 Mengel. Somit verliessen rund 10 Prozent der damaligen Bevölkerung die Lohner Gemeinde, um sich in Amerika eine neue Existenz aufzubauen. Die Auswanderer nahmen zu dieser Zeit grosse Strapazen auf sich. Krankheiten und Hunger waren oft unangenehme Begleiter auf den grossen Segelschiffen. Auch der Tod machte nicht Halt vor den Menschen.

Durch Gemeinden unterstützt

Oft unterstützen die Gemeinden mit einem finanziellen Beitrag den Wegzug. Die Gesuche um finanzielle Unterstützung wurden jeweils an den Gemeinderat gestellt und anschliessend von den Gemeindeversammlungen bewilligt oder abgelehnt. Die Gemeinden sahen sich mit unterschiedlich hohen Reisegeldforderungen konfrontiert. Diese bewegten sich zwischen 50 und rund 2'000 Franken. Diese Beträge brachten einige Gemeinden im Bucheggberg und im Wasseramt in Bedrängnis. Um die Amerikaschuld zu begleichen, wurden beispielsweise in der Lohner Gemeinde mit Bewilligung der Regierung Buchen und Eichen gefällt. Ohne Holzverkauf hätten die vielen Auswanderungen nicht finanziert werden können.

Einige Gesuche wurden wohlwollend bewilligt und finanziell unterstützt, so bestätigt ein aus dem Gemeindearchiv in Lohn gefundener Einschiffungsschein, dass Maria Mayer aus Lohn am 11.3.1859 auf dem amerikanischen Schiff Portland im Port du Havre, mit den vorgeschriebenen Lebensmitteln versehen, eingeschifft und nach New York abgereist ist. Weitere Auswanderungs-Gesuche von Bürgern mit den Familiennamen Strausak und Kaiser wurden von der Gemeinde jedoch strikte abgewiesen, weil eine Finanzierung aller gewünschten Auswanderungswilligen die Möglichkeit der Gemeinde überstieg.

Im Zusammenhang mit einer diesjährigen Spendenaktion für «300 neue Douglasien» der Bürgergemeinde Lohn um Mitfinanzierung von neuen Anpflanzungen, haben sich unter anderem auch Amerika-Auswanderer gemeldet, die einen Beitrag geleistet haben. Somit schliesst sich der Kreis, die Bürgergemeinde musste Holz verkaufen um die Amerika-Auswanderer zu entschädigen, die Nachkommen von solchen Auswanderern spenden heute einen Geldbeitrag, um wieder neue US-Tannen im Lohner Bürgerwald anpflanzen zu können.