Recherswil

Wie Grundwasser die Ortsplanung tangiert

Das Dorfzentrum in Recherswil soll eine Akzentuierung erfahren. Ein erster Schritt erfolgte mit der Überbauung im Zentrum und der Einweihung des dort liegenden, neuen Begegnungsplatzes.

Start zur Mitwirkung in der Ortsplanungs-Revision von Recherswil: Die Veränderungen halten sich in Grenzen. Eingaben können bis Ende Mai eingereicht werden.

Gut 20 Personen interessierten sich für den Informationsanlass zum Start der Mitwirkung in der Ortsplanungs-Revision. Im Werkhof-Saal orientierte Planer Christian Sigrist über die bisherigen Arbeiten. Dabei stellte sich heraus, dass bereits einige Bevölkerungsgruppen an der Revision mitarbeiten konnten. Insbesondere Direktbeteiligte von Änderungen und Landwirte wurden von der Arbeitsgruppe schon vorgängig kontaktiert, ebenso Besitzer von unbebautem Bauland.

Damit sei eine Zielsetzung, so Sigrist, erfüllt worden, nämlich die Berücksichtigung aller Interessen bei der Planung. Die weiteren Ziele der Revision seien: den erforderlichen Raumbedarf für die geplante Entwicklung sichern, Siedlung, Verkehr, Umwelt, Landschaft und Landwirtschaft in Einklang bringen, neue Baubegriffe integrieren und gehortetes Bauland aktivieren. Der letzte Punkt sei schwierig zu erreichen gewesen, erklärt Sigrist. Es fehlen gesetzliche Grundlagen. Man habe aber einiges in Gesprächen erreichen können.

Hoher Grundwasserspiegel

Eine Besonderheit von Recherswil ist der hohe Grundwasserspiegel. Das sehe man auch an den vielen Gebäuden mit Hochparterre-Etagen. Unterirdische Parkplätze können für Liegenschaftsbesitzer teuer werden. Also beanspruchen überdurchschnittlich viele Parkplätze oberirdisch Landflächen. Dies hat Auswirkungen auf die Überbauungsziffer. Bisher wurde die Grösse von Bauten mit der Ausnützungsziffer beschrieben, das heisst mit der Bruttogeschossfläche in Abhängigkeit zur Landfläche. Neu gilt die Überbauungsziffer, die die überdachte Fläche in Bezug zur Landfläche bringt.

Oberirdische Garagen oder Garagenhallen zählen auch zur überdachten Fläche. «Wir haben die neuen Baumasse aufgrund von Quartieranalysen festgelegt», erklärte Sigrist. Es sei keineswegs klar, wie sich die festgelegten Masse auswirken werden. «Da werden wir alle im Kanton in den nächsten Jahren unsere Erfahrungen sammeln.» Aber mit der Quartieranalyse erhoffe man sich annäherungsweise das richtige Resultat für Recherswil, wobei die neuen Baumasse so gewählt wurden, dass künftig eine grössere Ausnutzung möglich wird.

Neue Baulinien

Eine Änderung, die für viele Liegenschaftsbesitzer Auswirkungen haben kann, betrifft die Baulinie. Bisher galt es einen Abstand von 5 Metern einzuhalten. Neu darf bis auf 4 Meter an die Liegenschaftsgrenze gebaut werden.

Ein- und Auszonungen halten sich in etwa die Waage. Wobei zu den Auszonungen auch die zusätzlichen Flächen durch die Vergrösserung der Uferschutzzone gezählt werden. Galt bisher links und rechts des Gewässers ein Streifen von 2 Meter als Schutzzone, sind es neu mit der Bachbreite insgesamt mindestens 11 Meter. Wird der Bach breiter, wird auch die Uferschutzzone breiter. In der Bauzone, so die Abmachung mit dem Kanton, gilt aber überall das Mindestmass von 11 Metern. Wichtig ist hier, dass Besitzstandswahrung gilt. Was schon steht, muss nicht abgerissen werden und kann auch saniert werden. Neues ist aber in der Uferschutzzone künftig kaum möglich. Die Einzonungen halten sich in Grenzen und betreffen Umzonungen von Industrieland, beispielsweise von unbebauten Parzellen an der Autobahn, sowie von Reserve- oder nicht mehr benötigtem öffentlichen Land.

Konkrete Auszonungen sind in der Madackermatten und an der Westringstrasse geplant. In Madackermatten geschieht dies in Einklang mit den Wünschen des Landwirtes. Dort wird die bisher geltende unbebaute Bauzone – eine Bautiefe entlang der Hauptstrasse – wieder zu Landwirtschaftsland. Wobei bestehende Bauten in der Bauzone verbleiben. An der Westringstrasse habe sich der Kontakt mit dem betroffenen Liegenschaftsbesitzer als schwierig herausgestellt. Welche Absichten dieser mit dem unbebauten Land hat, habe die Arbeitsgruppe nicht herausfinden können. Nun hat man das Land ausgezont.

Naturinventar

Am meisten zu reden gab am Informationsanlass die neue Uferschutzzone sowie das Naturinventar. Dieses wird parallel zur weiteren Erarbeitung der Ortsplanungs-Revision von einem Büro erhoben. Einerseits äusserte sich ein Teilnehmer negativ zu dem vom Bund verordneten Inventar, weil die Erarbeitung nicht unerhebliche Kosten verursacht, die die Gemeinde tragen muss. Zudem fragte man sich, wer für den Unterhalt von geschützten Bäumen aufkommen müsse, oder für den Schaden, falls diese Bäume auf Liegenschaften fallen.

Die Mitwirkung läuft bis Ende Mai. Die Eingaben werden verarbeitet und entweder berücksichtigt oder nicht. Ziel sei es, noch in diesem Jahr die Ortsplanungs-Revision auflegen zu können.

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