Selzach

Wer soll die Schneeräumung zur Bergwirtschaft übernehmen? Der Wirt oder die Gemeinde

Besitzer Mario Gerber will für die Schneeräumung der Zufahrt auf seinen Hof mehr Geld von der Gemeinde Selzach.

Besitzer Mario Gerber will für die Schneeräumung der Zufahrt auf seinen Hof mehr Geld von der Gemeinde Selzach.

Der Besitzer des Restaurants Schauenburg in Selzach bittet die Gemeinde, die Kosten zu übernehmen.

Die Schneeräumung auf den Jurastrassen im Gemeindegebiet von Selzach ist ein ewiges Politikum. Erneut liegt ein Begehren von Mario Gerber vom Bergrestaurant Schauenburg auf dem Tisch des Gemeinderates. Er beantragt, dass die Gemeinde die Schneeräumung oder deren Kosten zu 100 Prozent übernimmt. Als dritte Variante schlägt er eine pauschale Leistung der Gemeinde für die Kosten in der Höhe von 13 468 Franken vor. Dies rückwirkend für die Saison 2018/19, hat er doch schon im September 2018 ein erstes Gesuch eingereicht. «Wir haben 2013 den Hof erworben und nun schulpflichtige Kinder. Unser Vorgänger hat sich leider nie um dieses Thema gekümmert», begründet Mario Gerber seinen Antrag.

Laut Bauverwalter Thomas Leimer befreit die Gemeinde nur öffentliche Strassen vom Schnee. Gerber bemängelt zwar, dass die Zufahrt zu anderen Höfen ebenfalls von der Gemeinde geräumt werden. Aber die in der Witi gelegenen Höfe beispielsweise seien mit öffentlichen Strassen erschlossen, so Leimer.

Und am Berg ist die oberste öffentliche Strasse der Panoramaweg am Waldrand. Der Weg wurde bis vor kurzer Zeit durch den Forstbetrieb Leberberg im Auftrag der Gemeinde geräumt. Dies im gleichen Gang wie die Zufahrten zum Sülshof, dies im Auftrag der Bürgergemeinde als Besitzerin, und zum Fuchsenwaldhof. Der Forstbetrieb hat in der Folge die Schneeräumungsarbeiten vollständig eingestellt. Heute werden diese Wege vom Werkhof der Gemeinde ausgeführt. Den Aufwand für den Sülshof übernimmt die Bürgergemeinde.

Wie hoch ist das Interesse der Öffentlichkeit?

Die Zufahrten zu den Berghöfen sind keine öffentlichen Strassen. Privatstrassen, grossteils im Besitz der Bürgergemeinde, erschliessen die Höfe im Brüggli, das Althüsli und das Restaurant Schauenburg. Allen werden in der Zwischenzeit 20 bis 25 Prozent ihrer Schneeräumungskosten von der Gemeinde Selzach vergütet. Die Höfe bekommen zudem weitere Beiträge von verschiedenen Seiten. Das Restaurant Schauenburg erhält aber Beiträge nur von der Einwohnergemeinde sowie der Bürgergemeinde Selzach. Letztere beteiligt sich seit zwei Jahren mit 5 Prozent (maximal 800 Franken) an den Schneeräumungskosten für den insgesamt sieben Kilometer langen Weg vom Restaurant hinab ins Känelmoos. Geld, das bisher aber nicht in Anspruch genommen worden sei, so Bürgerpräsident Eduard Flury.

Mario Gerber erklärt in seinem Antrag, dass die Öffentlichkeit ein Interesse daran habe, zu seinem Restaurant zu gelangen. Unterstützung erhält er von Viktor Stüdeli, der jahrelang die Selzacher Bau- und Werkkommission präsidierte. «Die Gemeinde soll die Kosten übernehmen. Es ist zwar eine Privatstrasse. Aber die Öffentlichkeit darf diese nutzen, um zum Restaurant zu gelangen. Es gibt kein Fahrverbot.» Er habe sich erkundigt. Die Zufahrten zu den Berghöfen im auf der Nordseite des Juras würden von den jeweiligen Gemeinden übernommen.

Wie hoch ist das öffentliche Interesse, dass die Zufahrt auch im Winter immer offen ist? «Das muss die Politik entscheiden», sagt Leimer. Das hat sie bereits 1981 getan. Das von einem Teil der «Öffentlichkeit» bestehende Interesse an einer Räumung der Bergstrassen, so der Text in der Vorlage der Bauverwaltung, wird seither mit einer Unterstützung durch die Gemeinde abgegolten. Der aktuelle Antrag lautet: «Im Sinne einer Gleichbehandlung ist es angezeigt, dass auch für die Schauenburgstrasse 25 Prozent der Schneeräumungskosten durch die Einwohnergemeinde Selzach übernommen werden.» Der Gemeinderat will aber eine höhere Abgeltung. Demnach soll Mario Gerber für die Schneeräumung der Zufahrt auf seinen Hof maximal 50 Prozent der Kosten übernehmen müssen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Einwohnergemeinde und der Bürgergemeinde sowie Gerber soll eine Lösung, die in diese Richtung geht, ausarbeiten.

Meistgesehen

Artboard 1