Lohn-Ammannsegg
Wieso geht man an Weihnachten in die Landi?

Der an 365 Tagen geöffnete Shop ist nicht nur zum Einkaufen da.

Nadine Schmid (Text und Fotos)
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Man sieht: Es wird nicht nur eingekauft, der Besuch im Bistro ist ebenso wichtig.

Man sieht: Es wird nicht nur eingekauft, der Besuch im Bistro ist ebenso wichtig.

Es herrscht reger Betrieb. Es ist der 25. Dezember gegen 10 Uhr. Einige Kunden gehen zwischen den mit Produkten gefüllten Regalen umher, manche mit einem Korb, andere mit einem Einkaufswagen. Andere wiederum haben es sich an den Tischen des Bistros gemütlich gemacht, eine Tasse Kaffee und Gipfeli vor sich. Die Angestellten füllen die Ware auf und kassieren, es gibt viel zu tun. Der Shop der Landi Lohn hat das ganze Jahr über geöffnet, auch an den Feiertagen. Dies von sechs Uhr früh bis zehn Uhr abends. Die Landi ist, wie eine Umfrage dieser Zeitung vor Ort am Weihnachtstag ergab, sowohl beliebter Einkaufsort als auch angesagter Treffpunkt. Dies ebenfalls an den Dezember-Feiertagen. Es gehen Jung und Alt ein und aus.

Gemütliches Frühstücken

Während die einen noch das letzte Weihnachtsgeschenk suchen oder für die Festessen die letzten Zutaten kaufen, so haben die anderen Kunden Lust auf ein gemütliches Frühstück. Viele Besucher der Landi sind mit Brot und Gipfeli bepackt, wenn sie den Laden verlassen. Genauso angetan hat es das Verweilen im Café des Shops. Schnell sind die meisten Tische besetzt. Unter den Gästen befindet sich Heidi Loosli, die seit November pensioniert ist. Zusammen mit anderen Rentnern, von denen sich die meisten in der neuen Landi kennen gelernt haben, sitzt sie an einem langen Tisch.

Meistens kommen die pensionierten Freunde freitags und sonntags im Café der Landi zusammen, um bei einem Kaffee miteinander zu plaudern. Loosli, die aus Lohn stammt und bei der Scintilla im Restaurant gearbeitet hat, ist dieses gemütliche Zusammensein wichtig. Dabei bestellt sie sich vorzugsweise eine Latte Macchiato, da sie dieses Getränk zu Hause nicht machen kann. Plötzlich taucht ein Gesprächsthema auf, das ebenfalls an anderen Tischen besprochen wird: die Schliessung zahlreicher Restaurants. In Biberist hätte es einst deren siebzehn gegeben, weiss ein Einheimischer zu berichten. Die pensionierte Anna Würsch fügt hinzu: «Es ist schön, gibt es die Landi, sodass man zusammenkommen kann, auch ist hier der Kaffee bezahlbar.»

Zwischen den Angestellten und einigen Kunden haben sich Freundschaften entwickelt. Man geht herzlich miteinander um. Das Ambiente ist familiär. «Wer in die Landi kommt, muss Zeit haben», beschreibt Elisabeth Jordi, die mit ihrem Ehemann Oswald noch die letzten Einkäufe für das Fest am 26. Dezember erledigt. «Man trifft jedes Mal spontan auf Bekannte und kommt ins Gespräch.» Wie es der Zufall will, ist dies gerade der Fall: Kaum macht sich das Ehepaar auf den Weg zur Kasse, trifft es auf Freunde aus Büren an der Aare, die, da alle anderen Lokale geschlossen hätten, für einen Kaffee bei der Landi einen Zwischenstopp eingelegt haben.

Angestellte können auch feiern

Samuel Marti, dem Leiter der Landi Lohn, ist es wichtig, dass die Angestellten auch etwas von den Festtagen haben. Für die Festtage gibt es deshalb drei Schichten: eine von Beginn bis 11 Uhr, die nächste bis fünf und die letzte bis zum Schluss. «So können alle Mitarbeitenden noch Weihnachten feiern», beschreibt Marti. «Ich achte darauf, dass nicht immer die gleichen Angestellten an den Feiertagen arbeiten müssen.» Am 25. Dezember waren vier Personen pro Schicht eingeteilt, und am 26. fünf.

Man findet, was man braucht

An einem Tisch nahe des Eingangs sitzt Kurt Horisberger zusammen mit dem Ehepaar Hiltbrunner und Louis Schwaller. Auch für die vier Freunde ist die Landi ein Treffpunkt. «Man kommt mit unbekannten Leuten ins Gespräch», meint Hiltbrunner, der gerne dem Treiben im Laden zusieht. «Über die Menschen, die hier ein und aus gehen, könnte man ein Buch schreiben.» Er selbst kommt an den Arbeitstagen häufig am frühen morgen her, um sich einen Kaffee zu holen. «Ich bin nicht der Einzige. Die Landi hat ein grosses Einzugsgebiet.»