Es war ein Fingerzeig. Wenn ein Kandidat bei Personenwahlen in der eigenen (Klein-)Gemeinde abschifft, muss das Verhältnis zu vielen Mitmenschen in nächster Umgebung gestört sein. So geschah es am 12. März, als Manfred Küng bei den Regierungsratswahlen in Kriegstetten auf dem zweitletzten Platz landete. Die Gemeinderatswahlen heute brachten die Bestätigung.

Küng verpasste die Wiederwahl. Wie sich der amtierende Gemeindepräsident seine Niederlage erklärt? Man weiss es nicht. Der Winzer und Anwalt ist abgetaucht und blieb heute trotz mehrfacher Kontaktversuche für die Redaktion unerreichbar. Aus Kriegstetter Sicht ist dies symptomatisch. Der viel beschäftigte Küng blieb im Dorf und insbesondere als politischer Repräsentant oft ein Phantom. Es dürfte mit ein Grund sein, warum ihn die Wahlbevölkerung nun abstraft.

Zweite Klatsche für Manfred Küng

Zweite Klatsche für Manfred Küng

Als Regierungsrat wollte ihn schon fast kein Solothurner und jetzt wird der SVPler auch noch von seiner Gemeinde als Präsident abgewählt.

Eine weitere Schlappe für die SVP ist der Sitzverlust bei den Gemeinderatswahlen. Der im Gemeinderat verbleibende Rémy Wyssmann führt die Abwahl Küngs auf das Proporzglück aufgrund der Listenverbindung der konkurrierenden Partei «Gemeinsam für Kriegstetten» zurück. Ob Küng oder Wyssmann am 2. Juli für das Gemeindepräsidium antreten, lässt er offen. «Wir müssen zusammensitzen und das Resultat analysieren.» Man wolle schliesslich niemanden verheizen. Andererseits verfüge Küng über eine grosse Erfahrung. «Das ist auch wichtig.»

Falls die Liste Gemeinsam für Kriegstetten, auf der selbst der zweitplatzierte Roger Schneider doppelt so viele Stimmen holte wie der bestgewählte SVPler, mit einer Doppelkandidatur aufwarte, sei das Thema sowieso erledigt. Im Verlauf der kommenden Woche will sich die SVP festlegen.

«Wollen personellen Wechsel»

Gross ist die Freude bei «Gemeinsam für Kriegstetten», die mit zwei verbundenen Listen antrat. «Das ist ein Wahnsinn», sagt der mit Abstand bestgewählte Simon Wiedmer. Das Resultat zeige, dass die Bevölkerung von Kriegstetten einen personellen Wechsel wünscht. «Sie wollen die Politik der vergangenen vier Jahre nicht mehr.» Sein gutes Abschneiden sieht Wiedmer auch als Wertschätzung seiner eigenen Arbeit an. «Ich habe viel geleistet in der vergangenen Legislatur und den Gemeindepräsidenten oft vertreten.»

Ob der 27-Jährige seine hohe Stimmenzahl als Auftrag sieht, für das Gemeindepräsidium zu kandidieren, lässt er offen. «Dies werde ich nächsten Freitag entscheiden.»