Biberist/Derendingen

Wie der Tunnel unter der Emme ohne Pumpe gebaut wird und was Archimedes damit zu tun hat

Die Rohrvortriebsarbeiten für den ZASE-Emmedüker Biberist-Derendingen haben begonnen. Die Länge des Tunnels beträgt rund 100 Meter, der Durchmesser 1.20 Meter (innen) und die Baukosten werden auf 2.8 Mio. Franken beziffert.

Seit Donnerstag «frisst» sich, ausgehend von einem 10 Meter tiefen Startschacht am linken Ufer der Emme am Ende des Giriz-Quartiers in Biberist, eine Tunnelbohrmaschine mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Zentimeter pro Stunde rund 4 Meter unter dem Flussbett auf die Derendinger-Seite. Mit einer Länge von 3.60 Meter und einem Aussendurchmesser von 1.50 Meter ist sie zwar einiges kleiner als ihre grosse Schwester am Eppenberg-Tunnel, arbeitet aber nach dem gleichen Prinzip.

Auslöser für diesen Einsatz sind die in diesem Bereich geplanten Massnahmen für den Hochwasserschutz. Dadurch kann eine wichtige Abwasserleitung des Zweckverbandes der Abwasserregion Solothurn-Emme ZASE, welche dort in einer vorhandenen Schwelle die Emme quert, nicht länger aufrechterhalten bleiben. Es muss frühzeitig ein Ersatz geschaffen werden, in Form eines «Dükers» unter der Emme hindurch. Da eine offene Bauweise aus Gründen des Gewässerschutzes nicht möglich ist, wurde entschieden, die Querung im sogenannten Micro-Tunneling-Verfahren vorzunehmen. Dabei wird hinter dem Schneidkopf, welcher das Gestein ausfräst, mit starken hydraulischen Pressen ein Stahlbetonrohr nachgeschoben.

Ohne Pumpe

Die Länge des Tunnels beträgt rund 100 Meter, der Durchmesser 1.20 Meter (innen) und die Baukosten werden auf 2.8 Mio. Franken beziffert. Die geologischen Verhältnisse vor Ort, aber auch der geometrische Verlauf des Vortriebs stellen erhöhte Anforderungen an das Personal und die Technik. Während die ersten 50 Meter des Dükers in etwa horizontal verlaufen, folgt anschliessend eine enge Kurve nach oben. Dies ist eine besondere Herausforderung für die Steuerung.

Aber wie kommt Abwasser, nachdem es im Startschacht des Dükers rund 10 Meter nach unten gestürzt ist, auf der anderen Seite wieder nach oben? Nun, das hat ein griechischer Mathematiker namens Archimedes schon vor über 2000 Jahren herausgefunden: Wenn der Wasserspiegel im Zulauf deutlich höher ist als im Ablauf, funktioniert das auch ohne Pumpen.
In einem zweiten Teilprojekt werden anschliessend die oberwasser- und
unterwasserseitigen Zu- und Abläufe der Kanalisation angepasst. Die
Inbetriebnahme ist für Frühling 2018 vorgesehen. (mgt)

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