Selzach

Wertvolle Arbeit: Freiwillige helfen beim Facelifting für die Magerwiesen im Jura

Eine Gruppe von freiwilligen Helferinnen und Helfern des Projekts Bergwald Jura ist diese Woche auf den Juraweiden oberhalb von Selzach im Einsatz. Das Magerwiesen-Schutzgebiet wird vorwiegend in Handarbeit von Gestrüpp befreit.

Ein fester Stand für beide Füsse im Steilhang, dann tritt die Baumschere in Aktion. Dicht über dem Boden wird die Hagebutte gekappt. Schwungvoll wirft Karl Redemann die Dornenranke auf die Militärblache neben sich auf der Wiese. Ein bedächtiger Rundblick, dann steigt er vorsichtig zwei Meter höher, um dem nächsten von den Rindern verschmähten Gestrüpp den Garaus zu machen. Diesmal ist es eine kleine Esche. Diese ganze Woche hat Redemann zusammen mit sieben weiteren Freiwilligen in den Dienst des Bergwaldprojekts Jura gestellt.

Die Aufgabe: Eine Bergtrockenweide von nationaler Bedeutung oberhalb von Selzach von Dornenranken und Baumschösslingen befreien. Weder Schnee und Regen noch Wind und Kälte halten die Gruppe von ihrer Arbeit ab. Am Mittag begnügt sie sich mit einem Lagerfeuer in einem windgeschützten Winkel der Juraflanke und einem Kessel Suppe, den die Lagerköchin im Naturfreundehaus Schauenburg vorbereitet hat. Der Lohn der Mühen: die Freude an der körperlichen Anstrengung für einen guten Zweck. Der Einsatz, der heuer zum zweiten Mal auf der Weide im Mittleren Brüggli stattfindet, sorgt dafür, dass dort die aussergewöhnlich grosse Vielfalt von Pflanzen und Insekten nicht vom Bergwald verschlungen wird.

Die meiste Arbeit erfordert Muskeleinsatz

Das Bergwaldprojekt Jura steht unter der Leitung der Kreisförsterin Lebern und Bucheggberg, Daniela Gurtner. Zwei Wochen pro Jahr setzt sie für diese Artenschutzaufgabe ein. Die meiste Arbeit wird mit Muskelkraft und einfachen Werkzeugen erledigt. Nur bei besonders dichtem und verholztem Gestrüpp kommen zwei motorisierte Trimmer zum Einsatz. «Die Leute sind froh, wenn sie nicht ständig Motorenlärm ausgesetzt sind», weiss Gurtner aus Erfahrung.

Neben der Arbeitseinweisung erklärt die Kreisförsterin wissenschaftliche Zusammenhänge rund um gebirgige Trockenwiesen. Ausserdem kümmert sie sich zusammen mit ihrer Assistentin Aurelia Darms um die Arbeitssicherheit. Diese hat im nassen und rutschigen Steilhang höchste Priorität. Nur wenn die Standfestigkeit und das Gleichgewicht hergestellt sind, kann man Baumschere und Säge sicher handhaben.

Mehr Licht für wertvolle Bäume

Methodisch arbeitet sich die Gruppe in Streifen von unten nach oben. Die Leiterinnen achten darauf, dass die Mitglieder sich nicht zu weit voneinander entfernen. So wird der Hang am schnellsten gesäubert. Dabei bleiben Strukturelemente, wie kleine Baumgruppen, intakt. Sie erhalten höchstens eine Verjüngungskur, sodass wertvolle Bäume mehr Licht und Platz bekommen. Zudem ist durch die Nähe gewährleistet, dass eine helfende Hand innert Sekunden zupacken kann.

Nach manch zaghaftem Beginn hat Gurtner es erlebt, wie Helfer Ehrgeiz entwickelt haben. «Die Entbuschungsarbeit schärft den Blick. Manchmal will man nicht aufhören, sieht immer noch eine Staude. Ich habe es schon erlebt, dass sich jemand kaum mehr Zeit zum Essen gönnen wollte», sagt sie und lacht.

Mehrere Projekte ergänzen einander

Neben der Natur profitiert der Inhaber der ökologisch wertvollen Weide vom Arbeitseinsatz. Urs Wyss ist begeistert vom Engagement der Freiwilligen: «Die Leute sind alle voll motiviert. Bereits nach dem Einsatz letztes Jahr war die Verbesserung klar zu sehen.»

Schon sein Vater und sein Onkel hätten bei der Bewirtschaftung des Hofes auf den Umweltschutz gesetzt. Das bedeutet eine Menge Handarbeit, mehr, als Wyss im Einmannbetrieb bewältigen kann. Regelmässig legt unter anderem Pro Work Grenchen auf den Weiden im Mittleren Brüggli Hand an. Die Pro Work-Gruppen rücken auch den Disteln und Blacken zu Leibe, die vom Bergwaldprojekt Jura nicht entfernt werden. Projektleiterin Gurtner erklärt, dass diese Unkräuter im Frühling entfernt werden müssen, bevor sie versamen, und nicht im Herbst.

Trotz der lokalen Unterstützung bedrängt der Wald das Schutzgebiet unterhalb der Schauenburg – und dieses umfasst mehr als zehn Hektaren Fläche. So habe Wyss sich beim Selzacher Förster, Thomas Studer, nach weiteren Projekten zur Entbuschung erkundigt und von der Stiftung Bergwaldprojekt erfahren. Bei den ökologisch wertvollen Trockenweiden dürfen weder Dünger noch Unkrautvertilgungsmittel zum Einsatz kommen. Da braucht es über die Jahre viele helfende Hände, damit die Schmetterlinge und Käfer, Gräser und Kräuter auch künftig gedeihen können.

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