Ein Hochhaus auf dem Bachacker? Luterbach als Dorf mit etlichen Einfamilienhausquartieren stärken? Bahnhofareal aufwerten? Landwirtschaftslandzone zum Nachbardorf Derendingen schützen? Die Luterbacherinnen und Luterbacher können die Weichen in der räumlichen Entwicklung ihres Dorfes für die nächsten beide Jahrzehnte stellen. Mit einem Informationsanlass wurde die öffentliche Mitwirkung für das Räumliche Leitbild gestartet.

Interessierte haben bis 23. Juni die Möglichkeit, mit einer schriftlichen Eingabe an diesem Leitbild mitzuarbeiten. Der Gemeinderat, der die Planungshoheit für das Räumliche Leitbild hat, wird sich die Eingaben gut überlegen, wie Gemeinderat Jürg Nussbaumer (Ressort Planung/Umwelt) den 30 Anwesenden erklärte. Denn das Räumliche Leitbild kann an der Gemeindeversammlung (voraussichtlich Ende November) nur als Ganzes genehmigt oder abgelehnt werden. Da wünscht sich der Gemeinderat natürlich nicht allzu grosse Opposition.

Ortsplaner Reto Affolter erläuterte, dass zuerst das Räumliche Leitbild erarbeitet werden muss, auf das sich die anschliessende Ortsplanungsrevision (Opla) abstützt. Die Leitsätze des Leitbilds sind behördenverbindlich, aber nicht Grundeigentümer verbindlich. Diese können dann in der Auflage der Opla Einsprache halten.

Bevölkerung wächst

Affolter führte durch die Leitsätze und nannte auch Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung. In den Jahren 2000 bis 2016 wuchs diese von 3135 auf 3532 Einwohner. Ein Prozent mehr Einwohner pro Jahr lautet nun die Prognose. In 15 Jahren wäre Luterbach bei rund 4000 Einwohnern. Kritische Masse wäre, was aber nicht angestrebt werde, eine Bevölkerung mit 4500 Seelen. «Ab dann geht es ans Lebendige», so Nussbaumer. Dann müsste massiv investiert werden in neue Infrastruktur. Die Statistik zeigt zusätzlich, dass gerade im letzten Jahr ein grosser Sprung von 3359 auf 3532 Einwohner gemacht wurde.

Das Bevölkerungswachstum war auch in der Fragerunde ein Thema. Dazu beigetragen hat sicher die neue Situation mit dem Engagement des Biotechkonzerns Biogen im Attisholz Süd. Können da die Prognosen aufrechterhalten werden?

Die Unsicherheit ist spürbar, wie sich die Schaffung von Hunderten von Arbeitsplätzen auf Luterbach auswirken wird. Einerseits möchte man profitieren, andererseits den dörflichen Charakter bewahren. Von Seiten der Anwesenden kam die Frage, ob man mit dem Räumlichen Leitbild nicht mehr steuern müsste, damit die Bevölkerungszahl nicht unkontrolliert steigt?

Verdichten ja, aber mit Qualität

Das Bemühen, das Bevölkerungswachstum zu steuern ist im Leitbild spürbar. So will man die grossen ausgeprägten Einfamilienhausquartiere beibehalten, und nicht einer wuchernden Verdichtung opfern. «Diese Quartiere zeichnen Luterbach aus.» Etliche Leitsätze betreffen künftige Bauten. Baulücken sollen geschlossen werden. Künftig sollen minimale und maximale Nutzungsziffern die gewünschte Dichte bringen. Neu eingezontes Land muss innert Frist überbaut werden. Der Ortskern soll gestärkt werden. Mit der Möglichkeit dort eine hohe Nutzung zu erreichen, sollen Investoren angelockt werden. Und im Bachacker, ist gar ein Hochhaus mit Aussicht auf Golfplatz, «Biogen» und Dorf angedacht.

Im Bereich Verkehr und Mobilität rückt auch ein attraktiveres Bahnhofareal in den Blickpunkt. Dort soll eine Querung über die Geleise das Dorf und das Industriegebiet Attisholz Süd verknüpfen. Angedacht ist eine neue Nord-Süd-Busverbindung. Im Bereich Natur profitiert Luterbach von einer Steigerung der Attraktivität mit den Arbeiten an der Emme und dem geplanten Uferpark an der Aare. Zudem soll der Gewässerraum von Bächen und Flüssen ausgeschieden werden.