Klaus Baumgartner ist tot
Wie der Buchsi-Giel zum Berner Stapi mit Zukunftsvision wurde

Klaus Baumgartner, langjähriger Präsident und visionärer Gestalter der Hauptstadt, ist gestorben. Durch seine Rolle als Stapi wurde er berühmt - doch eigentlich hatte er das Präsidium in Bern gar nie gesucht.

Samuel Thomi
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Klaus Baumgartner

Klaus Baumgartner

Im Farnsberg in Herzogenbuchsee ist er aufgewachsen. In Langenthal machte Klaus Baumgartner eine KV-Lehre, nachdem er in Solothurn von der Kanti geflogen war. Ansonsten, so drohte sein Vater, müsse er bei ihm im Stahlwerk Gerlafingen als Handlanger sein Geld verdienen.

Über den Oberaargau hinaus bekannt geworden ist der am Donnerstag, kurz vor dem 78. Geburtstag, verstorbene Klaus Baumgartner dann in Bern. Und das, obwohl er das Präsidium der Hauptstadt (1992–2004) eigentlich nie gesucht hatte.

«Ich wollte ja Lokführer oder Pilot werden», sagte er vor sieben Jahren. «Die Weichenstellungen in meinem Leben kamen immer unerwartet.» Auf dem zweiten Bildungsweg studierte Baumgartner Volkswirtschaft und Soziologie, arbeitete für die UNO im Kongo und war Direktionssekretär des Bundesamtes für Wohnungswesen.

Ehe die Partei an die Tür klopfte und der Buchsi-Giel Berner Gemeinderat und vier Jahre später überraschend Stapi wurde. Und zwar in stürmischen Zeiten: Damals übernahm in Bern das Rot-Grün-Mitte-Bündnis in Parlament und Regierung die Mehrheit.

Der Stadtvater, wie ihn Freund und Feind rasch nannten, blieb dennoch stets auf dem Boden. So bilanzierte er in einem der seltenen Interviews nach seinem Rücktritt: «Ich hatte nie die Optik eines grossen Politikers.»

Ohne ein Visionär zu sein, kämpfte der Pragmatiker, der in der immer schnelllebigeren Zeit zunehmend aus dem Rahmen zu fallen drohte, dennoch hartnäckig für seine Ideen. «Ich künde keine Projekte an, sondern spreche erst, wenn sie ausgehandelt sind.» Sein Vermächtnis wirkt bis heute nach:

Gegen viel Skepsis aus dem Westen der Stadt und aus den eigenen Reihen half der SP-Mann der Überbauung Bern-Brünnen mit dem Einkaufszentrum Westside nach über vier Jahrzehnten Planung zum Durchbruch.

Auch das Stade de Suisse, das Zentrum Paul Klee sowie die Umgestaltung des Gurten und des Bahnhofplatzes mit dem Baldachin sind Grossprojekte, die namentlich Baumgartner vorangetrieben hat. Verwehrt blieben ihm die Olympischen Winterspiele 2010.

Der «blonde Bär» (Wahlslogan 1992) war allerdings nicht nur die Ruhe in Person. Etwa in der Regierungskrise 2003, als der Gemeinderat seinem streitbaren Mitglied Kurt Wasserfallen (1947–2006) die Polizei entzog.

Wenn nötig konnte Baumgartner seine Krallen ausfahren. So focht er 2001 eine selber beschlossene Mietzinserhöhung für seine städtische Herrschaftswohnung als Privatmann an, was national für Schlagzeilen sorgte.

Nach dem Rücktritt als Stapi hielt sich Baumgartner politisch zurück. Im Hintergrund blieb er aber aktiv, etwa als Präsident des Kaufmännischen Verbands.

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