Wenn sich die Gemeinderäte mit dem Rotstift über das Budget beugen, dann mutiert der Gemeinderatssaal zu einer Art Kosmetikstudio. Am Dienstagabend war es in Günsberg soweit. Angesichts des sich abzeichnenden Defizits für das kommende Jahr versuchten die Gemeinderäte gemeinsam, die roten Zahlen aufzuhübschen. Sie übertünchten hier und da einen Tausender, nur um in anderen Kontostellen gleich wieder ein paar Hunderter-Schichten neu aufzutragen.

Nach der zweistündigen Behandlung blieb die Erkenntnis, dass ein paar Retuschen aus einem unansehnlichen Kunden keinen Schönling machen. Unter dem Strich sieht das Budget 2018 der Gemeinde Günsberg einen Aufwandüberschuss von einer knappen halben Million Franken vor. Dies bei einem Aufwand von rund 5,5 Millionen Franken. Für 2017 hatte die Gemeinde fast ein Nullsummenspiel budgetiert. Noch können Korrekturen vorgenommen werden. Zuhanden der Gemeindeversammlung verabschiedet wird das Budget am 21. November.

«Gutes Steuersubstrat»

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ergeben sich Abweichungen etwa in der Verwaltung. Weil die Gemeindeschreiberin wegen Krankheit längere Zeit ausfällt und nach der sechsmonatigen Kündigungsfrist erst Mitte 2018 aus der Gemeinde ausscheidet, müssen in der ersten Hälfte des kommenden Jahres teilweise doppelte Löhne bezahlt werden. Gespart wird dagegen bei Material- und Druckkosten. Mehrkosten veranschlagt werden in der Gemeinsamen Schule Unterleberberg.

Noch offen ist, wie sich aufgrund der Zuzüger die Steuereinnahmen entwickeln. «Günsberg hat ein gutes Steuersubstrat», sagte Rolf Sterki. Von jenen Gemeinden, die in den kantonalen Finanzausgleich einzahlen, habe man den höchsten Steuerfuss. Mit Blick auf einen möglichst tiefen Steuerfuss erwähnte Max Berner auf die zahlreichen Stellen, die derzeit in der Region Solothurn entstehen und Arbeitnehmer, die hinzuziehen. «Da werden die Leute auch auf die Steuersätze in den Gemeinden schauen.»

Laut Gemeindepräsident Thomas Jenni müsse man dafür aber auch Bauland freigeben können – wobei im Leitbild eine Bevölkerungszunahme vorausgesagt werde. Übrigens: Der Steuerfuss wurde in Günsberg vergangenes Jahr gesenkt und liegt derzeit bei 116 Prozent. Dass auf der Internetseite der Gemeinde indes noch immer mit dem alten Steuerfuss von 121 Prozent «geworben» wird, ist aber gerade kein Aushängeschild und widerspricht Berners Ansinnen.

Vereinsgelder auf dem Prüfstand

Die sieben Gemeinderäte diskutierten ausserdem über die Unterstützung der Dorfvereine. Sollen Vereine mit aktiver Jugendarbeit oder Engagement am Dorffest, wie der Turnverein oder der Skiclub, mehr Geld bekommen als kleine, weniger aktive Vereine? Sollen mitgliederstarke Vereine mehr Beiträge erhalten? Das Thema ist delikat, deshalb wurde beschlossen, dass die Beträge jedes Jahr auf Antrag via Vereinskonvent neu festgelegt werden. Grundsätzlich, so Thomas Jenni, sollen die Beiträge mindestens im bisherigen Rahmen ausbezahlt werden.

Günsberg soll eine neue Dorfbeflaggung erhalten. Die zehnjährigen Fahnen, die zu feierlichen Zeiten entlang der Strassen hängen, sind abgenutzt. Dank besserer Qualität soll die neue Garnitur 15 bis 20 Jahre halten. Ein Zustupf an die Kosten soll von der Bürgergemeinde kommen. Beschlossen hat der Rat eine Unterstützung der Traglufthalle im Freibad Zuchwil. Mit 6 Stimmen bei einer Enthaltung wurde auf einen Beitrag von 5000 Franken entschieden. Zum Schluss hat sich der Rat für ein Baumanagement für das Projekt neues Schulhaus ausgesprochen. Dafür werden 50'000 Franken aufgeworfen. Im Frühling sollen verschiedene Varianten vorgelegt werden.