Schlösschen Vorder-Bleichenberg
Wenn Farben auf Linien treffen: Roman Candio und Jean Mauboulès stellen zusammen aus

Im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist zeigen Roman Candio und Jean Mauboulès die spannende Wirksamkeit gegensätzlicher Kunsthaltungen.

Eva Buhrfeind
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Ganz unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten, die sich gut verstehen: Roman Candio (l.) und Jean Mauboulès.

Ganz unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten, die sich gut verstehen: Roman Candio (l.) und Jean Mauboulès.

Hanspeter Bärtschi

Gegensätzlicher könnten die beiden Solothurner Kunstschaffenden nicht sein – so scheint es. Begegnen sich doch in den Ausstellungsräumlichkeiten des Schlösschens zwei ganz verschiedene Welten. Da ist einmal der 1935 geborene Roman Candio, für den die Farbe seit Jahrzehnten Ausdruck unerschöpflicher Mallust und Variationsfreude ist.

Ein Künstler, der mit malerischer Verve die vielfältigen Farberlebnisse, die vielen Inspirationen, das, was er in ihnen sieht und als Farbe und Form sichtet, in eine immer wieder neu durchspielte Ordnung der bildhaften und formalen Dinge verwandelt. Bei ihm scheint eins zum anderen zu führen. Manches bleibt jahrzehntelang liegen, um dann wieder entdeckt zu werden. Anderes reift aus dem Moment, um sich neu zu formen und zu fügen.

Zeigen sich die malerischen Komponenten in den früheren Arbeiten – die erotischen Frauenakte, das Komponieren von Farbe und Figur – noch weicher, fliessender, erinnern die klassischen Gartenimpressionen noch an vertraute Bildzitate. So entwickeln sich seine malerischen Geschichten, ob Figuren, Florales oder kleine Szenen, nun zunehmend zu anekdotischen Schablonen oder mosaikartigen Momenten, bis zu vereinfachten oder abstrahierten Formen aus der Natur und Geometrie.

Der «Herr der Linien»

Und dann ist da Jean Mauboulès, der «Herr der Linien», der ebenso seit Jahrzehnten in kompromisslos formaler Konsequenz mit Eisen, Stahl und Glas die ambivalenten Kräfte von Dichte und Transparenz, von Bewegung und Konzentration, von filigraner Leichtigkeit und eiserner Stabilität präzisiert. Es ist diese subtile, herausfordernde Spannung von Linie, Fläche und Raum, die den künstlerischen Grundgedanken trägt.

Wenn das Filigrane das Kompakte zu halten scheint, wenn die zeichnerisch-konkrete Geste und die eiserne Konstruktion sich im Räumlichen vereinen, das Eiserne das Gläserne als rigorose Einheit trägt oder das Fragile des Linearen die eherne Form in einem sublimen Gleichgewicht austariert als raffiniert konzipierte Imagination von Fläche und räumlicher Idee.

Um dann in der Transparenz der Glascollagen die zweidimensionale Komposition der gegeneinander gesetzten Fläche als dreidimensionale Wirkung zu suggerieren. Überhaupt zeigt sich bei dem 1943 geborenen Jean Mauboulès die Komplexität des radikal einfachen als eine meisterhaft subtile wie wandelbare Dialektik, wenn das absolute Gleichgewicht als ein absolutes Moment allein aus Linie und Fläche, Stille und Resonanz den Raum für die Betrachtung bildet.

Weit – und doch so nah

Zwei so unterschiedliche Welten also, und doch scheinen sich beide Künstler, die sich seit über vier Jahrzehnten kennen, auf eine diskrete Weise nah. Vor allem kann man es in den Räumen im Erdgeschoss erleben, in denen beide Künstler ihre Werke zusammenführen: Da ist die kalligrafische Geste, die strikte Linienführung bei Jean Mauboulès, die sich bei Roman Candio in den beschwingten Motiven und klaren Konturen wiederfindet.

Ist der eine bunt und lebhaft in Farbe und Motiven, so ist der andere rigoros in der Ästhetik, bleibt aber doch stets im «vertrauten» Zwiegespräch.

Konzentrierte Ausstellung

Im ersten Stock dann hat jeder seinen Raum, aber es ist gerade diese besondere Gegensätzlichkeit, die eine Balance schafft – für die angenehm konzentrierte Ausstellung mit einer lockeren Auswahl aus den letzten Jahrzehnten wie für die künstlerische Resonanz, die wirklich hörbar scheint. Ein Gleichgewicht zweier spezieller künstlerischer Kräfte, die immer wieder zusammen ausgestellt haben, das erste Mal bereits 1973 hier im Schlösschen.

Bis 10. Dez. Geöffnet: Sa + So 14 – 18 Uhr, Mi + Do 16 – 19 Uhr. Vernissage, heute Samstag, 18. Nov. 17 Uhr. Matinée-Konzert Sonntag, 26. Nov, 11 Uhr.

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