Deitingen

«Wie auf einem türkischen Basar»: Keiner will Budgetkürzungen vornehmen

Werden die Budgetdiskussionen im Gemeindehaus von Erfolg gekrönt sein?

Der Gemeinderat von Deitingen konnte in der ersten Lesung das Minus nicht eliminieren.

Viel gesagt und doch kaum etwas erreicht – so lautet das Fazit von Gemeindeverwalter Christoph Lütolf nach mehrstündigen Budgetverhandlungen im Deitinger Gemeinderat. «Es kommt mir vor wie auf einem türkischen Basar», erklärte Lütolf. Wer am lautesten rufe, der bekomme es, während die anderen leer ausgingen.

Die Ausgangslage gestaltete sich indes klar und gleichzeitig schwierig: Deitingen muss den Rotstift ansetzen. Denn bei der ersten Lesung des Budgets 2020 weist die Gemeinde einen Aufwandüberschuss von gut 100'000 Franken auf. «Aus meiner Sicht muss da am Ende eine schwarze Null stehen, um keinen weiteren Bilanzfehlbetrag zu provozieren», sagte Michael Tüfer, Ressortchef Finanzen.

«Grosse Brocken sind noch in der Schwebe»

Wie dies zustande kommen soll, da scheiden sich im Rat allerdings die Geister. Die Ressortleiter verteidigten die meisten ihrer Eingaben gegen allfällige Streichungen aus dem Budget. Nach einer rund dreistündigen Diskussion hatten sich schliesslich 10 bis 15 Posten mit Sparpotenzial herauskristallisiert, die auf die kommende Sitzung aber zunächst noch konkret geprüft werden müssen.

Für den Gemeindeverwalter deutlich zu spät. «Es ist nicht seriös, mit so vielen offenen Posten in eine zweite Lesung zu gehen», mahnte Lütolf. Ausserdem müsste nach einer ersten Budgetlesung eine gewisse Tendenz sichtbar sein. Dies sei jedoch nicht der Fall, da die ganz grossen Brocken noch alle in der Schwebe seien.

Ins gleiche Horn stiess auch Tüfer. Der Ressortchef Finanzen erklärte seinen Ratskollegen, dass sie bereits vor der Budgetdebatte zusammen mit ihren Kommissionen die Ausgaben «bis aufs Blut» hätten runterdrücken müssen. «Es ist nicht mein Job, euch dies jedes Jahr aufs Neue sagen zu müssen», so Tüfer.

«Schon unzählige Abstriche gemacht»

Gegen diese Vorwürfe wehrten sich die übrigen Ratsmitglieder. Sabine Scheidegger (Ressort Bildung) etwa erklärte, dass sie zwei Stunden mit den Schulvertretern am Tisch gesessen sei und unzählige Abstriche gemacht habe. Aus diesem Grund habe sie sich nun auch vehement gegen weitere Kürzungen gestemmt. Auch Jan Binzegger (Ressort Sicherheit und Liegenschaften) erläutert, dass es zu vielen Gesprächen und anschliessenden Streichungen gekommen sei. «Was wir jetzt hier sehen, ist bei Weitem nicht alles», sagte Binzegger.

Dies liess Tüfer allerdings nicht gelten und forderte seine Kollegen auf, nochmals rigoros Kürzungen vorzunehmen. «Du kannst nicht sanieren, wenn kein Geld vorhanden ist, und es ist schlicht und ergreifend keines da», so Tüfer. Zehn Tage haben die Ressortleiter nun Zeit, um nochmals über die Bücher zu gehen, damit die Zahlen bei der zweiten Budgetlesung Ende Oktober schliesslich «verhäbe».

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