Wie soll die Gemeinde in der nächsten Legislatur geführt werden? Die Einwohnerzahl steigt stetig an und der Zeitaufwand für das Gemeindepräsidium ist gross. Ist das Milizsystem überhaupt noch sinnvoll?

Im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen dieses Jahr hat der Gemeinderat den Berater Thomas Gehrig mit seiner Firma AGET Consult in Wiedlisbach damit beauftragt, eine Aufwandanalyse des Gemeindepräsidiums und der Rats-Ressorts vorzunehmen. Gehrig hat zu diesem Zweck mit allen Ratsmitgliedern sowie mit der Gemeindeschreiberin Gabriella Meili und der Finanzverwalterin Annelise Schütz Interviews geführt. Daraus hat er drei mögliche Organisationsvarianten entwickelt und diese am Donnerstag dem Gemeinderat vorgestellt. Die erste Variante heisst «Fondamento».

Sie gewährleistet den Milizcharakter des Gemeindepräsidiums und stärkt die Verwaltung, das Fundament. Die Rolle der Gemeindeschreiberin würde mit der Übernahme der Verwaltungs- und Personalführung gestärkt. Dies hat den Vorteil, dass das Präsidium miliztauglich ist und eine ausgeglichene Belastung der Gemeinderatsressorts herrscht. Nachteile bestünden jedoch darin, dass der Kapazitätsausbau der Verwaltung zusätzliche Stellenprozente und damit Mehrkosten verursacht. «Fondamento» stärkt den Milizcharakter des Gemeinderates und verlagert die Führungsverantwortung in Richtung Verwaltung», so Gehrig.

Mehr Macht für das Präsidium?

In der zweiten Variante, «Doppio», bilden Präsidium, Vizepräsidium und Gemeindeschreiberin eine «Gemeinde-Entwicklungskommission». Das Präsidium wäre dadurch immer noch voll miliztauglich. «Ein Vorteil ist, dass durch den starken Vizegemeindepräsidenten eine politische Ausgewogenheit und Stabilität herrscht», so Gehrig. Auch hier entstünden jedoch Mehrkosten durch den Ausbau der Verwaltung. Zudem könnte es sein, dass die restlichen Ressorts durch die Entwicklungskommission abgewertet würden.

Die dritte Variante heisst «Faro» – Leuchtturm. Der Leuchtturm steht dabei symbolisch für das Gemeindepräsidium, welches eine politisch-administrative Gemeindeführung aus einer Hand gewährleistet. Es verfügt über sehr viele Kompetenzen und führt die Gemeinde in einem Teilamt, welches eindeutig einer Berufskomponente entspricht.

Die Milizkomponente wird dadurch geschwächt, was ein Nachteil sein kann. Positive Aspekte der «Führung aus einer Hand» wären die hohe Reaktionsgeschwindigkeit und die geklärte Koordination. Die Voraussetzungen für das Präsidium wären zudem berechenbarer. «Man weiss, worauf man sich einlässt und welche Auswirkungen dies auf die berufliche Situation hat», so Gehrig.

Der Gemeinderat hat die Ausführungen von Thomas Gehrig positiv zur Kenntnis genommen und ihn zudem mit weiteren Interviews beauftragt. Auch die Kommissionspräsidien und weitere Verwaltungsangestellte sollen nun befragt werden. Die vorgestellten Varianten wird der Gemeinderat dann demnächst in einem Workshop mit Thomas Gehrig beraten. 

AEK-Aktien werden nicht verkauft

Da die BKW die AEK übernommen hat und nun AEK-Aktien kaufen möchte, hat Recherswil wie auch andere Kleinaktionäre ein Kaufangebot von 30 000 Franken pro Aktie erhalten. Der Rat beriet deshalb am Donnerstagabend, ob die vier gemeindeeigenen Aktien verkauft werden sollen.

Das Finanzbüro der Gemeinde hat den Verkauf empfohlen, da somit 120 000 Franken liquide Mittel generiert werden könnten, die zur Reduktion neuer Schulden dienen würden. Der Gemeinderat war aber anderer Meinung. «Ich fände es schade, wenn wir alle Aktien verkaufen. Als Aktionär hat man immerhin noch ein gewisses Mehrwissen. Das Geld geht schliesslich nicht verloren», erklärte Gemeinderat Daniel Murer (FDP).

Peter Christen (SP) ergänzte, dass man im Finanzplan nicht mit dieser Einnahme rechne. Er sehe deshalb nicht ein, wieso man verkaufen solle. Mit fünf Stimmen entschied sich der Rat gegen die Empfehlung des Finanzbüros. Der Einwand von Maria Rothenbühler (CVP), zwei Aktien zu verkaufen und zwei zu behalten, erhielt nur zwei Stimmen. Folglich wird Recherswil alle vier Aktien behalten.