Als die Industrialisierung in der Uhrenindustrie in den 1870er-Jahren richtig Fahrt aufnahm, gründete Oberst Johann Viktor Kottmann (1822–1881) in Langendorf die «Langendorf Watch Company». Kottmann leistete als Dragonerkorporal Dienst im Sonderbundskrieg. Später wurde er Brigadekommandant, und von 1877 bis zu seinem Tode befehligte er die 4. Division der Schweizer Armee. 1873 stellte Kottmann die Herstellung von Tabakprodukten und Zichorie in Langendorf ein und widmete sich alsdann allein der Fabrikation von Bestandteilen und Rohwerken für Uhren.

Zu Beginn der 1880er-Jahre übernahm sein Neffe, Karl Kottmann (1844– 1890), die Leitung des Unternehmens. Nur sieben Jahre nach der Gründung wurden bereits 800 Personen beschäftigt. Der neue Chef legte grossen Wert auf die Mechanisierung des Betriebes, aber auch auf die Wohlfahrt der Arbeiterschaft. Karl Kottmann förderte sie mit einer fortschrittlichen Betriebsverpflegung, einer soliden Invalidenkasse und einer Kinderkrippe; im Weiteren unterstützte er die Gründung von Dorfvereinen.

Gegen Ende des Jahrhunderts war die Langendorf Watch Company die grösste Rohwerkfabrik der Schweiz; sie setzte mehr Maschinenkraft ein als ihre beiden Hauptkonkurrenten Omega und Longines. Gegen die Jahrhundertwende begann sie unter der Marke «Lanco» Fertiguhren herzustellen. Diese genossen auf dem Weltmarkt bald einen ausgezeichneten Ruf, namentlich in England, den osteuropäischen Ländern und den USA. Bis in die 1920er-Jahre stieg die jährliche Fertiguhrenproduktion auf rund 750'000 Stück.

Aufstieg zur Traditionsmarke

Die Langendorf Watch Company galt als sehr innovatives Unternehmen. Als Karl Kottmann am 16. Januar 1890 überraschend starb, setzte der Verwaltungsrat den technischen Leiter, Lucien Tièche, als Direktor ein. Er legte Wert auf grösstmögliche Mechanisierung. Spezialmaschinen für die Fabrikation komplexer Uhrenteile stellte man im eigenen Hause her. Bereits ums Jahr 1900 herum montierte man in Langendorf Uhrwerke am Fliessband. Und bald darauf gliederte man eine eigene Zifferblatt- und Gehäusefabrikation an.

Die Unternehmenskultur blieb stets geprägt durch eine starke Affinität zur Technik. So war es kein Wunder, dass die Langendorf Watch Company anfangs der 1960er-Jahre als Erste Automaten für die rationelle Montage von Fertiguhren entwickelte. Diese Systeme wurden in der eigenen Fabrik eingesetzt und unter der Bezeichnung «Lanco Economic» an Dritte verkauft.

Die Langendorf Watch Company blieb über mehrere Generationen im Besitze der Familie Kottmann. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die jährliche Fertiguhrenproduktion sukzessive auf mehr als eine Million Stück zu. Das Label «Lanco» entwickelte sich zu einer starken Traditionsmarke für Ankeruhren im mittleren Preissegment. Bis in die 1960er-Jahre konnte sie sich in allen wichtigen Regionen des Weltmarktes hervorragend etablieren.

Die Eingliederung in die SSIH

Die «SSIH Société Suisse pour l’Industrie Horlogère SA», damals grösste schweizerische Fertiguhrenfabrikantin, leitete 1963 einen Strategiewechsel ein. Als Dachholding von Omega und Tissot wollte sie Ankeruhren nicht nur in den oberen, sondern auch im mittleren und unteren Preissegment in guter Qualität anbieten. Sie strebte eine Verdoppelung des damaligen Produktionsvolumens von jährlich 1,7 Millionen Uhren bis 1970 an.

Dieses Ziel war weder mit den bestehenden Produktionskapazitäten noch mit organischem Wachstum zu realisieren. Auch Arbeitskräfte waren nicht leicht zu finden. Da drängte sich die Annäherung an das knapp tausend Personen beschäftigende Traditionshaus Lanco geradezu auf. Erste Kontakte zu den beiden Direktoren Hans und Guido Kottmann knüpfte die SSIH im Jahre 1964. Der Zeitpunkt schien günstig, weil die spätere Nachfolgeregelung für die beiden Herren noch offen war. Als Hans und Guido Kottmann 1965 kurz nacheinander starben, war die Familie bereit, das Unternehmen zu veräussern.

Grosses Interesse daran zeigte neben der SSIH auch die ETA SA in Grenchen, die vom legendären Uhrenpatron Rudolf Schild-Comtesse geleitet wurde. Die SSIH machte das Rennen und übernahm die Lanco durch einen Aktientausch. Die Erwartungen erfüllten sich allerdings längerfristig nicht; es kam alles anders, als man dachte!

Vorzeichen des Niedergangs

Bereits in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre begann sich das weltweite Uhrengeschäft von einem Verkäufer- in einen Käufermarkt zu wandeln; dieser Trend setzte sich in den Sechzigern fort. Die Preise gerieten unter Druck, die Margen schrumpften. Und die Konkurrenz aus Japan verstärkte sich ungemein. Während die Schweizer im Uhrenexport jährliche Steigerungsraten von vielleicht fünf Prozent ausweisen konnten, erreichten die Japaner solche von dreissig Prozent.

Diese Diskrepanzen gingen nicht nur auf Dumpingpreise Nippons zurück, sondern vielmehr auf dessen modernere Produktionsverfahren. Die japanische Uhrenindustrie war stark vertikalisiert. Sie verfügte über wenige Grossbetriebe, die ihre Herstellungsprozesse aus einer Hand steuerten. In der Schweiz dagegen war die Uhrenproduktion horizontal organisiert. Es bestanden unzählige Klein-, Kleinst- und Mittelbetriebe, die unabhängig voneinander teilhatten am Produktionsprozess. Diese Strukturen, die übrigens durch die schweizerische Gesetzgebung im Rahmen des Uhrenstatutes über Jahrzehnte geschützt waren, liessen wenig Spielraum offen für die Steigerung der Produktivität.

Auch beim Marketing hatten die Japaner die Nase vorn. Sie vertrieben die Uhren vorwiegend unter ihren firmeneigenen Namen, wie Seiko, Citizen oder Casio. Die Schweizer dagegen traten auf dem Weltmarkt mit unzähligen Marken auf, was deren Bekanntheitsgrad einschränkte. Als 1961 mit der schrittweisen Aufhebung des Uhrenstatutes die Liberalisierung Einzug hielt, war der Nachholbedarf für Rationalisierungen enorm.

Weil aber der Schweizerfranken gegenüber dem US-Dollar in den 1960er-Jahren fast durchweg stark unterbewertet war, konnte die schweizerische Uhrenindustrie die dringend notwendigen Strukturanpassungen noch aufschieben. Mit der Einführung flexibler Wechselkurse durch die Amerikaner und den Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods zu Beginn der 1970er-Jahre ging die Schonfrist definitiv zu Ende. Der Kosten- und Rationalisierungsdruck stieg ins Unerträgliche.

Lanco wird vom Markt gefegt

Die SSIH, die sich im Jahre 1971 durch die Übernahme der ESTH Economic Swiss Time Holding noch verstärkte, war ein Jahr später aus Kostengründen gezwungen, ein neues Industrie- und Marketingkonzept einzuführen. Dieses umfasste die drastische Reduktion der Kaliber- und Modellvielfalt sowie die Verringerung der Produktionsstätten von drei auf zwei Zentren. Nach konzerninternem Feilschen zog Langendorf gegenüber Biel (Omega) und Le Locle (Tissot) den Kürzeren.

Die Langendorf Watch Company musste die Rohwerk- und Bestandteileherstellung aufgeben. Ein Viertel der Belegschaft wurde 1972 entlassen. Der Firma verblieben lediglich das Montagezentrum, die Fabrikation von Zifferblättern, das Décolletage und die Herstellung der Montagesysteme Lanco Economic. Der letztere Zweig wurde 1981 durch ein Management-Buy-out verkauft.

Die Marke Lanco fiel einem Schattendasein anheim. Durch die spätere Fusion der SSIH mit der ASUAG (1983) gelangte sie in den Besitz der SMH, der Vorgängerfirma der Swatch Group. In deren Geschäftsbericht 2017 erscheint sie mit dem Zweck einer Verwaltungsgesellschaft als «Lanco Watches Ltd. Hongkong». Und in Langendorf, wo einst der stolze «Lanco-Turm» über dem Mittelland als Symbol für schweizerische Qualitätsuhrmacherei thronte, steht heute ein riesiger Migros Markt.